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Larry David: Ein Fettnapf-Magnet im Interview

03.12.2009 | 17:51 |  von Christina Böck (Die Presse - Schaufenster)

In seinen TV-Serien hat Larry David die Peinlichkeit zur Kunstform erhoben. Jetzt spielt der Humorist die Hauptrolle im neuen Woody-Allen-Film.

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Mit Larry David möchte man als harmoniebedürftige Person nicht befreundet sein. Larry David ist nämlich der weltpeinlichste Mensch, ein Fettnäpfchenmagnet. Potenziert mit hingebungsvoller Penetranz und Justament-Sturheit. Jemand, der sich ohne Ende in Schwierigkeiten bringt, ob er sich jetzt absichtlich mit einem Wrestler anlegt oder ob ihm unabsichtlich politisch Unkorrektes gegenüber Schwarzen auskommt. Oder Terroropfern. Oder Stotterern, denen er nicht zugesteht, die Behindertentoilette zu benutzen. Oder Christen (unvergessen die Szene, als er ohne Kenntnis des Neuen Testaments das Jesuskind aus der Kekskrippe verspeist). Diese Liste muss hier leider unvollständig bleiben. Larrys
soziale Unfälle kennen keine ethnischen Grenzen und
keine Tabus in der US-Comedyserie „Curb Your Enthusiasm“ (dt. „Dämpfen Sie Ihre Begeisterung“).

In dieser TV-Forderung nach dem Recht eines Mannes auf seine Peinlichkeit  spielt nämlich Larry David, einer der Schöpfer der Kultsitcom „Seinfeld“, sich selbst. Also eine Version seiner selbst, dem so Groteskes und dabei so Unausweichliches widerfährt, dass es dem Zuschauer wohlige körperliche Pein beschert. Und sehr viel Vergnügen. Jetzt kommt Larry David als misanthropischer, überintelligenter, kurzbehoster New Yorker Sonderling Boris Yellnikoff, der mit einer viel jüngeren, viel weniger gebildeten Südstaatenpomeranze zusammenkommt, im neuen Woody-Allen-Film „Whatever Works“ ins Kino. Allen wollte ihn angeblich, weil das Publikum David, wie einst Groucho Marx, auch verzeiht, wenn er unausstehlich ist. Das „Schaufenster“ erwischte den Mann, der nicht viel von überflüssigen Wortkaskaden hält, am Telefon in Los Angeles.

Stimmt es, dass Sie Woody Allen ausreden wollten, Sie für diesen Film zu engagieren?

Ja, ich fragte ihn: Bist du dir wirklich sicher? Ich dachte, er hat wohl den falschen Eindruck von meinem Schauspielkönnen. Ich spiele ja normalerweise nur mich selbst, mit meinen eigenen Ticks und Manierismen. Und ich mag auch Herausforderungen nicht besonders. Aber er hat gesagt, das ist genau das, was er will.

War es schwierig, eine Rolle zu spielen, die nicht Sie, sondern jemand anderer geschrieben hat?

Ja, vor allem den Text zu lernen. Bei „Curb Your Enthusiasm“ muss ich das nicht, weil wir ja alles improvisieren. Mein Gehirn ist nicht mehr das, was es zu meiner Teenagerzeit war, als ich noch die Unabhängigkeitserklärung auswendig konnte. 

Die Rolle hätte Woody Allen früher wahrscheinlich selbst gespielt, hatten Sie Angst vor Vergleichen?

Nein, auf die Idee kommt sowieso niemand. Und wenn es jemand täte, dann würde das wohl sehr demütigend für mich ausfallen. Ich habe von Anfang an darauf geachtet, nicht den „Woody Allen zu machen“. Denn es stimmt schon, viele, die in seinen Filmen spielen, verfallen dann in so Woody-Allen-Verhaltensmuster.

Hätten Sie denn hier auch improvisieren können, oder wollte Woody Allen das nicht?

Im Gegenteil, er hätte das sehr unterstützt. Aber ich wollte es nicht, ich fand es unnötig. Ich dachte, meinen eigenen Text sage ich sowieso immer, wenn ich jetzt einmal die Gelegenheit habe, die Worte von Woody Allen zu sagen, dann ergreife ich die doch.

Also haben Sie Ferien von Larry David gemacht?

Ja, genau. Larry David bin ich schließlich sowieso mein ganzes Leben lang.

Ja, und sogar zwei Mal . . .

Ja, zwei Mal. Es ist sehr ermüdend, Larry David zu sein.

Sehen Sie sich überhaupt als Schauspieler?

Na ja, ich denke schon. Ich bin einer dieser Hollywood-Doppelagenten. Ein Autor Schrägstrich Schauspieler.

Im Film gibt es sehr schöne Szenen, in denen Sie unschuldige Kinder beim Schachspielen anblaffen. Das haben Sie schon ein bisschen genossen, oder?

Nach dem ersten Take hat Woody sogar zu mir gesagt, ich bin noch zu nett. Ich musste gemeiner werden.

Wie viel Larry David steckt in Boris Yellnikoff?

Ich bin ein bisschen netter, aber dafür etwas weniger schlau. Ich bin taktvoller als Boris und definitiv besser angezogen. Und ich bin definitiv interessierter an Sex.

Apropos taktvoll: Wie viel Larry David steckt im „Curb Your Enthusiasm“-Larry David?


Das ist die ideale Version des realen Larry David. Er ist so, wie ich gern wäre. Er ist mein Held.

So scheint es vielen zu gehen.

Ja, der Reiz der Serie ist diese gnadenlose Ehrlichkeit. Er sagt und tut vieles, was sich andere eben nur denken. Er kann einfach nicht anders. 

Trotz der unwahrscheinlich hohen Fettnapfdichte, die regelmäßig über ihn hereinbricht, gibt es auch Menschen, die sich mit dem Serien-Larry identifizieren, oder?

Ja, genug. Meistens sagen mir Frauen, dass ihre Männer ganz genau so sind. Ich verstehe nur eines nicht: Mit mir wären diese Frauen niemals ausgegangen.

Wie lange wird es „Curb Your Enthusiasm“ noch geben?

Mir macht es noch Spaß, also kann es noch eine Weile weitergehen. 

Im Film wäscht sich Boris immer so lange die Hände, bis er damit fertig ist, „Happy Birthday“ zu singen. Weil erst dann alle Keime weg sind. Was sagen Sie zur Schweinegrippe?

Dass ich sie nicht bekommen will.

TIPPS
Whatever Works, ab 4. 12. im Kino
Curb Your Enthusiasm auf DVD und auf Fox

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1 Kommentare
dschun
07.12.2009 22:02
0 0

Curb gehört geschaut

Die geniale TV-Serie "Curb your enthuisiasm" gehört geschaut. Unbedingt. Man beginne mit Season 1 und bleibe am Ball. Unbedingt. Man begehe aber bitteschön nicht den Fehler sich auf youtube mal kurz einen Clip anzusehen. Das funktioniert nicht. Den Fehler machte ich auch, deshalb brauchte es lange, bis mir die Augen geöffnet wurden.

Larry David ist tatsächlich der Woody Allen der Gegenwart, wenn man es so ausdrücken will. Leider finde ich das Projekt "David spielt Allen" nur bedingt gelungen. Freilich, der Film ist noch immer way beyond besser als alles andere, was so gezeigt wird, aber "David spielt David" ist nun mal ein Quantensprung in der TV-Geschichte. Ja, ja.