Sofia Coppola: Die Kehrseite des Glanzes

Das Gartenbaukino zeigt die ersten drei Werke der Regisseurin – und ihr aktuelles Drama, „Die Verführten“.

In der Filterblase von Versailles: Kirsten Dunst in Sofia Coppolas „Marie Antoinette“.
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In der Filterblase von Versailles: Kirsten Dunst in Sofia Coppolas „Marie Antoinette“.
In der Filterblase von Versailles: Kirsten Dunst in Sofia Coppolas „Marie Antoinette“. – (c) Columbia Pictures

Das hypnotische Kolorit von Erinnerungen. Die reizvollen Oberflächen materieller Gegenstände. Der Taumel beim Anblick eines bestimmten Gesichts. Das Versinken in Beobachtungen. Für das alles fand Sofia Coppola vor noch nicht einmal 20 Jahren eine zeitgemäße Ausdrucksweise, die dem schwebenden Gefühlszustand des klassischen Romantikers entsprach – würden nicht gerade ihre frühen Filme auch immer von einer existenziellen Leere handeln, die hinter allem lag, was einem von außen zunächst unverdächtig und betörend vorgekommen war. Es hatte doch immer eine Kehrseite, die sie aber niemals brachial, sondern stets mit großer Zärtlichkeit offenlegte.

In „The Virgin Suicides“ (zu sehen am 8. und 19. Juli im Gartenbaukino) etwa tauchte Coppola alles in die Farben der Siebzigerjahre. Aber die jungen, engelsgleichen Mädchen im Handlungszentrum erwiesen sich als depressiv. Hinter der Nostalgie lag Melancholie. „Lost in Translation“ (13. Juli) erweckte erst den Eindruck, eine Romanze zu sein, entpuppte sich dann aber als Ballade über eine platonische Freundschaft. Nach dem ersten und einzigen Abschiedskuss war der Film zu Ende. „Marie Antoinette“ (10. und 15. Juli) trug dagegen die Tarnkappe eines Historienfilms, war aber eine Parabel über die Folgen (zum Beispiel Guillotine) von Realitätsverweigerung. Auch wenn es der Titelheldin nicht übel zu nehmen war, dass sie ihr Sklavendasein zu Hofe mit dem Rückzug in die luxuriöse Filterblase von Versailles kompensierte. Bei so viel Schein und Vergänglichkeit spendete nur der Zauber einer Morgendämmerung nach durchzechter Nacht (ein beliebtes Motiv in ihrem Frühwerk) schwachen Trost.

 

Jetzt keine Pop-Elemente mehr

Ein Eindruck von alldem lässt sich im Gartenbaukino gewinnen, wo Coppolas erste drei Werke in Kombination mit ihrem aktuellen Bürgerkriegsdrama, „Die Verführten“, präsentiert werden. Gerade die direkte Gegenüberstellung zeigt, wie sehr sich die Regisseurin stilistisch weiterentwickelt hat. Ihrer Vorliebe für ein langsames Erzähltempo und empfindsame Figuren ist sie in ihrem jüngsten Kammerspiel (für das sie heuer den Regiepreis in Cannes erhielt) etwa treu geblieben, ihrem Faible für Pop-Elemente (cooler Soundtrack, augenzwinkernde Effekte) hat sie abgeschworen. Und obwohl sie immer noch bedacht darauf ist, ihr filmisches Universum mit vielsagenden Details und schönen Kleidungs- und Möbelstücken zu schmücken, wird der Glanz, der von ihnen ausgeht, doch inzwischen von der einnehmend-impressionistischen Komposition der Bilder überstrahlt. Zeiten ändern sich.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 08.07.2017)

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