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Nachruf: Maurice Jarre 1924–2009

30.03.2009 | 18:14 |   (Die Presse)

Der dreifache Oscarpreisträger Maurice Jarre komponierte die Musik zu "Laurence von Arabien" und "Doktor Schiwago", arbeitete mit Hitchcock und Visconti. Er starb mit 84 Jahren in Los Angeles.

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Maurice Jarre war einer der wenigen Komponisten, dessen Filmmusik ein tatsächliches Eigenleben entwickelte. Seine kunstvollen Arrangements für Dr. Schiwago (1965) und Lawrence von Arabien (1962) waren nicht nur kongeniale Beiträge zu großem Kino, sondern auch jenseits der Leinwand populär: „Laras Theme“ aus Dr. Schiwago wurde mit seinen Balalaikas ein echter Evergreen.

Für beide Filme erhielt Jarre den Oscar, ebenso wie für Reise nach Indien (1984), alle drei entstanden unter der Regie von David Lean. Doch obwohl man Jarres Namen fast automatisch mit Leans Epen assoziiert, sind sie nur ein verschwindender Teil seines ?uvres – für über 160 Filme und Fernsehserien hat Jarre die Musik komponiert, dabei mit einigen der berühmtesten Regisseure zusammengearbeitet: Etwa Alfred Hitchcock (Topas, 1968), Luchino Visconti (Die Verdammten, 1969), William Wyler (Der Sammler, 1965) und John Huston (u.a. bei Der Mann, der König sein wollte, 1974).

Zu Jarres drei Oscars kamen sechs weitere Nominierungen, das letzte Mal für Ghost – Nachricht von Sam (1990). Zu diesem Zeitpunkt bevorzugte der Komponist schon länger elektronische Musik (der Synthesizer-Pionier Jean-Michel Jarre ist einer der Söhne aus Maurice Jarres insgesamt vier Ehen).

Spät war der 1924 in Lyon geborene Filmmusiker zu seinem Metier gekommen: Jarre begann eine Ingenieursausbildung, bevor er gegen den Willen seines Vaters am Conservatoire de Paris Musik studierte. 1951 holte ihn der bedeutende Regisseur George Franju für einen Kurzfilm, es folgten gemeinsame Langfilme – wie der Klassiker Augen ohne Gesicht(1960) –, bei denen Bild und Ton bemerkenswert zusammenspielten.

Die Kombination gelang auch bei Lawrence von Arabien: Nachdem er dafür den Oscar erhielt, zog Jarre in die USA, komponierte vor allem für Hollywood, unternahm aber immer wieder Abstecher nach Europa (Die Blechtrommel, 1979) oder ins TV (Shogun, 1980). Am 12. Februar 2009 nahm Maurice Jarrenoch bei der Berlinale einen Preis für sein Lebenswerk entgegen. Es wird unvergesslich bleiben, auch wenn sein Schöpfer in der Nacht auf Sonntag mit 84 Jahren seinem Krebsleiden erlag. hub

("Die Presse", Print-Ausgabe, 31.03.2009)

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