Hunger Games: Die Revolution wird ausgestrahlt

Die "Tribute von Panem"-Filmreihe dehnt die Romantrilogie auf vier Teile aus. Genau so fühlt sich "Mockingjay - Teil 1" auch an. Lichtblick im Warten auf das Finale: Jennifer Lawrence. Ab Donnerstag im Kino.

Die Tribute von Panem - Mockingjay Teil 1
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Die Tribute von Panem - Mockingjay Teil 1
(c) Murray Close/Constantin

Der dritte Teil der vierteiligen "Tribute von Panem"-Filmreihe ist der schwierigste. Im ersten Film gab es eine klare Dramaturgie: 24 Jugendliche werden in eine Arena geschickt, nur einer oder eine überlebt. Diese Hunger Games genannten Spiele sollen der Erhaltung des Friedens in einem totalitären Staat namens Panem dienen. Unter der Fassade sind sie freilich Machtinstrument der Herrscher in diesem düsteren Nachkriegs-Amerika der Zukunft, und abgründige Unterhaltung für die Oligarchie. Als Hauptfigur Katniss Everdeen (Jennifer Lawrence) siegt, trickst sie das System aus, indem sie ihrem Freund und Tributen-Kollegen Peeta Mellark (Josh Hutcherson) das Überleben sichert. "Catching Fire", der zweite Film, variierte das Konzept der todbringenden Spiele, erneut werden Katniss und Peeta als Tribute in die Arena geschickt. Zu diesem Zeitpunkt schwelt die Rebellion schon, die der diabolisch-großväterliche Präsident Snow (Donald Sutherland) fürchtet, angefacht von Katniss zivilem Ungehorsam. Am Ende wird Katniss aus der Arena gerettet. Peeta bleibt zurück, den Fängen des Kapitols ausgeliefert.

Die Rebellion zum Brennen zu bringen, das ist nun die Aufgabe der Hauptfigur im dritten Teil. Aus der Arena befreit, wacht sie im Distrikt 13 auf, der angeblich bei einem Widerstandsversuch gegen das Kapitol zerstört wurde. Der erweist sich als streng geregelter Militärstaat im – sprichwörtlichen – Untergrund, angeführt von Präsidentin Alma Coin (spannend: Julianne Moore). Doch Katniss, widerwillig Galionsfigur des Widerstandes, brennt nicht für die Rebellion – nicht, solange Peeta als Aushängeschild Panems von allen Fernsehschirmen des Landes Pazifismus predigt.

Keine Ikone des Widerstands

"Mockingjay - Teil 1" widmet sich der Entwicklung der mit Pfeil und Bogen bewaffneten Kriegerprinzessin, dieses komplexen und unsentimentalen neuen Heldinnen-Typus, deren Erfolg Hollywood mit Divergent und ähnlichen Filmen zu kopieren versucht. Sie lässt sich als Symbol des Aufbegehrens gegen Autorität begreifen, in denen das jugendliche Publikum ihren Kampf um Selbstbestimmung und Abnabelung von den Eltern wiederfinden mag. Allein, Katniss ist im dritten Film im Stillstand gefangen. Zutiefst traumatisiert ist sie schlicht unfähig, die Mockingjay genannte Ikone des Widerstandes zu spielen.

Hunger Games: Weshalb man ''Mockingjay - Teil 1'' nicht unbedingt sehen muss

Ein dünner Plot, den die Aufteilung des finalen Romans in zwei Filme noch deutlicher macht. In Suzanne Collins Vorlage täuschen die atemlose Erzählweise im Präsens und die mittels Ich-Perspektive vorgegaukelte Nähe zur Hauptfigur über solche dramaturgischen Schwächen hinweg. Auch Regisseur Francis Lawrence bleibt nahe dran an seiner Heldin. Die Kamera (Jo Willems) heftet sich an Oscar-Preisträgerin Jennifer Lawrence, in Großaufnahmen fängt sie ihr Gesicht ein, aus dem sich die Gefühlsregungen der Heldin mühelos ablesen lassen. Ihr obliegt es, den Film zu tragen, dem die Transformation nicht gelingen mag: Vom persönlichen Schicksal des Mädchens muss sich die Geschichte wandeln, in eine größere Erzählung über die Revolution einer Nation.

Bilder von Katniss' zerstörtem Heimatdistrikt 12 schockieren, die gezeigten Aufstände bleiben aber seltsam gesichtslos. Der mediale Stellvertreterkrieg, den sich Distrikt 13 und Kapitol via Fernsehbilder liefern, wirkt verglichen mit alltäglichen Nachrichten harmlos. Nach Jahrzehnten der Diktatur und der Propaganda, wer in Panem soll da dem Fernsehen noch trauen? Selbst der romantische Subplot stagniert. Das Liebesdreieck zwischen Katniss, ihrem Freund Gale (Liam Hemsworth) und Peeta lässt sich in Abwesenheit des Dritten nicht auflösen. Nur partiell nimmt sich der Film die Freiheit, von der Vorlage abzuweichen und liefert so zumindest noch einen spannenden Showdown.

Letzte Rolle für Philip Seymour Hoffman

Geglückt ist die Besetzung. Philip Seymour Hoffman spielte als zum Widerstand übergelaufener Fernsehproduzent seine letzte Rolle, auch im zweiten Teil des Finales. Als er im Februar starb, hatte er die meisten Szenen für "Mockingjay - Teil 2" bereits abgedreht. In exzentrischen Auftritten kehren zudem Stanley Tucci, Elizabeth Banks und Woody Harrelson zurück. Mockingjay - Teil 1 erfüllt seine Aufgabe als kurzweilige Exposition für das große Finale in "Mockingjay 2", der erst im Winter 2015 ins Kino kommt. Und natürlich als zusätzliche Geldquelle für die Produktionsfirmen Lionsgate und Color Force. Vom letzten Film darf man sich erwarten, was Katniss in ihren Propagandavideos verspricht: "Fire is catching!"

Ab Donnerstag, 20. November, im Kino.

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