Das Ende war deswegen so traurig, weil sein Leben davor so lustig war. Im Altenheim an der Türkenschanze, an der Grenze zwischen Gersthof und seinem Heimatbezirk Döbling riss schließlich der Film, der für Franz Antel das Leben bedeutete. In der Nacht auf Sonntag ist der Filmregisseur im 95. Lebensjahr gestorben. Wie viele Werke der Regisseur geschaffen hat, konnte er nicht genau beziffern, schätte sie auf 103. Tatsache bleibt, dass viele seiner Filme aus den fünfziger Jahren längst Klassiker sind. "Ich habe viele Filme gemacht, für die ich mich nicht zu schämen brauche. Auch Schmarrn, aber bei so vielen Filmen kann das schon passieren", resümierte der damals 93-Jährige.
Auch für die Sex-Schmarrn Ende der sechziger Jahre musste er sich nicht wirklich genieren. "Es war ein Jahrzehnt, wo ich nicht nur mich, sondern auch meinen Stab ernähren musste. Die Leut' haben Brot gebraucht. Mitarbeiter haben gesagt; ,Franz, ich bin schon seit vier Wochen arbeitslos, wann machen wir den nächsten Film?"
Von Leo Szlesak zur Kiewer Oper
Am 28. Juni 1913 war er in Wien als Beamtensohn zur Welt geommen, als 14-Jähriger drehte er seinen ersten Amateurfilm, absolvierte 1932 die Erste Wiener Tonfilmakademie, dann wurde er Regieassistent bei seinem großen Vorbild, dem Kameramann Hans Theyer. Noch vor dem Krieg sollte er für Wien-Film seine erste Produktion abliefern: "Unsterbliche Melodie" mit dem Star-Tenor Leo Slezak.
Der Weltkrieg verschlug Antel als Truppenbetreuungsoffizier der Deutschen Wehrmacht in die "eroberten Ostgebiete". Kurz, aber doch, leitete er die Kiewer Oper, dann nahm ihn die Rote Armee gefangen.
Antel: "Entweder man macht große Kunst oder man lebt gut"
Antel hatte Glück. Wie auch später noch so oft. 1945 schickten ihn die Sowjets heim und der gelernte Filmproduzent bedankte sich bei seiner Heimat mit dem preisgekrönten Kulturfilm "Österreich ruft die Welt", dessen Drehbuch er selbst verfasste.
Mit Kultur allein ließ sich aber nicht so viel Geld machen, das Antel stets für seine vielfältigen und kostspieligen Amouren benötigte. Also folgten Lustspiele und harmlose Unterhaltungsfilme ("Hallo Dienstmann" mit Paul Hörbiger und Hans Moser, "Kaiserwalzer" 1953, "Kaisermanöver" 1954). Ausstattungsrevuen, Heimatfilme, Antel war unermüdlich.
Von der Kritik verachtet, finanziell aber am erfolgreichsten gestalteten sich die Sex-Komödien, die mit "Susanna - Die Wirtin von der Lahn" 1960 begannen und mit "Wenn Mädchen zum Manöver blasen" Ende der Sechziger beendet wurden. Da verwendete der Meister gern das Pseudonym François Legrand. Nein, bescheiden war er nie. "Entweder man macht große Kunst oder man lebt gut. Ich, für meine Person, leb' gern gut."
Vater des "Bockerer"
Franz Antel stellte längst höhere Ansprüche an sich. "Spionage" entstand 1955 - mit Oskar Werner in der Rolle des k.-u.-k.-Spions Oberst Redl. Immer prominenter wurden seine Mitwirkenden: Mit Curd Jürgens entstand "Morgen sind wir reich und ehrlich", mit Tony Curtis 1976 die Sex-Klamotte "Casanova & Co." Der erhoffte Sprung nach Hollywood gelang dennoch nicht. Ein Rückschlag für Antel, ein Glücksfall für Österreich und den ORF.
Und für Karl Merkatz, der endlich aus der maßgeschneiderten Rolle des "Mundl" ausbrechen konnte, die ihn zeitlebens auf den Vorstadtprolo festzulegen drohte. "Der Bockerer", diese Serie, die 1981 startete, war Antels Vermächtnis an die Jugend, "damit sich eine solche Katastrophe nicht wiederholt." Ein Fleischhauer in der Vorstadt, der während der NS-Zeit seinen Eigensinn und seine Ablehnung nicht aufgibt, aber auch später während der russischen Besatzungszeit seinen eigenen Kopf hat _ und in ständige Schwierigkeiten gerät: Eine klassische Anti-Figur zu jenem "Herrn Karl", der sich's mit jedem Regime gerichtet hat, das über Österreich hereinbrach.
Johann Strauss kostete ihm sein Vermögen
Doch Antel wollte mehr. Und produzierte einen Flop. Das Großprojekt über den Walzerkönig Johann Strauss hatte keinen Erfolg, kostete Antel sein gesamtes Vermögen. In einer Döblinger Villa, die ihm Freunde zur Verfügung gestellt hatten, verbrachte er seine letzten Jahre. Seiner Frau Sybilla und deren Freund zahlte er eine eigene Wohnung in Döbling, oft traf man die "Ménage à trois" einträchtig bei Abendgesellschaften. Man tuschelte zwar, aber bei Antel war eben nichts in der Norm. "Eine Vierzigjährige kommt für mich bestenfalls als Wirtschafterin in Frage", hatte er einmal schnoddrig getönt. Da war er 55.
Da konnte er sich mit den hübschesten Starlets schmücken - er, der unattraktive Filmproduzent. Zuletzt, als Pflegefall, war die Zahl jener, die ihn umschwärmten, umsorgten, weitaus geringer.


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