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Cannes: Tarantinos Märchen über die Nazi-Zeit

20.05.2009 | 18:07 |   (DiePresse.com)

"Meine Figuren ändern den Ausgang des Zweiten Weltkrieges", sagt Regisseur Quentin Tarantino über seinen Film "Inglourious Basterds". Er präsentiert einen wilden Genre-Mix als seinen Beitrag zum Wettbewerb.

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Mit seinem Film "Inglourious Basterds" und einer überaus unterhaltsam geführten Pressekonferenz hatte der US-Filmemacher Quentin Tarantino am Mittwoch einen starken Auftritt bei den Filmfestspielen in Cannes. Sein über zweieinhalbstündiger, mit einem internationalen Cast auf Englisch, Deutsch und Französisch gedrehter Film spielt im Zweiten Weltkrieg und schockiert mit seiner trashigen Erzählweise eines sonst üblicherweise im Film völlig ernsthaft behandelten Themas: Nationalsozialismus, Widerstand und Holocaust.

Ob man seinen Film eine "jüdische Rache-Fantasie mit Komödien-Einschlägen" nennen könne, wurde Tarantino nach der ersten Pressevorführung gefragt. "Ich würde ihn vielleicht nicht exakt so bezeichnen und jedenfalls würde ich ihn nicht unter genau dieser Genre-Bezeichnung in die Videostores bringen wollen", erwiderte der Regisseur, "aber er funktioniert durchaus so". Er liebe das Spiel mit Genres und Sub-Genres, aber vor allem liebe er einen Aspekt seines Films: "Meine Figuren ändern den Ausgang des Zweiten Weltkrieges. Alles wäre möglich gewesen, hätte es tatsächlich jene Menschen gegeben, die ich erfunden habe."

"Once upon a time ..."

In "Inglourious Basterds", den Tarantino als Märchen beginnt ("Once upon a time in Nazi-occupied France..."), werden gleich zwei Attentatspläne gegen die Spitzen des Dritten Reichs geschmiedet - beide sind letztendlich erfolgreich: Bei der Premiere eines Propaganda-Machwerks, das einen deutschen Scharfschützen (Daniel Brühl) verherrlicht, werden in einem Pariser Kino Hitler, Goebbels, Göring, Bormann umgebracht, das Kino sowohl in Brand gesteckt als auch in die Luft gejagt. "Ich liebe die Idee, dass das Kino die Macht besitzt, das Dritte Reich zu besiegen", so Tarantino.

Film und Kino spielen tatsächlich die Hauptrolle in dem Streifen, der Brad Pitt als "Aldo, der Apache" mit einer amerikanischen Sondereinheit durch grausame Mordtaten Angst und Schrecken in den deutschen Linien verbreiten und Melanie Laurent als eine junge jüdische Frau, die einem Massaker an ihrer Familie knapp entkommen ist, auf Rache sinnen lässt. Eine von Diane Kruger gespielte deutsche Filmschauspielerin arbeitet ebenso mit dem britischen Geheimdienst zusammen wie ein Filmkritiker, es wird über G.W. Papst und Leni Riefenstahl gefachsimpelt und ein einfacher deutscher Soldat (gespielt von Daniel Brühl) findet sich plötzlich als Held eines Propagandafilms.

Pitt hat Film noch nicht gesehen

Es ist nicht das Drehbuch, sondern die Erzählweise, die an "Inglourious Basterds" irritiert. Brad Pitt versicherte, die Darsteller hätten den Streifen, den Darsteller Eli Roth einen "koscheren Porno" nannte, noch nicht gesehen. Für Pitt war nicht nur die Arbeit mit Tarantino, sondern auch die Erfahrung, mit einem so internationalen Cast auf unterschiedlichen Sprachen zu drehen, außergewöhnlich. Und er streute seinen deutschen Kollegen Rosen: Neben Christoph Waltz, der von Tarantino als "Sprachgenie" gelobt wurde und als charmantes, vielsprachiges Nazi-Schwein Hans Landa fulminante Auftritte hat, und Daniel Brühl wurden auch Til Schweiger und August Diehl von Pitt besonders gelobt: "Wir haben ein paar Sachen von ihnen lernen können..." Auf die Frage, ob er denn nun deutsch könne, gab Pitt schmunzelnd gleich eine etwas einsilbige Kostprobe: "Ja!"

 

(APA)

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10 Kommentare
Gast: Crusader
21.05.2009 17:57
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Was macht ein Regisseur wenn die letzten Filme Flops waren?

Er dreht einen Nazi Film mit Hauptaugenmerk auf den Holocaust....je böser die Nazis desto besser die Bewertung.
Is eh nix neues siehe Spielberg & Co.....
Das regt doch keinen mehr auf - wenn nicht alle Schulklassen und diverse andere Vereine bei z.B. Schindlers Liste ins Kino getrieben worden wären hätt`der Film niemanden gekümmert.
Eine der wenigen Ausnahmen "Die Fälscher" - ein sehr guter Film.

Antworten Gast: Hä?
21.05.2009 20:46
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Re: Was macht ein Regisseur wenn die letzten Filme Flops waren?

Die letzten Fimle Tarantinos waren, sowohl aus sich der Auszeichnungen als an den Kassen, alles andere als Flops....

Antworten Antworten Gast: Crusader
25.05.2009 07:23
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Re: Re: Was macht ein Regisseur wenn die letzten Filme Flops waren?

Mal abgesehen davon das wie "gut" ein Film ist im Auge des Betrachters liegt...war Death Proof kein Kassenschlager Jackie Brown auch nicht und Kill Bill war halbwegs erfolgreich....
Schuster bleib bei deinem Leisten möchte man Tarantino sagen - also dreh actionlastige, brutalo Filme (da hab ich nix dagegen) aber überlaß den Rest anderen.....wobei Kill Bill ja die erbärmlichste Leone Kopie war die ich jemals gesehen habe......da nehm ich doch lieber Jim Jarmursch Filme.

Gast: hat0r
21.05.2009 16:17
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!!!

Freue mich schon auf den Film!

Gast: Messalina
21.05.2009 12:49
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Schwachfug

Tarantino ist sich auch für nichts zu schade und die Deutschen lassen sich für jeden Schrott einspannen

Antworten Gast: tataaa
24.05.2009 23:11
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Re: Schwachfug

seit wann ist waltz ein deutscher?

Gast: Eierbär
21.05.2009 11:53
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Mölzer

wird vorgeworfen, einen bestimmten Krieg nachträglich gewinnen zu wollen. Da blubbert aber die 4. Generation der Shoa-Überlebenden eine neue Geschichtsschreibung zusammen. Ich bin ja nur gespannt, welche Geschichten in Umlauf gebracht werden, wenn der letzte Zeitzeuge gestorben ist.

Gast: GerFE
21.05.2009 06:30
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Nazifilm

Man sollte mal wieder Filme wie „J. Süߓ „ H-Junge Q“, „ S..- Mann B.“ usw. ins Kino bringen. Oder Klassiker von Veith Harlan wie „J. Süߓ, „ Kolberg“ im ORF zeigen anstatt der Sissi Filme.
Aus Hollywood kommt doch zu 90% Schrott. Filme über die Nazi Thematik gibt’s auch wie Sand am Meer. Einer blöder und unrealistischer als der andere.

Antworten fred78
21.05.2009 11:37
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Re: Nazifilm

und warum genau sollte man die Nazipropaganda von Harlan wieder zeigen?

Gast: dings
20.05.2009 20:06
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Wahnsinn!

Einen Film über die Nazizeit.
Haben wir schon lange nicht mehr gehabt.
Jetzt müssen wir bestimmt wieder Jahre warten,
bis dieses Thema wieder wer aufgreift.

Täglich grüßt das Murmeltier!