"Axolotl Roadkill"

Helene Hegemann: „kein leicht verfilmbares Buch“

"Axolotl Roadkill"-Autorin Helene Hegemann hat ihren Bestseller über die Berliner Wohlstandsjugend verfilmt. Ein Gespräch über Blockaden beim Schreiben, Loslassen beim Filmemachen, und warum der Lurch zurück ist.

Dreh mit Überraschungen. Hegemann taucht in einer Szene ihres Filmes „Axolotl Overkill“ auch selbst auf.
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Dreh mit Überraschungen. Hegemann taucht in einer Szene ihres Filmes „Axolotl Overkill“ auch selbst auf.
Dreh mit Überraschungen. Hegemann taucht in einer Szene ihres Filmes „Axolotl Overkill“ auch selbst auf. – (c) 2017 Constantin Film Verleih GmbH / JC Dhien

Als vor sieben Jahren Helene Hegemanns Debütroman, „Axolotl Roadkill“, herauskam, eroberte dieser nicht nur die Bestsellerlisten, sondern entfachte auch eine Kontroverse in den Feuilletons. Man erinnere sich: Anfangs wurde die damals erst 17-jährige Berliner Autorin zur Sensation des deutschen Literaturbetriebs erklärt. Ihre Geschichte der Jugendlichen Mifti, die mit ihren Halbgeschwistern in einer Berliner WG wohnt und lieber Drogen nimmt, Partys besucht und eine Affäre mit einer wesentlich älteren Frau eingeht, als zur Schule zu gehen, wurde ob einer authentischen Schreibweise hochgelobt. Dann kam heraus, dass sie dabei ohne Quellenangaben aus anderen Werken zitiert hatte, und es folgten Plagiatsvorwürfe.

Das Buch wurde zum Skandalroman gelabelt, und viel öfter als der Inhalt des Buches wurde die Frage diskutiert: Ist das Intertextualität oder Abschreiben? Man hätte meinen können, Hegemann wäre ganz froh, dass mittlerweile Gras über die Sache gewachsen ist. Doch es kam anders: Vor Kurzem hat sie ihren Roman verfilmt, dabei ein neues Drehbuch basierend auf der Vorlage geschrieben und selbst Regie geführt. „Axolotl Overkill“ heißt der Film jetzt, seine Weltpremiere feierte er beim renommierten Sundance Film Festival in Utah.

Es ist nicht Hegemanns erster Film: Bereits 2008 drehte sie das Drama „Torpedo“. Zudem arbeitet sie immer wieder an anderen Projekten, etwa auch fürs Theater. Und sie schrieb weiter – ihr zweites Buch aus dem Jahr 2013 hieß „Jage zwei Tiger“, gerade schreibt sie an einem dritten. Das „Schaufenster“ hat Hegemann in ihrer Heimatstadt, Berlin, getroffen und mit ihr über Nachwirkungen der Kontroverse um ihr Debüt gesprochen, den Vorzug vom Filmemachen gegenüber dem Schreiben, das Leben in Berlin, und warum sie auch bei „Axolotl Overkill“ das Zitieren anderer nicht gelassen hat.

Teenager. Ein Axolotl wird nicht erwachsen: eine lebende Metapher für Hegemanns Figur Mifti.
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Teenager. Ein Axolotl wird nicht erwachsen: eine lebende Metapher für Hegemanns Figur Mifti.
Teenager. Ein Axolotl wird nicht erwachsen: eine lebende Metapher für Hegemanns Figur Mifti. – (c) 2017 Constantin Film Verleih GmbH / Lina Grün

Ihr neuer Film sei die Aufarbeitung eines Traumas: Das haben Sie in Bezug auf die Kontroverse um Ihr Romandebüt, auf dem Ihr Film basiert, gesagt. Wie stehen Sie heute zu den alten Vorwürfen?
Das war eher ein Scherz. Aber wahrscheinlich stimmt es. Ich mache mir aber keine Gedanken mehr, weil man sich ja irgendwann damit abfindet. Das Traurige daran war, dass es nicht um eine konkrete Debatte ging, die etwas mit einem selbst zu tun hatte, sondern es war eine Art Selbstläufer, bei dem es inhaltlich nicht mehr um das ging, um das es eigentlich hätte gehen sollen.

Stimmt es, dass Sie „Axolotl Roadkill“ verfilmt haben, weil Sie nicht wollten, dass es wer anderer macht? Kamen viele Angebote?
Ja, das stimmt. Es wurde ja überraschenderweise ein Bestseller, womit ich nicht gerechnet hatte. Ich dachte, man muss es nischenmäßig verorten, in einem experimentellen Bereich. Es war für mich nicht im Geringsten beabsichtigt, dass es so eine große Bühne bekommt, da gehörte es zu diesem Zeitpunkt auch einfach nicht hin. Aber weil es auf einer Bestsellerliste stand, kamen viele Anfragen, bei denen es aber nie um große Passion ging, sondern darum, dass Firmen ihren Konkurrenten einfach Bestsellerrechte wegkaufen ohne genau zu wissen, was damit dann passieren soll. Das hat mich einserseits gestört, andererseits dachte ich: egal, meistbietend versteigern. Ich hatte aber eben immer das Gefühl, dass die Rezeption des Buches fehlgeschlagen ist, weil es falsch verkauft wurde als etwas, das es nicht war. Und auch wenn ich nicht den herkömmlichen Filmschulen-Abschluss habe, komme ich ja eigentlich vom Film, habe damit angefangen. Also dachte ich, ich muss es einfach selbst machen. Irgendwie hielt ich es für meine persönliche Verantwortung: Wenn ich schon die Möglichkeit habe, dann sollte ich es tun, egal, ob es gut wird oder schlecht. Ich wollte dieses 16-jährige Mädchen nicht in die Hände von einem 50-jährigen Mann geben, der sich vorher Christiane F. anschaut und denkt: so machen wir das jetzt auch.

Sie wollten also jetzt noch etwas zur Rezeption von „Axolotl Roadkill“ hinzufügen, bei der etwas missverstanden wurde?
Einerseits das. Andererseits: Das ist kein leicht verfilmbares Buch. Ich wusste, wenn jemand gezwungen wird, aus dem Buch die filmkompatibelsten Stellen herauszusuchen, wird das nicht funktionieren. Und ich glaube, jemand anderer hätte sich auch nicht so von der Vorlage befreien können, wie ich es konnte. Weil ich nah genug dran war und keiner Autorin etwas schuldig, die bin ich ja selbst. Und mir war auch wichtig, es zu seinem experimentellen Charakter zurückzuführen, anstatt etwas daraus zu machen, das gut verkäuflich ist.

Das Buch war ja weitgehend im Bewusstseinsstrom der Hauptfigur geschrieben. Trotz des experimentellen Charakters folgen Sie beim Film doch einer stringenten Erzählweise. Warum?
Weil ich glaube, dass einem die Diffusität, die man aus dem Buch herauslesen konnte, in einem Film dann doch irgendwann auf die Nerven geht. Ich wollte diese Diffusität zwar auf den Film übertragen, aber das bedeutete auch, das Buch nicht eins zu eins nützen zu können, sondern diesen Zustand anders herzustellen. Das sind einfach unterschiedliche Medien, unter denen der Transformationsprozess ein bisschen kompliziert war.

Sie mussten sich angeblich anhören, dass Sie alles falsch machen – ein Film habe so nicht zu sein. Warum das?
Ja, tatsächlich. Das war nicht so aggressiv gemeint, wie es klingt. Ich merke oft, dass Leute mit einer bestimmten Erwartungshaltung in einen Film gehen, schlicht, weil sie zu wissen glauben, wie ein Film strukturiert zu sein hat. Da kann sich unter Umständen ein gewisses Maß an Enttäuschung breitmachen, wenn man merkt, man kommt da nicht weiter mit dem, was einem das Fernsehen beigebracht hat. Dieses Nichtfunktionieren war mir aber nicht wichtig. Mir war eher der Grundzustand eines Teenagers wichtig, der in ein unberechenbares Umfeld katapultiert wird und überlegen muss, wie er die Situation einordnet, wie er damit klarkommt. Diesen Zustand wollte ich unbedingt fühlbar machen. Und es geht eher um den Blick auf Erwachsene und um deren Zustände, als um die Eintwicklung eines Teenagers. Eine 16-jährige schaut auf Personen, die doppelt so alt sind, und versucht für sich herauszufinden, wie sie einen Bezug zu diesen herstellen kann, ohne dabei verloren zu gehen. Dahinter steckt also mehr ein Konzept, als dass es Fehler sind oder eine schlechte Erzählweise.

Mifti ist orientierungslos, ein bisschen kaputt, aber wirkt dabei trotzdem manchmal viel vernünftiger als diese Erwachsenen.
Ja, das finde ich auch.

Team. Hegemann und ihre Hauptdarstellerinnen beim Film: Arly Jover, Jasna Fritzi Bauer, Mavie Hörbiger (v. l.).
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Team. Hegemann und ihre Hauptdarstellerinnen beim Film: Arly Jover, Jasna Fritzi Bauer, Mavie Hörbiger (v. l.).
Team. Hegemann und ihre Hauptdarstellerinnen beim Film: Arly Jover, Jasna Fritzi Bauer, Mavie Hörbiger (v. l.). – (c) 2017 Constantin Film Verleih GmbH / Mathias Bothor

Wollten Sie mit diesen Figuren, insbesondere mit den zentralen Figuren Mifti, ihrer Freundin Ophelia und ihrer Geliebten Alice, auch etwas über Verlorenheit in unserer Gesellschaft aussagen?
Sie sind vielleicht Stellvertreter, an sich überzogene Charaktere, die natürlich verschiedenes auf den Punkt bringen sollen. Bei Ophelia ist es die Gleichzeitigkeit von zwei Extremen, das Bipolare: total gut funktionieren und völlig ausrasten können direkt nebeneinander. Alice ist dagegen die kalte Wirtschaftskriminelle, vermeintlich die einzig Verlässliche, trotzdem nie da. Man darf sich nie anmaßen zu behaupten, man hätte etwas entwickelt, um etwas generalisiert über die Gesellschaft auszusagen. Manchmal findet man etwas, das vielleicht gerade ganz zeitgemäß ist - aber auch nur dann, wenn man nicht vorhatte, einen universalen Gesamtzustand zu erzählen, sondern sich an einem Einzelschicksal abgearbeitet hat.

Die Frauenfiguren verhalten sich ein wenig so, wie man erwartet, dass sich Männer verhalten würden.
Sie dürfen genauso große Trottel sein, wie Männer das im Film sein dürfen, aber sie imitieren keine männlichen Verhaltensweisen. Sie sind klar definierte Frauen, dabei aber wirklich queer: nicht mal unbedingt geschlechtslos, sondern gleichzeitig extrem männlich und extrem weiblich, nichts Diffuses dazwischen. Ohne, dass es etwas mit sexueller Orientierung oder bewusst erarbeitetem Feminismus zu tun hat, werden im Film Frauen gezeigt, die nichts von Männern abhängig machen. Es gibt auch keine einzige Szene, in der zwei Frauen über einen Mann reden, wie es sonst in vielen Filmen durchgängig der Fall ist - der berühmte Bechdel-Test.

Sie haben immer gesagt, dass Ihr Buch nicht autobiografisch zu verstehen ist, aber es gab auch Parallelen – vor allem was das Alter von Ihnen und Ihrer Protagonistin betraf. Im Buch macht Mifti viel Party, nimmt Drogen. Waren Ihnen jetzt, mit einem gewissen Altersabstand, andere Akzente wichtiger als dieser?
Schon das Buch bestand ja nicht hauptsächlich aus Clubszenen. Es ging von vornherein nie nur um Ausgehen oder um Sexeskapaden, das wurde dem Buch dann von der Presse unterstellt. In einem Film sind Clubszenen zudem immer schrecklich, man sollte sie aufs Notwendigste reduzieren. Die Beziehung zwischen Mifti und Alice hat nun insofern mehr Bedeutung, als dieser Grundzustand von Mifti, das Suchende, darin mitschwingt. Ich wusste, sie muss den ganzen Film über Liebeskummer haben, so dass man merkt, ihr ist wer abhandengekommen und sie muss jetzt irgendwie diese Lücke füllen, die vielleicht nur eine Stellvertreterlücke ist für etwas anderes.

Mit 15 haben Sie bereits ein Theaterstück geschrieben, mit 16 den ersten Film gemacht. Dann haben Sie Ihr erstes Buch geschrieben, weil – wie Sie einmal sagten – Filmemachen zu teuer war.
Ja, oder man zu lange warten muss, und das entsprach mir zu dem Zeitpunkt nicht. Einen Film zu machen ist ja ein langwieriger Prozess. Da fiel mir das Schreiben leichter, weil ich eine direktere Ausdrucksform suchte.

Aber Filme zu machen bedeutet Ihnen viel?
Ich würde Literatur und Film nicht miteinander in Konkurrenz setzen wollen. Weder für mich als Konsumentin noch für mich als Macherin. Aber ich bin wahnsinnig froh, dass ich diesen Film machen konnte und dass ich damit unter Umständen auch weitermachen kann. Weil mir das nicht nur Spaß macht, sondern mir auch wirklich wichtig ist.

Was ist für Sie besonders an der Arbeitsweise beim Film?
Wenn du einen Roman schreibst, dann bist du von vorn bis hinten allein dafür verantwortlich. Du kannst alles an deinem Schreibtisch konstruieren und weißt: Das, was du aus dir selbst heraus produzierst, die Ideen, die du hast, das ist das, was dann am Ende gekauft und gelesen wird. Beim Film schreibst du ein Drehbuch und kannst dich darauf verlassen, dass es zehn Departments gibt, die noch einmal etwas anderes daraus machen. Nicht nur wird der Vorlage unter Umständen etwas hinzugefügt – es ist auch so, als würde das Kunstwerk sein Eigenleben entwickeln. Einfach, weil es sich aus so vielen Ideen von verschiedenen Leuten zusammensetzt. Und das finde ich absolut toll, das liebe ich, viel mehr, als allein bis zum Ende im Griff zu haben, was man da macht.

Ist Ihnen eine solche Offenheit beim Entstehungsprozess von „Axolotl Overkill“ sehr wichtig gewesen?
Ja, Platz für Überraschungen war mir wichtig: dass man frei genug für spontane Änderungen war, ob am Dialog oder an den Räumlichkeiten.

Über das Schreiben haben Sie einmal gesagt, dass Sie es eigentlich gar nicht mögen.
Ich habe es wahnsinnig gerne gemocht, bevor ich damit Geld verdient habe und bevor es mein offizieller Beruf geworden ist. Ich habe manisch viel geschrieben, in jeder freien Sekunde. Sobald du aber weißt, du musst einen Standard aufrechterhalten, und du bist gezwungen, dich weiterzuentwickeln, du musst funktionieren, weil es einfach dein Beruf ist und nichts mehr, was du nachts manisch machst, weil es dir so großen Spaß macht, führt es zu Blockaden und dazu, dass es ein bisschen qualvoll wird. Weil es verwoben ist mit dem Alltag: man muss von der Qualität jedes Satzes abhängig machen, ob man sich mit seiner eigenen Kreativität jetzt eine Waschmaschine leisten kann oder nicht. Das nervt ein bisschen.

Probieren Sie vielleicht deshalb, immer wieder Neues zu machen?
Ja, wahrscheinlich! Das ist das sogenannte Anfängerglück. Solange man nicht sehr über das nachdenkt, was man tut, weil man sich nicht so gut damit auskennt, wird es eigentlich immer besser: weil man so frei ist.

Aber Sie schreiben ja nach wie vor, haben gerade ein Buch in Planung. Sie haben sich in Ihren Büchern bisher sehr mit dem Erwachsenwerden beschäftigt, was schreiben Sie jetzt?
Das Erwachsenwerden findet da auch ein bisschen statt, aber es geht eher um zwei soziale Klassen, die aufeinandertreffen. Es ist eher eine Aufstiegsgeschichte als eine Coming-of-Age-Geschichte.

In Ihrem Film tauchen Sie selbst in einer Szene auf. Haben Sie auch Schauspielambitionen?
Das stimmt, das hätte ich wahrscheinlich besser nicht machen sollen. Nein, im Ernst: Ich habe schon einmal in einem Film, „Deutschland 09“, als ich selbst mitgespielt, in der Episode von Nicolette Krebitz. Ambitionen habe ich aber keine, und ich werde auch nie eine Hauptrolle in einem Melodrama spielen, dazu kann ich es zu schlecht. Aber Cameo-Auftritte mache ich gerne.

Auch die Theaterszene von Berlin hat Sie in Ihrer Arbeit geprägt, und das bereits sehr früh?
Ja, genau. Ich bin mit 14 Jahren nach Berlin gezogen und war dann zum ersten Mal in meinem Leben im Theater. An der Volksbühne, an der mein Vater vorher lange als Dramaturg gearbeitet hatte.

Sie haben damals, kurz nachdem Sie nach Berlin gezogen sind, beschlossen, nicht weiter zur Schule zu gehen. Bereuen Sie das?
Ich bereue es manchmal schon. Gleichzeitig weiß ich, dass ich ein wahnsinniges Glück hatte, in dem Alter schon das zu machen, was ich machen wollte. Anstatt mich mit einem System abzuquälen, das für mich nicht geeignet war, mit dem ich nicht zurechtkam.

Sie arbeiten nach wie vor in Berlin an Ihren Projekten. Wie leben Sie hier? Können Sie sich vorstellen, mal woanders hinzugehen?
Ach, mein Leben ist nicht speziell. Ich habe zwei Hunde, gehe viel spazieren, lese sehr viel, und darauf beschränkt es sich eigentlich. Ich war auch schon einmal weg aus Berlin, also wer weiß. Aber an und für sich kann ich es hier gut aushalten und wüsste im Moment nicht, welche Stadt damit konkurrieren könnte. Solange es in Kanada keinen geschlossenen Raum gibt, in dem man rauchen kann, werde ich wahrscheinlich hier bleiben.

Ist Ihr Film, mit dieser Wohlstandsverwahrlosung der Protagonisten und ihrem Treiben in der Partyszene, vielleicht auch ein typischer Berliner Film?
Gegen diese Aussage würde ich mich tendenziell immer wehren - aber wahrscheinlich stimmt sie.

Apropos Haustiere: Haben Sie nun auch einen Axolotl? Beim Dreh Ihres Langfilmes waren ja auch einige mexikanische Schwanzlurche, die Titelgeber für Buch und Film, mit dabei.
Ja, die Assistentin des Szenenbildners ist auf die Suche nach Axolotl gegangen und hatte sich darauf eingestellt, Unsummen zahlen zu müssen. Sie hat dann aber auf eBay jemanden gefunden, der mehrere für einen Spottpreis verkaufen wollte. Dort vegetierten 15 Tiere in mit Wasser gefüllten Farbeimern vor sich hin, echt nicht artgerecht. Sie hat alle mitgenommen, um sie zu retten. Am Ende haben mehrere Teammitglieder einen genommen, ich aber nicht. Sie wissen schon, die Hunde, das reicht.

In „Axolotl Overkill“ gibt es einige surreale Momente, unter anderem mit einem Pinguin. Wie kam dieses Tier in den Film?
Den Pinguin hatte ich irgendwann einfach als kurze Irritation in das Drehbuch reingeschrieben. An der Stelle, wo er nun im Film auftaucht, ist das Setting extrem real. Mifti sitzt alleine gelassen vor
dem Computer in ihrem Zimmer. Dann taucht der Pinguin auf, der irgendwie wie ein Mitarbeiter vom Jugendamt wirkt, vielleicht hat ihn auch ihr Bruder besoffen aus dem Zoo geklaut und mit nach Hause gebracht, aber gleichzeitig wirkt er wie sie selbst, genauso fehl am Platz in dieser Altbauwohnung. Mich macht das, so lustig es wirkt, irre traurig - und die Gleichzeitigkeit mag ich, man muss impulshaft lachen und hört damit nicht auf, spürt währenddessen jedoch ein echt irritierendes Verhängnis, das man sich, genau wie im Leben, nicht so richtig erklären kann.

Das Zitieren anderer Künstler, das die Debatte über Ihr erstes Buch ausgelöst hatte, konnten Sie auch bei Ihrem neuen Film nicht ganz lassen. Sie haben zum Beispiel eine Rede des Dramatikers René Pollesch übernommen. Hat Sie seine Arbeit beeinflusst?
Er ist ein Bekannter, und ich mag seine Arbeit sehr gerne. Mich hat beeinflusst, wie er eine diskursive Ebene ins Theater reinbekommen hat, die lustig ist, aber gleichzeitig intellektuell, und tief geht, ohne dass es anstrengend ist. Das habe ich schon ganz früh toll gefunden. Ich fand seine Rede gut und wollte unbedingt, dass sie gesagt wird.

Haben Sie darüber hinaus Vorbilder?
Jim Jarmuschs Film „Permanent Vacation“, in dem die Figuren beobachtend durch die Stadt treiben, hat mich in Bezug auf meinen eigenen Film sehr beeinflusst. Und ich bin ein großer Fan des amerikanischen Regisseurs John Cassavetes.

Info

"Axolotl Overkill" feierte seine Premiere beim Sundance Festival, in Österreich kommt der Film nicht regulär in die Kinos. Am 13. und 16.10. wird er im Gartenbaukino gezeigt. Der erst genannte Termin findet unter Anwesenheit der Autorin und Regisseurin Helene Hegemann und einer der beiden Hauptdarstellerinnen des Films, Mavie Hörbiger, statt. www.gartenbaukino.at

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