''Star Trek'': Die ersten elf Filme in der Kurzkritik

Am 9. Mai kommt "Star Trek Into Darkness", der zwölfte Teil der Weltraumsaga ins Kino.

Kurzkritik zu den bisherigen elf Filmen von Wolfgang Greber.(c) Paramount Pictures

Star Trek – Der Film (1979)

79 Folgen lang hatte die Crew der alten Enterprise durch Filmsets aus Pappmaché und gegen Gegner in Faschingskostümen kämpfen müssen. Beim ersten Kinofilm durfte man technisch in die Vollen greifen. Resultat: Eine sich träge dahinschleppende Handlung mit pseudophilosophischem Überbau, die in einem See aus damals beeindruckenden, jedenfalls aber ausufernden Spezialeffekten schwimmt. Die Filmmusik von Jerry Goldsmith setzte indes Maßstäbe. Was die riesige Maschinenwelt namens „V'ger“, die die Erde bedroht, wirklich ist, wissen wohl nicht einmal die Macher selbst.

Die Kritik zum neuen Film(c) Paramount

"Wieso wird jedes Objekt, das wir nicht kennen, immer als ,Ding´ bezeichnet?"

Dr. McCoy angesichts der unbegreiflichen Maschinenwelt(c) Paramount

Star Trek II: Der Zorn des Khan (1982)

Der erste richtig coole und runde Star-Trek-Film, und für viele Fans der beste, jedenfalls der klassischen sechs Folgen. Spannende Raumschlachten und wunderbare vulkanische und menschliche Dialoge treffen auf einen gefühlsstark aufgeladenen Unterbau ohne viel philosophisches Brimborium. Dazu die verstörende Eröffnungsequenz. Und Ricardo Montalban (der „Zach Powers“ von den „Colbys“) hat als rachsüchtiger Khan Noonian Singh, der Kirk wegen einer alten Rechnung an den Pelz will, die Rolle seines Lebens.(c) Paramount

"Die Rache ist ein Gericht, das am besten kalt serviert wird."

Khan(c) Paramount

Star Trek III: Auf der Suche nach Mr. Spock (1984)

Nach dem Gipfel der Absturz: Dass Spock kurz vor seinem Tod in Teil 2 seine Seele in Dr. McCoy übertragen hat, birgt zwar wunderbare Momente. Die Musik ist auch tränendrückend, und Kirk hat eine seiner tiefsten Szenen, als er erfährt, dass sein Sohn tot ist. Der Rest, vor allem das Erwachsenwerden der Spock-Inkarnation, ist aber schwachsinnig, Würden die richtigen Klingonen erfahren, als was für bescheuerte Figuren sie dargestellt werden, sie täten den Regisseur einen Kopf kürzer machen. Das war freilich Leonard Nimoy. Na ja. Auch der kann irren.(c) Paramount

"Das Wohl von vielen wiegt schwerer als das Wohl von wenigen oder Einzelnen. Ich war es und werde es immer sein: ihr Freund. Leben sie lange und in Frieden."

Spock vor seinem Tod zu Kirk(c) REUTERS (© Reuters Photographer / Reuters)

Star Trek IV: Zurück in die Gegenwart (1986)

Das ewige Rätsel: Wie konnte eine Geschichte rund um zwei Buckelwale, die Kirk und Konsorten mit einem klingonischen Bird of Prey aus der Vergangenheit in die Zukunft transportieren müssen, um den Untergang der Welt durch eine außerirdische Sonde zu verhindern, zum bis heute größten Star Trek-Kassenschlager werden? Wahrscheinlich, weil damals Mitte der 80er alle so wahnsinnig grün und gegen das Waldsterben und Hainburg und so waren. Und weil man mit Tieren auch Frauen ins Kino bringen kann, meint meine Frau. Na ja. Der Film ist aber wirklich witzig.(c) Paramount

"Das ist eine extrem primitive und paranoide Kultur."

Kirk über die Vereinigten Staaten Ende des 20. Jahrhunderts(c) Paramount

Star Trek V: Am Rande des Universums (1989)

Wieder ein Absturz. Man findet zwar einige nette Dialoge, und die Wanderszenen aus dem Yosemite-Nationalpark sind lustig. Das Machwerk, bei dem William Shatner Regie führte, scheitert aber an seinem eigenen Anspruch: Immerhin will man GOTT finden. Dass das irgendwie nie befriedigend gelöst werden kann, liegt auf der Hand. Und so ist denn der „Gott“, den sie finden, wieder so ein linker Typ mit Rauschebart im brennenden Dornbusch. Der deutsche Titel ist überdies völlig daneben: Die Gottes-Sucher fliegen nicht an den Rand, sondern ins Zentrum der Milchstraße.(c) Paramount

"Ich bin groß darin, nach vorn zu stürmen, wo Engel furchtsam weichen."

Kirk über sich selbst(c) Paramount

Star Trek VI: Das unentdeckte Land (1991)

Der Ostblock kollabierte, und daraus sogen Drehbuchschreiber ihren Saft. Resultat: Ein brillantes Stück, das auch die Ehre der Klingonen rettet. Der Titel ist eine Anspielung auf „Hamlet“, wobei dieser mit dem „unentdeckten Land“ freilich den Tod meint, nicht die Zukunft. Christopher Plummer als klingonischer General sondert coole Shakespeare-Sprüche ab und ist nach Khan der zweitbeste Bösewicht. Die Schlußsequenz, in der die Unterschriften der Enterprise-Crew zu mächtiger Musik erscheinen, ist ergreifend - und setzt den Schlusspunkt der klassischen Folgen.(c) Paramount

"Menschenrechte! Allein schon der Begriff ist rassistisch."

Azetbur, Tochter des später ermordeten klingonischen Kanzlers Gorkon

Star Trek VII: Treffen der Generationen (1994)

Dieses Werk, bei dem die Next Generation von Captain Picard die Nachfolge antritt, ist wild umstritten. Viele angebliche Kenner halten es für schlicht, eindimensional und hölzern gespielt. Schmarren, die irren, die Narren: Wahrscheinlich haben diese Leute kein Gefühl – dieser Film ist der emotionalste und tiefschürfendste der gesamten Reihe, allein der weinende Picard entschuldigt für allerhand dramaturgische und logische Unzulänglichkeiten. Am Ende stirbt Kirk. Seine letzten Worte: „Es war... Spaß. Oh, mei...“ Wer da nicht flennt, ist herzlos und dumm.(c) Paramount

"Risiko gehört zum Spiel, wenn man auf dem Stuhl da sitzen will."

Admiral Kirk, als der neue Enterprise-Captain Harriman in einer brenzligen Lage nicht mehr weiter weiß(c) Paramount

Star Trek VIII: Der erste Kontakt (1996)

Nach diesem Ding war klar, dass es nur noch abwärts gehen konnte. Die Geschichte um den Angriff des Mensch-Maschinen-Kollektivs der „Borg“ in ihren würfelförmigen Schiffen ist einzigartig, das Schauspiel elegant. Nie zuvor spielten Hass und Zorn solch tragende Rollen, ein Hauch von Beklemmung liegt über allem, und erstmals konnte man einen klassischen Hand-zu-Hand-Kampf an der Oberfläche der Enterprise sehen. Die versuchte Verführung des Androiden Data ist ein Klassiker der Filmkunst. Geben wir einfach elf von zehn möglichen Punkten. Widerspruch ist zwecklos.(c) Paramount

"Versuche nicht, ein großer Mann zu sein, sei einfach ein Mann. Und lass die Geschichte ihr eigenes Urteil fällen."

Zefram Cochrane, Erfinder des Warp-Antriebes(c) Paramount

Star Trek IX: Der Aufstand (1998)

Inspiriert von den Balkankriegen mit ihren ethnischen Säuberungen entstand ein romantisch-bukolisches Gutmenschenstück, das der größte Star Trek-Schmarren ist. Unbekannte Figuren werden eingeführt, die keine Zeit haben, sich zu entwickeln, dazwischen laufen ein paar fröhliche Bauern herum, weil ihr Leben ja so toll ist. Wieso es so schlimm sein soll, diese etwa 600 Leutchen umzusiedeln (unblutig, und ohne, dass sie es merken!), wenn man dafür an Ressourcen gelangt, die Millionen ein ewiges Leben versprechen, ist moralisch unklar. Fazit: Shit, nur für Hardcore-Grünwähler!(c) Paramount

"Ihr Klingonen macht keine halben Sachen, was?"

Commander Riker zu Worf, als dieser einen mächtigen Pickel im Gesicht hat(c) Paramount

Star Trek X: Nemesis (2002)

Der letzte der Next-Generation-Filme, und ein würdiges Ende. In der Publikumsgunst fing er nie Feuer, aber diesmal lag das Publikum falsch. Nemesis ist ein starkes Stück über das Selbst, und über die alternativen Wandelwege des Lebens. Die Kämpfe zwischen der entschieden militaristisch anmutenden Enterprise-E und dem gewaltigen Schlachtschiff des romulanischen Prätors Shinzon, der sich als Picards sterbender Klon entpuppt, sind mit das beste, was je zu sehen war. Für das tumbe Publikum und die ebensolchen Kritiker war Nemesis wie die notorischen Perlen vor den Säuen.(c) Paramount

"Und wie tausend andere Feldherren vor tausend anderen Schlachten warte ich jetzt auf die Morgendämmerung."

Picard vor dem Nahen des Feindes(c) ORF (ORF1, DO, 11.09.2008, 10:05 UHR)

Star Trek (2009)

Wegen des matten Erfolges der vorigen beiden Filme schickte man die Next Generation in Pension und wagte unter Federführung des jungen wilden Erfolgsregisseurs J. J. Abrams etwas ganz Neues: Nämlich wieder ganz vorn anzufangen - unter Benutzung einer alternativen Zeitlinie. Die beginnt, als anno 2233 Romulaner aus der Zukunft auftauchen und ein Föderationsschiff zerstören, in dem Kirks Vater George stirbt und er selbst nur knapp davonkommt – er wird von seiner Mutter in einem Rettungsschiff geboren (während er in der "alten Zeitlinie" im selben Jahr in Iowa auf die Welt kam).(c) Paramount Pictures

Trek-Veteranen hatten den Film mit Grauen erwartet, auch, weil junge und durch teils doofe Streifen vorbelastete Schauspieler in die alten Rollen schlüpften. Doch wider Erwarten funktionierte das grenzgenial gut, die Action war angemessen, es war schön, den neuen alten Lebensgeschichten zuzusehen. Und die Geschichte rund um künstliche Schwarze Löcher, mit denen man Planeten zerstören kann, ist zwar an der Grenze zum Absurden, aber dennoch gewaltig.(c) Rampetzreiter Heide

Im Grunde ist die ganze Handlung um den "originalen" Spock herum gestrickt, der es anno 2387 nicht verhindern kann/konnte/können wird, eine Supernova rechtzeitig "auszulöschen", die den romulanischen Heimatplaneten zerstört. Stattdessen reisst ein Schwarzes Loch ein gewaltiges Romulanerschiff in die Vergangenheit - und ihn selbst auch, in einem bizarren Fluggerät, das aussieht und fliegt wie eine b'soffene Kreuzung aus Schmetterling und Kanarienvogel.(c) Paramount

Also agieren schließlich in jenem Jahr, in dem die Haupthandlung des Films spielt, nämlich 2258 (die originale erste Mission der Enterprise währte von 2264-69) ein junger und ein hochbetagter Spock gleichzeitig - ihr Treffen am Ende ist ein emotionaler (sic!) Meilenstein der Start-Trek-Historie.(c) Photo Credit: Zade Rosenthal

"Wenn Sie nur halb der Mann sind, der Ihr Vater war, Jim, dann kann die Sternenflotte Sie brauchen. Ihr Vater war zwölf Minuten Captain eines Raumschiffes. Er rettete in dieser Zeit 800 Leben, darunter das Ihrer Mutter und das Ihre. Ich weiß, Sie können mehr!"

Captain Christopher Pike, Rekrutierungsoffizier der Sternenflotte, zum wilden Jungspund James Tiberius Kirk und über dessen Vater, George Kirk.

Link: Kritik zu "Star Trek Into Darkness" (c) Paramount Pictures

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