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Guillermo del Toro: Mehr Monster!

17.10.2008 | 10:31 |  Von Markus Keuschnigg (Die Presse - Schaufenster)

Der Mexikanische Filmregisseur und Zahnradfetischist Guillermo del Toro erklärt, warum Comics die neuen Epen sind, und warum sich Monster nicht vor Kindern fürchten müssen.

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Guillermo del Toro ist ganz offensichtlich ein Freund von Monstern und fantastischen Geschichten. Denn in seinen Filmen wimmelt es davon. Egal, ob er nun für Hollywood Comics verfilmt wie „Hellboy“ und „Hellboy 2“, der jetzt ins Kino kommt. Oder die Kritik mit dem politischen Märchenmeisterwerk wie „Pans Labyrinth“ begeistert.

Wieso hängt Ihr Herz so stark an „Hellboy“?

Guillermo del Toro: Ich liebe Hellboy! Schon im ersten Film gibt es viele autobiografische Momente: Das Umwerben meiner Frau ist etwa in den ersten „Hellboy“-Film eingeflossen. Hellboys Dilemma ist jenes, das ich mein ganzes Leben hindurch hatte. Es ist eine ­Figur, die mir nahesteht. Er ist nicht außergewöhnlich klug, hat aber ein gutes Herz. Hellboy ist die ideale Version von mir selbst.

Warum haben Sie in Budapest gedreht?

Aus finanziellen und künstlerischen Erwägungen. Ich glaube, Europa hat eine andere Vorstellung von Handwerkskunst, wenn es um Filmsets geht. Ich liebe US-Crews, aber es gibt eine Handwerkskunst in der Alten Welt, die stark von der Bühne und der Oper beeinflusst ist.

In „Hellboy 2“ spielt der Fischmann Abe Sapiens ­eine viel größere Rolle. Warum?


Tatsächlich hatte Abe viel mehr Raum im ersten Film, aber wir mussten aus Budgetgründen schneiden. Jedes Mal, wenn Abe digital blinzelt, kostet das 5000 Euro.

Fühlen Sie jetzt einen größeren Druck, da die Comic-adaption „The Dark Knight” so ein Erfolg wurde?

Nein, denn ich strebe so einen Erfolg nicht an. Wenn man das tut, was man will, und es macht Geld: toll! Wenn es kein Geld macht: auch gut! „Mimic“ hat 30 Millionen Dollar eingenommen, „The Devil’s Backbone“ weniger als ­eine. „The Devil’s Backbone“ ist mir aber lieber. Wenn mich solche Gedanken kümmern würden, dann würde ich eine andere Art Film machen.

Können Sie sich erklären, wieso Comicverfilmungen bereits seit mehreren Jahren so populär sind?

Schwer zu sagen, aber ich glaube, dass all die populären Unterhaltungsformen, die in der Vergangenheit missbilligt worden sind, gereift sind.
Comics hatten eine vollkommene Reifezeit in den 80er- und 90er-Jahren. Wir sind jetzt an einem Punkt, an dem man sagen kann, dass Comics die Mythologie des 21. Jahrhunderts sind. Geht es um epische Geschichten, denkt man selbst an Achilles oder Hektor, die Kinder denken aber an Superhelden.

Ihre Filme sind immer voll von Maschinen und ­Apparaturen. Wieso?


Ich sammle sie. In Berlin bin ich nach dem Mittagessen auf die Suche nach einer Kuckucksuhr mit einem Skelett gegangen. Maschinen sind auf so viele Arten einfach wunderschön. Als Kind war ich fasziniert von den Legenden der Automaten, es gibt fantastische Geschichten über die klassischen Automatenmacher in Europa wie Jacques de Vaucanson oder Pierre Jacquet-Droz. Leute, die kleine Figuren hergestellt haben, die gehen und reden konnten. Das war wie Magie für mich. Und ich liebe Zahnräder, auch als Symbol für das Universum, das unaufhaltsame Schicksal, das Fortschreiten, was immer. Ich werde ganz aufgeregt, wenn ich Zahnräder sehe. Es ist ein Fetisch: Andere mögen Stöckelschuhe, ich mag Zahnräder.

Waren Sie vom großen Erfolg von „Pans Labyrinth“ überrascht?

Ich war glücklich, denn offenbar konnte sich ein junges Publikum auf der ganzen Welt damit identifizieren. Für mich ist allerdings die zahlenmäßige Größe der Hingabe weniger wichtig als die Tiefe der Hingabe. Wenn Sie mich fragen: Würden Sie sich den kleinen Finger abhacken, um damit Terry Gilliams „Brazil“ zu konservieren, dann sage ich darauf: Ja! Ich hoffe allerdings, es tut nicht weh. Für die Filme, die ich wirklich liebe, würde ich einen Teil meines Lebens hergeben. Und es gefällt mir, dass einige junge Leute von „Pans Labyrinth“ so bewegt waren, dass sie diese Art der Hingabe dafür entwickelt haben.

Die Figurenentwürfe von „Hellboy 2“ sind denen von „Pans Labyrinth“ ähnlich. Verbinden sich diese Universen in Ihrem Kopf?

Filmemacher drehen ihr ganzes Leben lang nur einen Film. Zum Schluss hat man einen einzigen, sehr langen Film. Alles greift ineinander.

Wie erschaffen Sie all diese Kreaturen?

Das ist einfach. Ich könnte mein ganzes Leben damit zubringen, Monster zu erschaffen. Was mir nämlich am ersten „Hellboy“-Film nicht gefallen hat, war, dass es darin viel zu wenige Monster gegeben hat.

Kinder spielen in Ihren Filmen eine große Rolle, Hellboy ist selbst wie ein großes, perverses Kind.


Ich versuche die Seelenverwandtschaft zwischen Monstern und Kindern zu zeigen, nicht so sehr, dass sich einer vom anderen bedroht fühlen würde. Kinder und Monster können meiner Meinung nach in Frieden zusammenleben.

TIPP
Hellboy 2 – Die goldene Armee ab 17. 10. im Kino

Pans Labyrinth auf DVD erhältlich

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