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"Brooklyn's Finest": Heroin im Treppenhaus

27.03.2010 | 18:19 |  von Markus Keuschnigg (Die Presse)

Im Krimi "Brooklyn's Finest" kehrt Wesley Snipes an die Orte seiner Kindheit zurück: Von düsteren Erinnerungen, dem Diktat des Geldes in den USA und seiner Liebe zu Büchern.

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Mr. Snipes, in letzter Zeit spielen Sie mehr und mehr Charakterrollen.

Wesley Snipes: Zum Glück! Ich genieße es, Charakterrollen zu spielen, das wollte ich immer schon. Aber mir wurden nur Actionrollen angeboten. Die kann man aber nur eine Zeitlang spielen: Dann wird der Körper alt, die Verletzungen werden häufiger und man braucht mehr und mehr Erholungszeit. In dem Genre arbeitet man zudem oft mit weniger talentierten Künstlern.

 

Ist Ihre Actionphase also vorbei?

Nein, nein. Ich denke, zehn Jahre lang kann ich noch Actionfilme drehen. Dann spiele ich nur mehr weise, alte Männer mit weißen Bärten.

 

Sie haben ja gerade eine schwierige Zeit hinter sich: Man hat sie wegen Steuerbetrugs verurteilt. Wie gehen Sie damit um?

Sehr gut. Ich bin ewiger Optimist und glaube nicht an jede Illusion. Immerhin bin ich ja im Illusionsgeschäft tätig (lacht). Ich weiß, was wirklich und was unwirklich ist, das macht mich stabil.

 

Dennoch erliegen auch Sie immer wieder Illusionen.

Es liegt in der Natur dieses Geschäfts, dass Künstler nicht alles über die Leute wissen, mit denen sie zusammenarbeiten. Da heißt es: Das ist ein großartiger Regisseur, der will große Kunst machen. Bei der Zusammenarbeit entdeckt man dann, dass sie eigentlich gar keine Filme drehen, sondern Hamburger und Toaster verkaufen wollen. Denen ist es scheißegal, was mit dem Film passiert. Das ist mir zuletzt mit vielen meiner Actionfilme passiert. Eine eigenartige Erfahrung, wenn man sich als Künstler versteht, immer dafür arbeitet, Kunst zu fördern, zu schützen – und dann in einer Umgebung arbeitet, die das überhaupt nicht interessiert.

 

Wie haben Sie sich auf Ihre Rolle in „Gesetz der Straße – Brooklyn's Finest“ vorbereitet?

Ich habe mir meinen alten Gangsterfilm „New Jack City“ wieder und wieder angesehen. Spaß beiseite: Ich bin in dieser Gegend aufgewachsen. Ich habe in Brooklyn gelebt, ich kenne beide Seiten, Polizisten und Gangster.

 

Damals drehten Sie auch oft mit Spike Lee.

Das war sehr wichtig für meine Karriere. Er wollte mich auch in seinem letzten Film über schwarze GIs in Italien im Zweiten Weltkrieg besetzen, aber tja, da durfte ich grade nicht ausreisen.

 

Jetzt dürfen Sie aber wieder reisen?

Ich sitze doch hier! Das Irre am Filmgeschäft ist, dass das, was wir für die Wirklichkeit halten, viel bizarrer ist als alle Rollen, die ich jemals gespielt habe oder spielen werde. Und in den Medien stehen vollkommen erfundene Sachen und die Leute glauben es.

Dann verklagen Sie die doch!

Ach, das kostet zu viel Zeit und Geld. Da kaufe ich mir lieber Bücher.

 

Die Actionstars der Achtziger kommen gerade wieder: Sylvester Stallone mit „John Rambo“, Jean-Claude Van Damme mit „JCVD“. Werden Ihnen jetzt spannendere Rollen angeboten als vor ein paar Jahren?

Ich bin als Theaterschauspieler ins Filmgeschäft gekommen: ein Actionstar zu werden, das stand nie ganz oben auf meiner Liste. Es war ein Zufall: Die Kampfkunst war mein Hobby, und in einigen Filmen konnte ich mein Hobby ausleben. Ich sehe mich selbst nicht als Actionstar, aber nutze diese Nische für mich aus: Denn viele Actionstars sind keine guten Schauspieler, und viele gute Schauspieler können ihren Körper nicht so kontrollieren wie ich.

 

„Brooklyn's Finest“ ist ein dunkler und sehr harter Film geworden.

Traurigerweise zeigt er eine Wirklichkeit und beschreibt Zustände, aus denen die Leute nicht entkommen können. Manchmal muss man einfach auf all das Hässliche hinweisen und man muss es überhöht darstellen, damit man es loswird und damit man ins Reine kommen kann.

 

Glauben Sie an Veränderungen?

Die eine Sache, die ewig ist, ist die Veränderung. Wir als Künstler müssen versuchen, die Einstellungen der Menschen zu verändern. Wir müssen unsere Kunst dafür einsetzen, etwas zu erschaffen und nicht alles zu zerstören. Viele Leute aus der Gegend, in der wir gedreht haben, sind noch nicht mal bis nach Manhattan gekommen. Sie sehen es dauernd, waren aber noch nie dort.

 

Verändert sich die Situation in den USA?

Die Wirtschaft bremst gerade alles aus. Die Leute werden hungrig und fressen sich gegenseitig auf. Und natürlich sucht man sich leichte Beute, Menschen aus der Nachbarschaft.

 

Der Wunsch nach Veränderung in den USA ist nun untrennbar mit Barack Obama verknüpft. Haben Sie damit gerechnet, dass Sie einen schwarzen US-Präsidenten erleben?

Mein Freund, eher wäre ich ein Tänzer in „Ein Käfig voller Narren“ geworden, als dass ich damit gerechnet hätte.

 

Sie sagen, Sie sind in Brooklyn aufgewachsen. Wie haben Sie Ihre Kindheit erlebt?

Ich habe in den späten Siebziger- und frühen Achtzigerjahren dort gelebt. Da war einiges anders: Die älteren Typen hätten den jüngeren nie erlaubt, sich in die Geschäfte einzumischen. Sie hätten diese Kinder nie so trainiert und ausgenutzt. Das wäre nie im Leben passiert! Wenn dich ein Erwachsener dabei erwischt hat, wie du Süßigkeiten klaust, hat er dir auf offener Straße eine Ohrfeige gegeben. In dem Haus, in dem ich aufgewachsen bin, haben viele, viele Heroinabhängige gelebt. Die haben die Glühbirnen in den Treppenhäusern rausgeschraubt. Wenn ich also von der Schule heimgekommen bin, musste ich mich im Dunklen durch mehrere Stockwerke schleppen. Das war fürchterlich, so unheimlich. Im Hintergrund haben sich die Süchtigen den nächsten Schuss gesetzt, gestritten und geschrien. Ich habe als Kind immer erwartet, dass sie mich eines Tages einfach schnappen. Das taten sie aber nie.

 

Heutzutage werden diese Straßen auch von Jugend- und Kindergangs kontrolliert.

Die haben zu viel Geld und verdienen sehr schnell sehr viel. In den USA gibt es kein Sprachsystem, das die jeweilige Stellung der Person innerhalb der Gesellschaft reflektiert. Meine Frau ist Südkoreanerin: Dort könntest du nie deine Mutter mit ihrem Vornamen ansprechen. Das macht dir deine Stellung bewusst und erfüllt dich mit Respekt. Es zählt nur mehr das Geld in den USA: Diese Kinder und Jugendlichen verdienen mehr als die Eltern und respektieren sie nicht mehr. Wenn Papa dir dann sagt, dass du in die Schule gehen musst, würdest du gehen?

 

Wie kann man diese Situation ändern?

Man muss dieser Generation die Welt zeigen. Das Reisen öffnet deinen Verstand. Ich bin dadurch zu einem besseren Künstler geworden.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 28.03.2010)

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2 Kommentare
0 0

Ich bin schon gespannt auf den Film

Wird sicher genial. Meine Karten werde ich mir ganz gemütlich gewinnen über A1 Xcite bei Facebook.

Antworten Gast: TT1
01.04.2010 18:26
0 0

Re: Ich bin schon gespannt auf den Film

GAANZ uebler Kommentar!!!