Innsbruck. „Die Inder fühlen sich sehr wohl bei uns“, sagt Johannes Köck, Leiter von Cine-Tirol. Geht es nach ihm, soll es den Asiaten aus dem Filmgeschäft bald ebenso ergehen. Erfahrung mit den ausländischen Gästen hat Köck nämlich ausreichend gesammelt.
Man habe in den vergangenen neun Jahren gelernt, mit den indischen Bedürfnissen umzugehen. Denn Bollywood-Produktionen laufen „etwas anders“ ab: „Es gibt zum Beispiel kein Drehbuch und keinen Drehplan. Man muss also sehr flexibel sein.“
Es komme vor, dass zwischen Anfrage und Ankunft der Filmcrew nur wenige Tage liegen. Mittlerweile kann Cine-Tirol – eine 1998 gegründete Initiative des Landes und der Tirol Werbung zur Förderung des „Filmstandorts Tirol“ – auf Erfahrungen aus insgesamt 64indischen Filmproduktionen verweisen. Im vergangenen Jahr war Tirol auch als einziger europäischer Vertreter auf der größten indischen Filmmesse präsent.
Dieses Engagement rechnet sich für den Tourismus, erklärt Köck: „100 Prozent Nächtigungs- und Ankunftsplus bei den Gästen aus Indien von der ersten Bollywood-Produktion 1999 bis zum Vorjahr.“
Hollywood ziert sich
Nach dem indischen Markt nimmt Tirol nun die aufstrebende chinesische Filmindustrie ins Visier: „Wir sind dabei, Netzwerke in Shanghai zu knüpfen.“ Zudem haben die Tiroler ein Auge auf die arabische Filmindustrie geworfen.
Sowohl Inder, als auch Chinesen und Araber schätzen die gut erschlossene Berglandschaft Tirols als Kulisse. Hollywood ist selten zu Gast: „Wir tun zwar, was möglich ist, aber mit den Amerikanern ist das nicht einfach.“ Der starke Euro sowie die Konkurrenz aus Osteuropa nennt Köck als Gründe dafür. Zudem gelte für Hollywoodproduktionen die „politische Empfehlung“, wenn möglich in den USA zu drehen. Dennoch diente Tirol so manchem Blockbuster als Kulisse: 1925 drehte Alfred Hitchcock „The Mountain Eagle“ in Obergurgl. 1969 raste Robert Redford als „Downhill Racer“ über Kitzbühels Pisten. Jean-Jacques Annaud setzte 1988 den Tierfilm „Der Bär“ in Tirols Bergen in Szene. 1997 tauschte er den Bären gegen Brad Pitt und drehte Teile der Harrer-Biografie „Sieben Jahre in Tibet“ in Osttirol.
Vom Berg- zum Filmvolk
In jüngerer Vergangenheit kamen Actionheld Vin Diesel (für „XXX-Triple X“) und Frauenliebling Matt Damon („Die Bourne Identität“) dienstlich nach Tirol. Wichtigster Zielmarkt ist jedoch Deutschland. TV-Serien made in Tirol, (Bergdoktor, SOKO Kitzbühel, Tiroler Tatorte) locken bis zu sechs Millionen Zuseher vor die Bildschirme. Eine unschätzbare Werbung für den Tourismus.
Die Tiroler wurden mittlerweile selbst zum Filmvolk. Sie stellen sich mit Begeisterung als Statisten zur Verfügung. Creative Creatures, die größte Castingagentur im Land, kann auf eine Datei mit über 10.000 Personen zurückgreifen. „Das sind Komparsen, Schauspieler und Filmschaffende“, sagt Chefin Ursula Kepplinger. Gefragt sind vor allem urige Typen mit „authentisch verwitterten Gesichtern“.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 24.01.2008)