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Star Trek: Enterprise reloaded

29.04.2009 | 17:47 |  WOLFGANG GREBER (Die Presse)

Der elfte Teil des Weltraumopus von Regisseur Jeffrey Jacob Abrams springt in die Jugend von Kirk & Co. zurück. Ganz neue Schauspieler schlüpfen in die bekannten Rollen. Der Film begeistert wider Erwarten.

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Schwarz-Weiß. Grautöne. Ich erinnere mich noch an den Grundig-Fernseher, mit seiner hölzernen Hülle und dem gerillten Wählrad für die Kanäle. Beim Umschalten hat's metallisch gekracht. Unter der Woche, am Abend, Ende der 70er-Jahre, schaute dann Captain Kirk in seiner grauen Uniform aus dem Kastl. Spock zog eine graue Augenbraue hoch. Miss Uhura war gar nicht so schwarz. Und all die Monster und Planetenkiller, die Tribbles, Klingonen, Lichter von Zetar und grünen Girls vom Orion, die waren schwarz-weiß-grau. War ein Hammer, als ich später mit dem neuen Farb-TV sah, dass Kirks Uniform in Wahrheit gelblich war, die von Scotty rot, und Phaserstrahlen bunt. Das kann nimmer besser werden, dacht ich mir.

Dann uferte Star Trek aus, nicht immer zu seinem Vorteil, in den 80ern folgte gar eine „Next Generation“, dazu Spin-off-Ungetüme wie „Deep Space Nine“, verschiedene Regisseure (darunter Trek-Protagonisten wie Jonathan Frakes) schufen zehn Kinofilme. Denen ging zuletzt die Luft aus, und zwar sowohl inhaltlich-atmosphärisch als auch gemessen an der harten Währung der Kinogänger.

Sicher, der phänomenale „Achter“, als die Enterprise gegen das Menschmaschinenkollektiv der Borg focht, legte die Latte hoch, da konnte nix Bessres mehr nach. Also war der Neuner ein politisch korrektes Soufflé, das beim ersten Anschauen zusammenfiel; der Zehner, als Picard seinen Klon trifft, war spannend und düster, zündete aber nicht recht. Vielleicht war man auch schon zu alt. Die Studentenjahre, als man sich am Nachmittag „Next Generation“-Folgen und dazu allerhand anderes reinziehen konnte, sind auch schon jenseits der Ereignishorizontes.

 

Angriff der Milchgesichter

Als es 2008 hieß, J. J. Abrams mache Teil elf, der in der Jugend der Ur-Crew um Kirk, Pille und Co. spielte, hielt man die Luft an: Der machte Bum-Bum-Kracher wie „Mission: Impossible III“ – das kann nix werden! Dann erste Fotos der Darsteller: Bubis, 70er-Jahrgänge, wie soll Milchgesicht Chris Pine, der in Liebeskomödien wie „Plötzlich Prinzessin“ herumsüßelte (in „Zum Glück geküsst“ macht er mit Ungustine Lindsay Lohan herum, darauf steht Erhängen am Galgenmikrofon!), die Rolle des Haudegens James Tiberius Kirk füllen? Oder Zachary Quinto: Für den nur aus der Serie „Heroes“ bekannten Schönling müssen die Schuhe von Leonard Nimoy bzw. Spock nicht nur eine Nummer, sondern ein Zahlensystem zu groß sein.

Aber jetzt, unerwartet, wird alles doch besser. Man könnte sagen: Das geistige Schwarz-Weiß aus Skepsis und Furcht zerreißt – und endlich ist da wieder Licht. Farbe. Und das Gefühl vibrierender Nerven.

Abrams legt mit einer hinreißenden Kamerafahrt los und lässt rasch ein Unheil in Form eines Rutenbündels (oder einer Spinne?) aus einem schwarzen Loch ins Jahr 2233 kriechen; dem Jahr, in dem laut der offiziellen Star-Trek-Enzyklopädie James T. Kirk zur Welt kommt. Geburt und Tod erweisen sich als nah, und nachdem die erste Träne zerdrückt ist, beginnt Abrams, sich an dem schönen und in sich konsistenten Plot von Roberto Orci und Alex Kurtzman orientierend, aus dieser ein neues Epos zu malen: die Geschichte vor der Geschichte.

Die sei nur angerissen: Im Grunde geht's um Zorn. Rache. Und wie Menschen werden. Im Jahr 2387 (zur Orientierung: „Nemesis“, der zehnte Teil, spielt acht Jahre zuvor; Kirk ist eigentlich seit 2293 tot) wird die romulanische Heimat zerstört; Spock ist daran beteiligt und wird nun von romulanischen Minenarbeitern verfolgt. Ihr Weg führt durch die Zeit, wo sie just zu Kirks Geburt auftauchen – und eine leicht alternative Zeitlinie in Gang setzen, die es den Autoren ermöglicht, nicht sklavisch jedes Detail des klassischen Star-Trek-Universums einhalten zu müssen.

 

Prügel-Landei versus Ordnungssklave

Man erfährt, wie Kirk und Spock aufwuchsen: Der eine ein Landei, das säuft und schlägert, der andere ein von seinen vulkanischen Mitschülern wegen seiner menschlichen Mutter gehänselte Sklave von Ordnung und Logik. Beide geraten zur Sternenflotte und wüst aneinander: Einmal schlägt Spock den renitenten Kirk, der auch schon mal Miss Uhura an die Oberweite langt, windelweich. Dann legt sich die Sternenflotte mit den Minenarbeitern an, noch ein Planet geht kaputt, dann fast die Erde. Und am Ende endet alles in ... Okay: Das reicht.

Staunend sieht man, wie die Jungschauspieler die Rollen ihrer Vorgänger nicht nur glaubhaft füllen, sondern neu nuancieren. Der gebürtige Russe Anton Yelchin gibt einen zerstreuten Chekov, Zoë Saldana eine wahnsinnig sexy Uhura und John Cho einen zähen Sulu (s. unten). Der Neuseeländer Karl Urban brilliert auch optisch als „Pille“ Dr. McCoy, hat aber zu wenig Raum. Britenkomiker Simon Pegg als Chefingenieur „Scotty“ ist gewöhnungsbedürftig. Dafür werden wahre Kenner u. a. mit grünen Orion-Girls, Spocks Harfe und dem legendären „Kobayashi Maru“-Test belohnt – und mit einer großen Rolle für Captain Christopher Pike (gespielt von Bruce Greenwood): Der war Kirks Vorgänger als Enterprise-Chef, kam aber nur in zwei Folgen der originalen Serie vor.

Teile der Handlung und Dramaturgie mögen zwar, wie es der Science-Fiction recht inhärent ist, an den Haaren herbeigezogen sein, und Jung-Kirk Chris Pine nervt bisweilen mit seinem Prügeltrieb und seiner vordergründigen Lässigkeit. Dann aber wieder versinkt er so in den Stuhl des Captains, dass aus seinem Antlitz förmlich William Shatner rinnt. Und in Eric Bana (der gab in „Troja“ den Hektor) hat er einen Feind, dessen Grobschlächtigkeit geradezu zauberhaft ist.

Es wär verwunderlich, würde aus diesem feinen Boden nicht ein tragfähiger Baum für neue Abenteuer einer neuen alten Crew erwachsen. Im Weltraum. Unendliche Weiten. Und es riecht wieder nach Jugend.

Ab 8. Mai im Kino

("Die Presse", Print-Ausgabe, 30.04.2009)

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12 Kommentare
Gast: XINDI
11.05.2009 08:48
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Zweischneidiges Schwert

Ich hab den Film gesehen....
Ich bin skeptisch ob man neue Fans dazugewinnt. Er ist sicherlich ein guter moderner SFI Film mit den Möglichkeiten des 21.Jahrhunderts. Die Story ist (we auch bei anderen ST Filmen) mittelmäßig. Aber ich glaube nicht dass man das Franchise mit alle paar Jahre einen Spielfilm richtig neu beleben wird können. Da wird sicherlich füher oder später wieder eine Serie her müssen.
Die alten ST Fans schätze ich werden sich wohl in drei Gruppen aufsplalten: Einnige werden begeistert sein. Darunter sind wohl viele, die alles gut finden was nur irgendwie mit ST zu tun hat. Die 2 Gruppe wird den sog."Neuanfang" zähneknirschend akzeptieren, da sie dann doch nicht wollen das ST stirbt. Die dritte Gruppe wird aber eher eine ablehnende Haltung einnehmen.
Ich gehöre wohl nun zur mittleren Gruppe der "Alten Fans" Es ist nicht ganz das was ich mir unter einer ST Zukunft wünsche. Aber anererseits besser als nichts. Mir persönlich wäre lieber gewesen irgendwo im 25.Jahrhundert anzusetzen (in der richtigen Zeitlinie). Aber gut jetzt ists so und ich werde damit leben (wobei im Leben gibts eh viel wichtigeres ;-) ) und vielleicht nimmt man sich auch bei ST XII (sofern das kommt) die Stimmen und Wünsche der Skeptiker zu Herzen. Ich sage mal gebt dem "Neuanfang" eine Chance sich zu entwickeln !
FAZIT: Ein guter Sfi Film für Nicht Trekkies und "Star Wars" Ballerei Fans. Für die alten ST Fans ein eher zweischneidiges Schwert.

Gast: Daniel Gernsmann
30.04.2009 16:47
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2009: Das Star-Trek-Jahr

Wie es aussieht, scheint dies ein Freudenjahr für alle Trekkies und Trekker zu werden: Es gibt einen neuen Film, der die Kritiker und Fans begeistert, es gibt restaurierte alte Filme und die Originalserie wurde auch überarbeitet, glänzt jetzt mit neuen, frischen visuellen Effekten auf DVD und Blu-ray. Mein Geldbeutel motzt, aber mein Fan-Herz hüpft vor Freude. Was wichtiger ist, dürfte klar sein. :-)

Gast: Andreas Habicher
29.04.2009 22:00
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Bravo!

Perfekte Kritik eines wirklich begeisternden Streifens. Leser, glaubt jedes Wort, das hier steht. Genau so ist es.

Gast: John K
29.04.2009 21:49
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Deep Space Nine

Deep Space Nine ist kein "Spin-off-Ungetüm", sondern eine sehr gut gemachte Serie, die es tatsächlich schafft, eine spannend aufgebaute Geschichte in 9 Staffeln zu Ende zu erzählen. Das ist selten genugim TV-Business, wo Serien oft aus wirtschaftlichen Gründen in der Hälfte verschandelt oder sogar abgedreht werden.
So wie das bei der Prequel-Serie "Enterprise" leider geschehen ist, dabei war die auch nicht so schlecht, wie manche tun. "Star Trek X" war dann tatsächlich ein bisschen langweilig.
Der neue Film: Hut ab!

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Re: Deep Space Nine

DA gebe ich ihnen recht. Die auflösung der handlungsstrenge war brilliant. fast unmöglich diese Serie irgendwie fortzusetzen. naja ein abraham könnte es vielleicht schaffen. Aber da hätte er ja wohl die hälfte der startrek fans gegen sich. Die serie hat poliarisiert durch seine anderartigkeit. Düster dunkel und die Sternenflotte kommt nicht gut weg dabei (Sektion 31, oder die Folge wie man den eintritt der Romulaner in den krieg bewerkstelligte usw. , )

Antworten Gast: wolfgang greber
30.04.2009 16:22
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Re: Deep Space Nine

Lieber John,

Sie haben Recht, der Satz zu DS 9 war ein Schnellschuss. Ich bin allerdings nie warm geworden damit, was wohl auch daran lag, dass ich nie wirklich die Zeit hatte, das im Nachmittagsprogramm wie gewohnt anzuschaun.
Ich sah zufällig einige Folgen der letzten beiden Staffeln und hab es bereut, nicht alles zu kennen.
Allerdings find ich diese Bajoraner schrecklich, mit diesen Jammertypen konnt ich mich nicht anfreunden.

Übrigens: Ich finde Babylon 5 besser als Star Strek - aber das ist unser Geheimnis! ;-)

Antworten starfury
30.04.2009 12:40
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Re: Deep Space Nine

Zum Glück gabs Babylon 5.
Davon hat man sich, meiner Meinung nach, nach zwei DS9-Staffeln (in bis dahin Star Trek üblicher Manier) freistehender Epsioden die Idee des übergreifenden Handlungsbogens abgeschaut...
Hat DS9 definitiv gerettet.

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Re: Re: Deep Space Nine

Selbst die ersten beiden Staffel von DS9 konnte man nicht mit Raumschiff Enterprise next generation usw. vergleichen. Alleine die auslegung der Rolle von commander Sisko war meiner meinung nach für STar trek verhältnisse düster (Anspielung auf den Borkzwischenfall) und gar nicht zu reden von der karadasianischen Raumstation (DS9) oder das spirtuelle aber geschunde volk von Bajor. Aber man konnte nur mit Ds9 warm werden wenn man wirklich regelmäßig schaute. Weite Handlungen, Charakterentwicklungen usw. Tolle Serie tolle Geschichte. Dagegen war die voyager ein totalreinfall. zu startrekmässig nach DS9. Wir sind die so guten in einem so so bösen universum. DA hat Ds9 die latte zu hoch gelegt.

Antworten Gast: dunkelziffer
30.04.2009 08:20
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Re: Deep Space Nine

es waren nur 7 staffeln

ds9 meine ist meine liebste st serie

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Re: Deep Space Nine

mir hat deep space nine ebenfalls gut gefallen.

mfg
mc

Rappelkopf
29.04.2009 20:21
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Ich trau's mir gar nicht sagen...

...aber ich sitz schon richtiggehend auf Nadeln, so sehr kann ich's nicht erwarten. 2 Tickets für Imax um 00:01 sind schon bestellt.
Und wenn ich mich so umhöre selbst in von Star Trek völlig abgekoppelten Social Networks, dann bin ich nicht der Einzige.

daPeda
29.04.2009 19:39
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Sehr fein

Das ist ein sehr schöner Kommentar - danke, Herr Greber!

Ich habs auch schon in den 70ern gesehen, auch in s/w und außer DS9 - dort nur die wenigen lustigen Folgen, die an Armin Shimerman und Frau Masterson hingen - und der "Enterprise"-Serie hab ich alles geliebt und mehrmals gesehen. Ich werd heuer 50 und bin sicher nicht zu alt geworden.