Julianne Moore: "Es gibt nichts Extravagantes an mir"

In "The Golden Circle" spielt Julianne Moore den Bösewicht. Mit der „Presse am Sonntag“ spricht die Oscar-Preisträgerin über ihre Schönheit, ihre permanente Müdigkeit und die Freiheit, wenn die Kinder nicht mehr zu Hause leben.

„Ein Schönheitssymbol bin ich nur, weil mir andere Leute dabei  helfen. Letztlich liegt das nur an den Kleidungsstücken, die man mir bei solchen Terminen zum Anziehen gibt“, sagt Julianne Moore.
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„Ein Schönheitssymbol bin ich nur, weil mir andere Leute dabei  helfen. Letztlich liegt das nur an den Kleidungsstücken, die man mir bei solchen Terminen zum Anziehen gibt“, sagt Julianne Moore.
„Ein Schönheitssymbol bin ich nur, weil mir andere Leute dabei helfen. Letztlich liegt das nur an den Kleidungsstücken, die man mir bei solchen Terminen zum Anziehen gibt“, sagt Julianne Moore. – (c) APA/AFP/GETTY IMAGES/KEVIN WINTE (KEVIN WINTER)

Julianne Moore als Bösewicht? – Wer der 56-Jährigen je begegnet ist, weiß, wie weit eine Rolle wie in ihrem neuen Film „Kingsman: The Golden Circle“ von ihrer realen Person entfernt ist. Dabei wird sie während dieses Interviews sogar einmal ungehalten: „Wenn ihr weiter so laut tuschelt, dann müsst ihr auf die Straße“, meint sie zu ihren Assistenten, die im Hintergrund flüstern. Aber selbst das spricht sie mit einem lauten Lachen. Ernst wird sie nur bei einer realen Schurkenfigur: Donald Trump.

Sie haben es offenbar genossen, den größenwahnsinnigen Bösewicht zu spielen. Was von Ihrem eigenen Ego ist in diese Rolle eingeflossen?

Julianne Moore: Ich hoffe, meine Person hat nie Einfluss auf eine Rolle. Mein Privatleben ist von meinen Figuren strikt getrennt. Es gibt auch nichts Extravagantes bei mir. Das Verrückteste, das ich in meinem Leben gemacht habe, war, Schauspielerin zu werden.

Solche Rollen färben auch nicht auf Sie ab?

Oh nein. Ich versuche in meinem Leben immer authentisch zu bleiben. Je älter ich werde, desto stärker ist dieses Bedürfnis. Die Leute sagen oft zu mir: „Sie haben doch eine lebhafte Fantasie, mit der Sie jede beliebige Figur darstellen.“ Ich entgegne darauf: „Wenn ich kein Drehbuch als Grundlage habe, funktioniert das nicht.“

Sie haben also ganz offensichtlich keine Neigung zum Größenwahn ...

Ganz sicher nicht. Im Gegenteil, ich bete andere Leute an, die Außerordentliches leisten. Zum Beispiel Bildhauer. Denn sie müssen nicht nur eine Idee entwickeln, sondern diese auch noch physisch umsetzen. Sie verbringen endlose Stunden damit, einen massiven Gegenstand zu erschaffen.

 Es gibt aber viele Leute, die Sie anbeten. Für diese sind Sie zum Beispiel ein Schönheitssymbol.

Das bin ich nur, weil mir viele andere Leute helfen. Letztlich liegt das nur an den Kleidungsstücken, die man mir bei solchen Terminen zum Anziehen gibt. Und das sind nicht einfach Kleider, sondern Kunstwerke. Im realen Leben könntest du so etwas nicht anziehen.

 Aber können Sie sich noch daran erinnern, als Ihnen jemand zum ersten Mal Komplimente für Ihr Aussehen machte?

Da war ich in der neunten Klasse, ich hatte die Hauptrolle in einer Schulaufführung, und meine Eltern sagten ganz ausdrücklich, wie besonders hübsch ich aussah. Das hat großen Eindruck auf mich gemacht.

 Wie ist es mit Ihrer 15-jährigen Tochter? Kommentieren Sie ihr Aussehen?

Natürlich. Wenn sie sich hübsch angezogen hat, dann lobe ich ihr Outfit. Ich sage ihr auch, wie talentiert sie ist, und lobe sie, weil sie so hart arbeitet. Letztlich läuft es immer darauf hinaus, dass du den Leuten, die du liebst, Komplimente machst. Du musst jede Gelegenheit nutzen, um ihr Selbstbewusstsein zu stärken.

Ihre Tochter wohnt ja noch zu Hause, während Ihr Sohn inzwischen aufs College geht. Was hat sich dadurch für Sie geändert?

Ich habe einfach zu Hause nicht mehr so viel zu tun. Als meine Kinder kleiner waren, bin ich vor allem herumgehetzt. Ich bin mal gespannt, wie sich unser Leben verändert wird, wenn alle unsere Kinder außer Haus sind. Manche Leute können ja kaum fassen, welche Freiheit sie dann haben.

Können Sie diese Freiheit gebrauchen?

Ich werde es sehen. Aber irgendwie brauche ich Ruhe, denn ich scheine mich ständig zu verausgaben. Selbst wenn ich zu Hause bin, finde ich immer etwas zu tun, ich arbeite an Drehbüchern, und ich verstehe nie, wie müde ich eigentlich bin.

Wann begreifen Sie das?

Wir haben ein Strandhaus auf Long Island. Wenn ich da hinkomme und mich hinlege, dann schlafe ich wie ein Stein. Und nach zwölf Stunden stolpere ich aus dem Bett und weiß nicht, wie spät es ist.

Es gibt ja leider jemanden, der Ihnen den Schlaf rauben dürfte – Donald Trump.

Oh ja, und jede Sache, die er sich leistet, ist unerhörter als die vorhergehende. Schon allein die ganzen Enthüllungen in der Russland-Affäre sind unerhört. Ich klicke jeden Morgen die „New York Times“ an und frage mich: Was ist als Nächstes passiert? Es ist wirklich nicht lustig. Ich hoffe ja, dass er die erste Amtszeit nicht übersteht. Das wäre das Beste für uns alle.

Steckbrief

Julianne Moore wurde 1960 in der Militärbasis Fort Bragg in North Carolina geboren. Seit 2011 besitzt sie zu Ehren ihrer Mutter auch die britische Staatsbürgerschaft.

Seit den 80er-Jahren war sie in mehr als 70 Film- und TV-Produktionen zu sehen. Moore wurde fünf Mal für den Oscar nominiert und 2015 erstmals als Beste Hauptdarstellerin in „Still Alice“ ausgezeichnet. Außerdem ist sie dreifache Golden-Globe- Preisträgerin.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 24.09.2017)

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