Dieser Alien ist nicht totzukriegen

Kritik Ridley Scotts „Alien: Covenant“ verwebt den Mythos von „Prometheus“ mit dem monströsen Horror des Klassikers. Resultat: Eine solide, aber vorhersehbare Scifi-Melange.

Da ist die Welt auf der Covenant noch in Ordnung: Daniels (Bildmitte: Katherine Waterston) und Walter (ganz hinten: Michael Fassbender).
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Da ist die Welt auf der Covenant noch in Ordnung: Daniels (Bildmitte: Katherine Waterston) und Walter (ganz hinten: Michael Fassbender).
Da ist die Welt auf der Covenant noch in Ordnung: Daniels (Bildmitte: Katherine Waterston) und Walter (ganz hinten: Michael Fassbender). – (c) Centfox

Ist es eigentlich noch Zeitgeist, sich über die überbordende Anzahl an Fortsetzungen, Prequels, Neuauflagen und Ähnlichem im Filmbusiness zu echauffieren? Oder ist dieser Diskurs verebbt? Wenn ja, dann ist der Mai ein geeigneter Monat, diesen wieder zu thematisieren. Gleich drei bekannte Stoffe werden neu aufgelegt: Der fünfte Teil der schier nicht untergehenden „Fluch der Karibik“-Reihe mit Johnny Depp; eine als typischer Klamauk angelegte Kinofassung der Serie „Baywatch“ (genau, die mit David Hasselhoff); und ein drittes, deutlich interessanteres Franchise: „Alien“.

 

Die Geschichte wiederholt sich

Regisseur Ridley Scott inszenierte 1979 den allerersten „Alien“-Film und brachte Ernsthaftigkeit, Avantgarde-Horror – der Schweizer Surrealist H. R. Giger erhielt für seine Monster mit phallusartigem Kopf den Oscar für die Spezialeffekte – und dank der Protagonistin Ellen Ripley (gespielt von der fabelhaften Sigourney Weaver) auch Feminismus in das maskulin geprägte Genre. Die Geschichte kurz erzählt: Ein Raumschiff befindet sich auf Kurs zur Erde, ändert diesen aber, als es einen mysteriösen Hilferuf bekommt. „Mutter“, so der Name des Bordcomputers, weckt seine Kinder, also seine Crew – darunter eben auch Ripley –, die noch nicht ahnt, was auf sie zukommt . . . Der Scifi-Schocker sollte prägend für das Genre werden. Eine Reihe von Fortsetzungen folgte, wobei die erste, „Aliens“ (1986) von James Cameron, die mit Abstand beste war und hinsichtlich des Thrills auch noch das clevere Original übertrumpfte.

Nach zwei eher mediokren Auswüchsen folgte in den 2000er-Jahren der Trash-Hybrid „Alien vs. Predator“, der sogar eine Fortsetzung bekam. Mit „Prometheus“ (2012) kehrte Ridley Scott in sein Universum zurück, auch wenn es kein echtes Prequel war. Der Film entzweite, was auch am pseudophilosophischen Ansatz der Geschichte lag: Eine Gruppe von Wissenschaftlern begibt sich auf die Suche nach extraterrestrischem Leben, das für die Schöpfung der Menschheit verantwortlich sein soll. Diese These, die stark nach dem Autor Erich von Däniken klingt, polarisierte die Fans. Positiv stachen im (über-)ambitionierten Film die beiden Darsteller Michael Fassbender, der den kultivierten Androiden David mimte, und Noomi Rapace als Wissenschaftlerin Elizabeth Shaw heraus.

Scotts neuer Film, „Alien: Covenant“ knüpft zehn Jahre nach den Geschehnissen von „Prometheus“ an. Wieder steht ein Raumschiff, die Covenant, im Fokus. Diesmal verliert es schnell den Captain (ein prominenter Cameo!). Der neue Anführer (Billy Crudup) will seine Unsicherheit überspielen und schlägt vor, den eigentlichen Kurs, der 2000 schlafende Menschen in ein „Paradies“ bringen sollte, zu verlassen und einem Hilferuf, auf dem John Denvers „Country Roads“ (!) erklingt, zu folgen; trotz Vetos von Daniels (solide: Katherine Waterston), einer Art Ripley light. Während ein Teil der Crew (Danny McBride u.a.) im Orbit bleibt, landet ein Einsatztrupp (darunter Androide Walter: Michael Fassbender) auf dem unbekannten, aber prächtig blühenden Planeten . . .

 

Story hat beinahe parodistische Züge

„Alien: Covenant“, der schöne Anfangsminuten liefert (mit Michael Fassbender, dem Lichtblick des Films), ist ein solider, spannender Horrorfilm mit schönem Score und der bekannten Monsterschar der früheren Filme. Das ist gleichzeitig auch das Problem: Die Eigenständigkeit fehlt. Die philosophischen Fragen von „Prometheus“ und den nervenaufreibenden Horror der früheren Filme zu verweben, gelingt nicht wirklich. Im letzten Drittel wird es zudem wirr.

Die Story ist vorhersehbar, das gilt auch für die Fehltritte mit beinahe parodistischen Zügen: Quarantäne? Gibt es nicht. Vorsichtsmaßnahmen auf einem völlig unerforschten Planeten? Fehlanzeige. Verstärkte Skepsis nach mehreren Todesfällen? Nein.

Wer noch nie einen „Alien“-Film gesehen hat, dürfte dennoch Gefallen finden. So mancher Fan dürfte von der Redundanz enttäuscht sein. Ein Ende der Reihe ist jedenfalls nicht in Sicht: Scott plant fix einen weiteren Teil. Dafür liegt ein anderes „Alien“-Projekt von Neill Blomkamp („District 9“) mit Sigourney Weaver, dem Herz der Sci-Fi-Reihe, auf Eis. Schade eigentlich.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 19.05.2017)

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