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Transformers 2: Welche Roboter wollen Sie sehen?

21.06.2009 | 18:46 |  MARKUS KEUSCHNIGG (Die Presse)

Teil zwei von Michael Bay ist ein aufpoliertes, glattes, bruchsicheres Unterhaltungskino: attraktive Schauspieler, sensationelle Spezialeffekte.

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Michael Bay ist kein Regisseur, sondern ein Geschäftsmann. Er ist ein harter Verhandlungsführer. Wenn es drauf ankommt, schreit und flucht er. Wie kein Zweiter steht der in Los Angeles als Adoptivsohn einer Kinderpsychologin und eines Buchhalters Aufgewachsene für ein Kino, das sich nicht mehr interessiert für klassische Qualitäten wie Handlungsbögen, dramaturgische Finesse oder Figurenentwicklung. Leitmotiv? Gibt es nicht. Aussage, ein weiterführender Gedanke, eine Haltung zur Weltbeschaffenheit? Fehlanzeige. Für Bay geht es nur um Oberflächen. Das hat er von der Werbebranche gelernt, in der er sich seine ersten Meriten als Regisseur verdient hat.

So gesehen ist sein jüngstes „Baby“, die Fortsetzung zum Spielzeugroboterkrawall Transformers, ein voller Erfolg: ein aufpoliertes, glattes, bruchsicheres Unterhaltungsvehikel. Ein Film wie ein Ferrari: Man steigt ein, tritt aufs Gas und rast los. Bay eröffnet Die Rache, so der Untertitel, mit einem fünfzehnminütigen Action-Crescendo, einer Kaskade aus herumfliegenden Trümmern, fahrenden Autos, einstürzenden Brücken und gewaltigen Robotern.

 

Wie sich die US Army gern sieht

Die Sessel vibrieren bei den Tieftonfrequenzen! Wer wogegen kämpft und was das Ganze überhaupt soll, erfährt der Zuseher, wenn überhaupt, im Nachhinein, aus einem der Nebensätze der Hauptfiguren. Sam Witwicky (in seiner Paraderolle des amerikanischen Durchschnittsjungen: Shia LaBeouf), der im ersten Film den bösen Roboter Megatron ausgeschaltet hat, versucht, sein explosionsloses Dasein zu genießen, will Astronomie studieren, Zukunftsperspektiven entwickeln. „Ich will einfach nur normal sein“, sagt er mit der Vorahnung, dass sein Teenagerleben aus den Angeln gehoben wird. Die gefallenen „Decepticons“, die Unheil bringenden, Welten zerstörenden Roboter, brauchen ihn, um an eine mysteriöse Energiequelle zu kommen. Die drei Drehbuchautoren – darunter auch die talentierten „Star Trek“-Schreiber Robert Orci und Alex Kurtzman – versuchen, den spektakulären Effektsequenzen Unterbau zu verschaffen, greifen dafür in die vulgärmythologische Spielzeugkiste. Aufgeworfen wird u.a., dass die „Transformers“ für den Bau der Gizeh-Pyramiden verantwortlich sind, dass die Maschinenartigen schon seit der Erfindung des Rads unter uns weilen, dass Regierungen dieses Faktum aber geheim gehalten haben. Derart fast philosophische Gedankengänge finden in der Inszenierung allerdings keine Entsprechung.

Wenn im Finale ein wiederauferstandener Optimus Prime (der Mächtigste der guten Roboter) gegen die einst gefallenen „Decepticons“ antritt, wirkt das nicht wie ein auf Erden ausgetragener Götterkampf, sondern wie der Dritte Weltkrieg. Tatsächlich sind Bays Filme nicht nur technisch hoch-, sondern auch inhaltlich aufgerüstet: Die US-Armee stellt ihm, der als Kind am liebsten mit Plastiksoldaten Krieg gespielt hat, die offiziellen Fahrzeuge und Waffentypen zur Verfügung, wird dafür auf der Leinwand so gezeichnet, wie sie sich gerne wahrgenommen haben will. Aufrichtige, Sprüche klopfende Muskelkerls feuern Seite an Seite mit den „Autobots“ (so heißen die menschenfreundlichen Roboter) auf den Feind, eine Riege von gut aussehenden Patrioten marschiert zu heroischer Musik auf die Kamera zu. In Zeitlupe. Mit dem genüsslich ausgestellten Machismo (die weiblichen Hauptfiguren sehen aus wie aus einem Sportmodenkatalog) und dem Heldenmut der Erzählung hat die Produktionsgeschichte von „Transformers“ nichts gemein. Denn die großen Studios fahren spätestens seit der Weltwirtschaftskrise eine radikale Risikovermeidungspolitik. Das heißt, man nimmt eine seit Jahrzehnten etablierte Spielzeugreihe, befragt die Fans im Internet, welche Roboter sie gerne auf der großen Leinwand sehen wollen, baut attraktive und/oder bekannte Schauspieler und sensationelle Spezialeffekte ein und wirft das Produkt auf den Markt. Die viele Monate vor dem Kinostart angeworfene Marketing- und Aufmerksamkeitsmaschine tut das Übrige.

Ob das Gebotene überzeugt, ist zu diesem Zeitpunkt schon zweitrangig. Denn wenn nur einer von hundert Besuchern im Anschluss eine der Spielzeugfiguren zum Film kauft, dann wird Transformers: Die Rache wieder ein Riesenerfolg. Beim Merchandisingkino von Michael Bay hat die kommerzielle die künstlerische Vision ersetzt. Geld verdienen, schauen, kaufen. Oder, um es mit Theodor W. Adorno zu sagen: Fun ist ein Stahlbad. Im übertragenen, im Fall von Transformers: Die Rache, sogar im wörtlichen Sinn.

CLEVERES RECYCLING

2007 feiert Michael Bay mit „Transformers“ einen internationalen Kinoerfolg. Die Geschichte um außerirdische Roboter, die die Erde bedrohen, basiert auf einer Spielzeugreihe, die das US-Unternehmen Hasbro bereits im Jahr 1984 auf den Markt gebracht hat.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 22.06.2009)

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