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Tim Burtons "Alice": Wunderland ist abgebrannt

02.03.2010 | 18:52 |  CHRISTOPH HUBER (Die Presse)

Tim Burtons unpersönlicher Fantasiefilm "Alice im Wunderland" ist eine der buntesten und üppigsten Versionen des Stoffes – und eine der geistlosesten. Absehbar und deprimierend gleichförmig wird das Ende angesteuert

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Kaum kommt Alice ins Wunderland, findet sie ein verzaubertes Fläschchen und einen magischen Kuchen: Trinkt sie aus der Flasche, schrumpft sie auf Zwergengröße. Beißt sie in den Kuchen, wird sie wieder riesengroß. Bei Tim Burtons Neuverfilmung von Alice im Wunderland haben die Ausstatter reichlich Kuchen bekommen, während die Disney-Drehbuchautorin Linda Woolverton (König der Löwen) wohl gleich ein paar Fläschchen leer gesoffen hat: Es ist eine der buntesten und üppigsten Versionen des Stoffes – und eine der geistlosesten.

Bezeichnend, dass Burtons Alice (Mia Wasikowska) nicht in ein Wunder-, sondern in ein „Unterland“ zurückkehrt: Sie ist mittlerweile 19 Jahre und soll auf einer aristokratischen Gartenparty den Antrag eines blassen und blasierten Nasenbohrer-Lords annehmen. Verständlich, dass sie lieber wieder dem weißen Kaninchen hinterdrein ins Loch springt, auch wenn sie ihren Besuch als Kind im Zauberreich vergessen hat.

Dessen Zauber vermittelt sich exklusiv in grellen Digitaltricks, die mehr Persönlichkeit haben als die Figuren: Auch wenn Helena Bonham Carter bei ihrem Gatten Burton wieder heiter-hässliche Szenen (und Figur) machen darf – ihre Rote Königin ist im Wesentlichen eine artifizielle Wüterinnenwichtin mit Riesenkopf. Auch inszenatorisch ist Persönlichkeit Mangelware: Als hätte Burton einfach Entwürfe für das Produktionsdesign abgeliefert und irgendein Regiefließbandarbeiter des Disney-Studios für die uninspirierte Umsetzung gezeichnet.

Lewis Carrolls originale Alice setzte ihre Vorstellungskraft ein, um die Langeweile zu überwinden: Burtons Alice langweilt, weil es an Imagination jenseits farbenfroher Computerspiellandschaften fehlt. Die Odyssee von Alice führt nicht zu fantastischen Höhenflügen, sondern ist Plattform einer platten Parabel: ein lautes Action-Abenteuer um pseudofeministische Selbstverwirklichung im konservativen Korsett. (Ist es Zufall, dass Disneys einstiger Plötzlich Prinzessin!-Star Anne Hathawayals gute Weiße Königin eingreift?Ihre exzentrische Darstellung ist jedenfalls origineller, als es der Film verdient.)

 

Plötzlich Kolonialherrin! In üblem 3-D.

Absehbar und deprimierend gleichförmig wird das Ende angesteuert: Alice triumphiert selbstverständlich über viktorianischen Zwänge – und geht als Kolonialherrin nach China. Echt vorbildlich! Indes missbraucht man selbst den Jabberwock aus Lewis Carrolls großem Nonsens-Poem: Aus dem für jede Interpretation offenen, schillernden Symbol wird ein Spezialeffekt-Einheitsdrache, grad recht als fader Bösewicht im Schlusskampf. Dieses Finale war übrigens wie alle Szenen mit viel Bewegung im Bild in der dreidimensionalen Projektion bei der Pressevorführung unscharf und anstrengend für die Augen – wie die Szenen im Halbdunkel, das durch den Helligkeitsverlust beim Aufsetzen der 3-D-Brillen eher an totale Düsternis grenzte. Alice war einer der Filme, die rund um die Avatar-Kampagne mitten in der Produktion vom zwei- zum dreidimensionalen Spektakel aufgemascherlt wurden. So wie sich das 3-D-Ergebnis hier darstellt: ein technischer Rückschritt.

Auf einen blick

Über 20 Verfilmungen gibt es von„Alice im Wunderland“, freie Adaptionen wie Tim Burtons am Donnerstag anlaufender Film gar nicht mitgerechnet. Wichtigste Versionen: die ersten Stummfilme (1903, 1910); ein seltsamer Hollywood-Spielfilm mit Stars – wie Cary Grant als Schildkröte – (1933); der psychedelische Disney-Zeichentrickfilm (1951); und die surreale Adaption durch Animationskünstler Jan Švankmajer (1988).

Im Kino: Die Filmstarts der Woche

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("Die Presse", Print-Ausgabe, 03.03.2010)

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10 Kommentare
Gast: Donquichotte
21.04.2010 01:52
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Geistlos - Burtons schwächste Arbeit!

Auch ich bin sehr enttäuscht. Verworrene Story, wenig Überraschung, Geistlos, ohne Tiefgang.

Ich persönlich habe das Gefühl der Film ist allein wegen der Effekte gedreht worden aber auch hier kann man sagen "Das gab es alles schon!"

Mitgerissen hat es mich nicht. Es war schon sehr kalt. Für mich ist es Burtons schlechteste Arbeit...

Dieser Film ist das beste Beispiel dafür, das es an der Zeit ist die Welt des digitalen Größenwahns zu verlassen und dann doch lieber kleine, bescheidene Filme zu drehen...

Gast: Tiefgang
29.03.2010 09:07
0 0

Bild Leser und GZSZ Fans willkommen...

Niemand der in diesem Film war kann wohl von "fantastischer" Geschichte sprechen... selbst die Charaktere des Disney Zeichentrick Klassikers hatten mehr Persönlichkeit... abgesehen davon war die Story wohl nie so vorhersehbar so das man nach 45 min. nur noch gebetet hat das endlich der Showdown kommt. Und nachdem Alice dann zum 1.000.000 mal fadenscheinige geheuchelt hat sie will kein Lebewesen töten da wollte man lieber ihr den Kopf abschlagen als diesem Drachenklon aus Tschernobyl.
Das Potenzial dieses Films war schier unerschöpflich und die Rolle des Hutmachers für Depp perfekt... aber irgendwie haben sie sich bei einem Film der einem eigentliche alle kreativen Freiheiten gibt in ein Standardkorsett zwängen lassen. Mal ganz abgesehen davon das ich anzweifeln möchte ob ein Film in dem mehrfach in Augen gestochen bzw ausgestochen werden, geköpft wird etc. bereits ab 12 Jahren freigegeben werden sollte.
Der Wahnwitzige Funke will einfach nicht überspringen... am ausgefallsten und ansprechensten wurde da noch der Märzhase herausgearbeitet. Fazit wer mehr Spannung erleben möchte als bei den Gilmore Girls sollte die Finger von dem Film lassen oder sich eine Schlafmaske mitbringen.

Gast: dominik
10.03.2010 19:11
0 0

richtig!

Kann der Kritik nur zustimmen. geben dem Film 2/10 Punkten...farblos, uninspiriert

war über die maßen enttäuscht

Gast: Hakuei
08.03.2010 21:37
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also echt mal

Ich fand den wirklich wunderschön, ich habe mich geärgert, dass er zuende ging und ich weiß dass es vielen, vielen Menschen in diesem Kino genauso geht (es war nämlich ausverkauft).
Ich finde es so dermaßen schade, dass man heutzutage jeden Film schlecht machen muss

Gast: James Blunt
08.03.2010 19:05
0 0

Kann dem Kommentar nur zustimmen

Die Kritik entspricht haargenau meinem Eindruck von dem Film. Vollkommen fantasielose unzusammenhängende uninspirierte Effekt Hascherei. Und, zumindest in dem Kino, in dem ich die Sache gezwungenermaßen sehen musste (Millenium - Müll - City), war das Bild sehr dunkel und 3D nur anstrengend, kann dem Autor hier vollends beipflichten. Von der deutschen Fassung gar nicht zu reden... (the horse's mouth??)

Steininger
07.03.2010 15:25
0 0

Der Kommentar widerspricht in jedem einzelnen Aspekt

dem was ich wahrgenommen habe.
Der Film war in 3d niemals unscharf oder dunkel. Es war genau ausreichend hell für jede Szene.
Der Stoff, episodisch wie er nunmal ist, eignet sich eigentlich nicht für einen Kinofilm. Daher sind Zusammenziehungen unerläßlich - so wie die Kombination der Roten Königin mit der Herzkönigin.
Es ist ein wunderbarer Fantasy-Film herausgekommen, vielleicht ein bißchen zu grausam für Kinderaugen.
Aber das macht nichts, in dem Kino gestern war ohnehin weit und breit kein Kind zu sehen.
Die oben stehende Kritik erinnert mich fast ein bisschen an die Rote Königin mit ihren "Heads off" Befehlen (in schriller Stimme).
Das Intro mit der Gartenparty war vielleicht ein bißchen Klischeehaft, aber, Leute - das ist ein Disneyfilm. Man erwartet keine tiefgehende Sozialkritik! (ausgenommen Herr Huber natürlich)

siddh
04.03.2010 10:35
1 1

Hobbykritiker enttäuscht...

...so sehr ich die online-presse schätze, aber die Filmkritiken basieren auf reiner subjektiver, persönlicher Asymphatie und enthalten nur noch selten brauchbare od. nachvollziehbare Kritiken.
..allerdings nimmt die Presse in diesem Genre ohnehin niemand mehr ernst.

Dekkard
03.03.2010 09:14
0 1

Wundert mich nicht...

...Tim Burton ist leider eher für seine opulent-kitschigen Bilder berühmt, als für eine halbwegs gute Story. Viele gute Geschichten hat er bisher zu langweiligen Musicals verramscht, immer wieder mit Johnny Depp als Zugpferd.
Im unteren Kasten fehlt übrigens bei den vielen Adaptionen noch ein sehr skuriles Werk welches in den 70ern als eine Mischung aus Musical und Pornofilm in die Filmgeschichte ging! ;)

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Re: Wundert mich nicht...

wills auch wissen!! ^^

Antworten Gast: BoeMaehr
03.03.2010 11:33
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Re: Wundert mich nicht...

... und wie nennt sich dieses Werk? Bin jetzt neugierig geworden ;)

lg