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Schauspieler David Kross: Überdosis Ruhm

29.01.2010 | 11:48 |  von Christina Böck (Die Presse - Schaufenster)

Er spielte den jugendlichen Liebhaber von Kate Winslet in "Der Vorleser". Jetzt findet David Kross die große Liebe in Kambodscha. Berühmt zu sein findet der junge Deutsche anstrengend.

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David Kross freut sich schon auf die Berlinale. Nicht etwa, weil er sich einen Preis erhofft. „Shooting Star“ war der Deutsche ohnehin schon. Das ist es ja. Vor ziemlich genau einem Jahr war der Film „Der Vorleser“, in dem er ein paar delikate Szenen mit Kate Winslet hatte, in aller Munde und er wurde von Interview zu Interview gereicht, in denen er dann als „schüchtern“ bezeichnet wurde. Kein Wunder, war David Kross ja gerade einmal 19 Jahre alt. Heute sagt er, übrigens ganz unschüchtern: „Damals ging es drunter und drüber, manchmal wusste ich nicht mehr, wo oben und unten ist. Das war schon eine Überdosis Ruhm, da musste ich mich erst mal erholen. Mein Motor ist nicht, berühmt zu sein“. Deswegen freut sich Kross schon: weil sich heuer bei der Berlinale der Trubel um einen anderen drehen wird.

Andererseits ist natürlich selten einer zum „Shooting Star“ gekürt worden, bei dem diese Titulatur besser gepasst hätte. Einen steileren Karrierestart  hat im deutschsprachigen Film schon lange niemand mehr hingelegt.  Begonnen hat alles in Bargteheide in Schleswig-Holstein. Dort hat David Kross als Teenager in einem Jugendtheater gespielt. Der deutsche Filmregisseur Detlev Buck wurde auf ihn aufmerksam und so spielte er als 15-Jähriger schon in dem Sozialdrama „Knallhart“. Und zwar einen Jungen, der mit seiner Mutter aus der behüteten Berliner Vorstadt ins Migrantenviertel zieht und dort schließlich zum Drogendealer wird. 

Im Bett von Kate Winslet.
Kurz darauf folgte die Hauptrolle in „Krabat“, in dem finsteren Fantasymärchen spielte er neben Robert Stadlober und Daniel Brühl einen verwaisten Zauberlehrling.  Kaum war dieser Film abgedreht, landete er im Bett vom Kate Winslet. Direkt nach den Dreharbeiten zum „Vorleser“ flog Kross auch schon zur nächsten Arbeitsstätte – nach Kambodscha. Dort drehte er mit seinem Entdecker Detlev Buck „Same same but different“. Die Liebesgeschichte des sehr jungen Deutschen Ben, der sich in das Bargirl Sreykeo verliebt, bei der sich schließlich herausstellt, dass sie HIV-positiv ist, ist eine wahre Geschichte. Das „Originalpaar“ schaute auch oft am Set vorbei: „Es ist ein witziges Gefühl, wenn man an den echten Orten diese echte Geschichte nachspielt und die echten Protagonisten schauen einem auch noch zu. Da fühlt man schon mehr Verantwortung gegenüber dem Stoff, als wenn alles erfunden ist“, sagt Kross.  

Stressfrei in Kambodscha.
Diese „echten Orte“ waren Phnom Penh und ein kambodschanisches Dorf. Für Kross, der zum ersten Mal in Asien war, eine beeindruckende Erfahrung: „Ein wahnsinnig schönes Land. Es ist immer viel los, sehr wuselig auf den Straßen, aber gleichzeitig sind die Leute sehr ent­spannt. Kambodscha ist ein gutes Land, um stressfrei zu werden.“ Die Produzenten des Films sehen das vielleicht etwas anders, war es doch auch nicht immer einfach mit den legeren Einheimischen: „Wir mussten viel improvisieren. Die Statisten sind oft einfach nicht gekommen, weil sie keine Lust hatten. In Kambodscha gibt es keine Filmindustrie. Da gibt es nur so Horror- und Geisterfilme auf Video. “ Aber es gab auch Überraschungen: „Als wir die Szenen bei Sreykeos Familie am Land draußen gedreht haben, da war dieser Mann, der ihren Vater spielt. Er macht das so wahnsinnig gut, dass man denkt, er ist schon ewig Schauspieler. Aber der ist noch nie zuvor vor einer Kamera gestanden!“

Ein erstes Mal gab es auch für David Kross selbst: Frittierte Vogelspinne kommt nämlich in Schleswig-Holstein nicht so oft auf den Tisch. In einer Szene will Ben Sreykeo überreden, ihre Tabletten zu nehmen. Sie sagt, sie mache das nur, wenn er eine Spinne verzehre. Er schafft nur ein halbes Bein. Auch Kross „privat“ hat sich nicht mehr zugetraut: „Da waren ja auch noch so Haare drauf! Aber das ist sehr beliebt. Die Kambodschaner essen auch Heuschrecken und Maden. Obwohl dort ein riesiger Kontrast ist zwischen Arm und Reich, da sind sie sich einig. Ich habe oft gesehen, dass Reiche kurz aus ihren Geländewagen  aussteigen, um sich mal eben eine Spinne zum Knabbern zu holen.“

Jetzt mal ohne Druck. Die Aids-Thematik will Kross zwar nicht im Mittelpunkt des Films wissen, aber er kommt nicht drum herum, zu bestätigen, dass seine Generation etwas nachlässiger mit der Krankheit umgeht: „Im Unterbewusstsein ist es da, dass es Aids gibt. Aber es ist einem nicht so bewusst, wie gefährlich das ist. Im Film geht es aber eher darum, dass die beiden so früh schon feststellen müssen, dass ihr Zusammensein nicht unendlich sein wird.“
Nach all den melodramatischen Filmen liegt die Frage auf der Hand, ob Kross nicht mal einen lustigen Film machen möchte: „Ja klar, wenn Sie was haben“, sagt er und lacht. Eine Rucksackreise, wie er sie im Film macht, würde auch Kross reizen. „Aber allein zu reisen, da gehört viel Mut dazu.“ Ihn würde es da nach Indien oder Südamerika ­ziehen. Zumindest will er es nach dem Karriereschnellstart wieder ruhiger angehen. Ein Schauspielstudium in London hat er abgebrochen und ist zurück zu den Eltern gezogen. Als Nächstes spielt er eine Nebenrolle: „Das ist nicht so viel Druck. Den ich mir ja selber mache. Das Berühmtsein steht einem manchmal auch im Weg.“ 

Same but different, ab 29.01. im Kino

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