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"Männer, die auf Ziegen starren": Konsenskino

14.03.2010 | 18:54 |  MARKUS KEUSCHNIGG (Die Presse)

"Männer, die auf Ziegen starren" wartet mit George Clooney, Jeff Bridges, Ewan McGregor und Kevin Spacey auf - bleibt aber lose. Surreal angehauchtes Konsenskino mit Starvisagen.

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„Mäh“ macht die Ziege, kurz bevor sie tot zusammenbricht. Zu Fall gebracht hat sie Lyn Cassady (George Clooney mit Schnauzbart), Angehöriger einer Spezialeinheit der US-Armee, die statt Schusswaffengebrauch und Geländetauglichkeit die parapsychologischen Fähigkeiten der Soldaten trainiert. „Kampfmönche“ will Bill Django (eine Luxusvorstellung vom eben oscargekrönten Jeff Bridges) ausbilden: Der Vietnamveteran ist jahrelang in Esoteriklagern untergetaucht und gründet in den Siebzigerjahren die „New Earth Army“ als streng geheime Kaste innerhalb der offiziellen Armee. Er lehrt Taktiken wie Unsichtbarkeit, das Gehen durch Wände und den Gebrauch des menschlichen Instinkts.

Was sich anhört wie eine Militärklamotte, ersonnen vom liberalen Hollywood, basiert auf Tatsachen: Der britische Journalist Jon Ronson trägt jahrelang unter Mithilfe von hochrangigen Ex-Militärs Fakten zu den Hippiesoldaten zusammen und veröffentlicht die unglaubliche Geschichte in Buchform. Gerade aber im Übertrag der Kapitelstruktur auf ein lineares Drehbuch scheitert Grant Heslovs Regiedebüt Männer, die auf Ziegen starren. Als dramaturgischer Kitt funktioniert Journalist Bob Wilton (als Ronson-Ersatz glänzt Ewan McGregor): Im Hotel in Kuwait, wo er auf die Einreise in den Irak wartet, trifft der von privaten Problemen gebeutelte Mann auf Cassady, der ihm fortan die Geschichte der „New Earth Army“ und seine eigene Rolle darin in ausgewählten Episoden vermittelt. Einige davon sind umwerfend komisch: etwa wenn General Hopgood (genial, mit stechenden Augen: Avatar-Schurke Stephen Lang) mit hoher Geschwindigkeit, militärischer Präzision und Entschlossenheit auf eine Betonwand zuläuft, erwartet, durch sie hindurchzusteigen, dann abprallt wie eine Cartoon-Figur. Oder wenn Larry Hooper (hinreißend gemein: Kevin Spacey) bei der Trainingsübung den in ihm wohnenden Geist einer alten Frau aktiviert, fortan im Falsett singsangt wie bei einer „Monty Python“-Séance.

 

Lose Abfolge humoriger Miniaturen

Was also locker zur schmissigen Komödie über die Absurdität des Kriegs im Allgemeinen und die ideologischen Renovierungsversuche innerhalb der US-Armee im Besonderen reichen würde, bleibt aufgrund Heslovs schlampiger Dramaturgie und solider, aber beiläufiger Inszenierung eine lose Abfolge von humorigen Miniaturen. Um den Spannungsfaden trotzdem nicht schleifen zu lassen und dem Film ein rundes Ende zu schenken, drückt der Regisseur der Geschichte, die als zeithistorische Anekdote surrealistisches Rheingold ist, im letzten Drittel noch so etwas wie Sinnhaftigkeit auf.

Ronsons Sachbuch zieht nämlich eine erhellende Parallele von den parapsychologischen Befreiungsstrategien der Hippie-Armee zu den Psychofoltern der jüngsten Vergangenheit, wo Irakkriegsgefangene tagelang mit dem hirnrissigen Titellied der amerikanischen Kindersendung „Barney und seine Freunde“ weich gekocht wurden.

 

Halb anarchisch, halb konservativ

In Heslovs Inszenierung wird die zum Finale aufbereitete Enthüllung allerdings nicht zum erhofften Paukenschlag, sondern steht nur als weitere Episode verloren zwischen den anderen. Männer, die auf Ziegen starren muss daher auch stellvertretend für die Malaise des politischen US-Kinos gesehen werden: Die notwendige inhaltliche und erzählerische Radikalität opfern die Regisseure reihum der Marketingidee der Allgemeinverständlichkeit. Das Ergebnis ist halb anarchisch, halb konservativ: surreal angehauchtes Konsenskino mit Starvisagen, dessen politische Schlagkraft gerade aufgrund der Liebäugelei zu beiden Seiten hin gegen null tendiert.

Schlussendlich bleibt ein ironischer Nachgeschmack: dass einem die lehrstückhafte Geschichte davon, wie eine gute Idee von bösen Ideologien instrumentalisiert wird, ausgerechnet von einem Film erzählt wird, der selbst im ideologischen Vakuum sitzt.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 15.03.2010)

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2 Kommentare
Gast: Gast
15.03.2010 11:11
0 0

naja

mir hat der film sehr gut gefallen. er transzentiert für mich eine komplett neue form von humor, der in der heutigen zeit nicht verstanden wird. sprich - der film ist seiner zeit voraus

lieber herr keuschnig:
haben sie den film eigentlich gesehen, bevor sie ihn schlechtreden?

den artikel mit: „Mäh“ macht die Ziege, kurz bevor sie tot zusammenbricht" zu beginnen finde ich sehr, sehr schwach.

die ziege kann nämlich nicht einmal einen laut von sich geben, da ihr die stimmbänder entfernt wurden. da hätten sie wohl besser genauer hingesehen.

Gast: jemand
15.03.2010 08:50
0 0

seltsam

dass der film gute kritiken bekommt, da er tatsächlich ein absoluter quatsch ist! der schlechteste film mit clooney und co!