Christoph Waltz: Ein zweiter Oscar für den Wiener

Die Sensation ist perfekt: Der Österreicher Christoph Waltz holte seinen zweiten Oscar. Er wurde für seine Rolle als Dr. King Schultz in "Django Unchained" als bester Nebendarsteller ausgezeichnet. Waltz schlug Alan Arkin, Robert De Niro, Philip Seymour Hoffman und Tommy Lee Jones.(c) Dapd (Clemens Bilan)

Grenzenlosen Dank" sprach er seiner Rolle Dr. King Schultz und damit "dem Erschaffer dieser inspirierenden Welt" aus: Quentin Tarantino. "Wir haben an einer Heldenreise teilgenommen, und dieser Held war Quentin", so Waltz in Richtung seines Regisseurs, auf die Wagner-Referenz in "Django Unchained" Bezug nehmend. "Du hast den Berg erklommen, weil du keine Angst vor ihm hast, du hast den Drachen bezwungen, weil du keine Angst vor ihm hast. Und du hast den Feuerkreis durchschritten, weil du es wert warst."(c) REUTERS (LUCAS JACKSON)

Im postmodernen Western "Django Unchained" mimt Waltz den Kopfgeldjäger Dr. Schultz. Dieser hilft dem befreiten Sklaven Django (Jamie Foxx) dessen Frau aus den Händen eines Plantagenbesitzers (Leonardo diCaprio) zu befreien. Nach einer Golden Globe-Nominierung hat Waltz dank seiner herausragenden schauspielerischen Leistung nun auch die Chance aufs "Oscar-Double".(c) The Weinstein Company/AP (Andrew Cooper SMPSP)

Während sich Schauspieler österreichischer und deutscher Herkunft gern darüber beschweren, in Hollywood immer nur Nazis spielen zu dürfen, hat ausgerechnet die Darstellung eines SS-Offiziers dem gebürtigen Wiener Christoph Waltz zu einem Triumph in der Traumfabrik verholfen. Für seine Rolle des SS-Standartenführers Hans Landa im Film "Inglourious Basters" von Quentin Tarantino erhielt er 2010 einen Oscar (bester Nebendarsteller).(c) Photo Credit Francois Duhamel

Bei seiner Premiere als Oscar-Gewinner 2010 - damals überreichte ihm Penelope Cruz den Filmpreis - war Waltz sichtlich nervös. "Alle haben mir an Bord geholfen, alle haben mir geholfen, einen Platz zu finden", sagte Waltz bei Oscar Nummer eins. "Es gibt keinen Weg, euch jemals genug zu danken. Aber ich kann damit anfangen." Der größte Dank galt aber Regisseur Quentin Tarantino für dessen "unorthodoxe Methoden der Navigation" auf der Expedition, zu der der Dreh zu "Inglourious Basterds" wurde.(c) REUTERS ( Gary Hershorn Reuters)

Den charmant-hinterhältigen "Juden-Jäger" Hans Landa verkörperte Waltz mit solcher Bravour, dass sich die internationale Presse vor Lob überschlug und selbst Superstar Brad Pitt daneben blass aussah.(c) REUTERS ( Lucy Nicholson Reuters)

Zuvor erntete Waltz in Cannes als Hans Landa mit dem renommierten Darstellerpreis die verdienten Früchte, seither regnet es Auszeichnungen und Angebote in Hülle und Fülle.(c) REUTERS ( Vincent Kessler Reuters)

Im Jänner 2010 hatte er den Golden Globe für den besten Nebendarsteller gewonnen.

"Ich kann das nicht analysieren, denn wäre ich ein analytischer Mensch, hätte ich einen anderen Beruf", sagte der Schauspieler nach der Verleihung.(c) REUTERS ( Lucy Nicholson Reuters)

Der Theresianum- und Reinhardt-Seminar-Absolvent hatte in Quentin Tarantino stets einen vehementen Fürsprecher: "Er ist ein sprachliches Genie", sagte der US-Regisseur vor der "Basterds"-Premiere in Cannes. "Ich war nicht sicher, ob ich jemanden wie ihn finden würde, daher war es auch lange ungewiss, ob ich den Film wirklich drehen würde."(c) EPA (JENS KALAENE)

"Christoph war der einzige, der beim Casting die Gedichte in jeder gewünschten Sprache sprechen konnte", so Tarantino. "Danach habe ich meinen Produzenten angerufen und gesagt: Wir machen den Film! Ohne Christoph hätte ich den Film nicht gemacht."(c) APA GEORG HOCHMUTH (GEORG HOCHMUTH)

Waltz hatte Tarantino bei der Preisverleihung der Golden Globes geantwortet: "Quentin, du hast mir meine Berufung zurückgegeben."

Es hat gewirkt: Tarantino besetzte Waltz auch in "Django Unchained".(c) Reuters (OLIVIA HARRIS)

Geboren wurde am 4. Oktober 1956 in Wien, seine Eltern sind die Bühnen- und Kostümbildner Johannes Waltz und Elisabeth Urbanic. Er absolvierte das Reinhardt-Seminar und das Lee Strasberg Theatre Institute in New York für Schauspielerei.(c) AP (Eckehard Schulz)

Nach einem Bühnen-Debüt am Zürcher Schauspielhaus ("Amadeus") und Engagements an verschiedenen Theatern folgten später vor allem zahlreiche Film- und Fernsehrollen.

Im Bild: Im film "Das merkwürdige Verhalten geschlechtsreifer Großstädter zur Paarungszeit"(c) ORF ( )

Dabei erarbeitete er sich den Ruf eines prägnanten Film-Bösewichts, der aber auch im komödiantischen Fach brillieren kann. 2000 hatte er mit dem TV-Film "Wenn man sich traut" sein Debüt als Regisseur.(c) AP (DAN STEINBERG)

Seine umfangreiche Filmographie umfasst u.a. "Du bist nicht allein - Die Roy Black Story" (im Bild), "Der Tanz mit dem Teufel - Die Entführung des Richard Oetker", "Lapislazuli", "Dienstreise - Was für eine Nacht" und "Die Zürcher Verlobung".

Dass sich diese Liste in den kommenden Jahren rasch um bedeutende Regisseure und große Rollen erweitern wird, galt schon nach der Premiere von "Inglourious Basterds" als sicher.(c) Dpa Zentralbild Nestor Bachmann (Nestor Bachmann)

Mit Michel Gondrys "The Green Hornet", "Water for Elephants" neben Robert Pattinson und Reese Witherspoon und in Roman-Polanskis Kammerspiel "Der Gott des Gemetzels" (im Bild) hat Waltz dies auch bestätigt.

Auch sein neuester Film ist bereits abgedreht. Im Politdrama "Reykjavik" verkörpert er den früheren sowjetischen Parteichef Michail Gorbatschow. An seiner Seite: Michael Douglas, der den ehemaligen US-Präsidenten Ronald Reagan mimt. 2013 wird er im Animationsfilm "Epic" zu hören sein und die Hauptrolle in Terry Gilliams Science-Fiction-Streifen "The Zero Theorem" spielen.(c) REUTERS (ANDREW KELLY)

In den USA gehört der gebürtige Wiener zu den größten Persönlichkeiten der Filmbranche und war bereits in den wichtigsten Talkshows - von Jay Leno bis Oprah Winfrey - zu Gast. Privat hat Waltz London und Berlin zu seinen Wohnsitzen auserkoren, wo er mit der Kostümbildnerin Judith Holste und der gemeinsamen Tochter lebt. Aus einer früheren Ehe stammen drei inzwischen erwachsene Kinder.(c) REUTERS ( Danny Moloshok Reuters)
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