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Tina Fey: Die lustigste Frau von Amerika

16.04.2010 | 09:32 |  von Christina Böck (Die Presse - Schaufenster)

Sie gilt als Sexsymbol für den denkenden Mann: Tina Fey macht mit der Comedy-Serie "30 Rock" Feinschmeckerfernsehen und kommt jetzt auch noch ins Kino.

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Mit Stolz kann ich sagen, dass ich die am schlechtesten gekleidete Person bei den Golden Globes war“, hat Tina Fey letztens in einem ­Interview gesagt. „Du weißt, dass etwas schiefgelaufen ist, wenn sich die Fotografen am roten Teppich vor Lachen ausschütten und schreien: ,He, du siehst ja wie Mary Poppins aus!‘“ Die Golden Globes sind überhaupt nicht wirklich Tina Feys Fall. Vor zwei Jahren wurde ihr doch tatsächlich die Tasche gestohlen, als sie auf der Bühne war, um sich ihren redlich verdienten Preis abzuholen. 

Vielleicht liegt es einfach daran, dass sich Glamour und Tina Fey nicht so ganz vertragen. Einmal hat sie gesagt: „In unserer Branche gibt es die Menschen, die Jugend, Kraft oder Sexualität verkörpern. Und dann gibt es mich.“ Natürlich, da gibt es Shootings mit berühmten Fotografen wie Annie Leibovitz oder Mario Testino, die dann auf Magazincovers landen (etwa der amerikanischen März-„Vogue“). Aber immer ist da dieser Blick der Komikerin, der verheißt, dass man das ja alles wohl nicht so ernst nehmen kann. Der Blick einer Frau, die ­eine geschenkte Oscar-Robe im Kasten verräumt, um sie für den Abschlussball ihrer Tochter aufzuheben.

Vielleicht lässt man sich auch blenden von der Figur, die Tina Fey in der von ihr kreierten Ausnahme-Sitcom
„30 Rock“ spielt. Das wiederum liegt aber nahe, schließlich basiert die Serie nicht nur am Rande auf Tina Feys Leben. Genauer auf ihren Erfahrungen als leitende Autorin bei der US-Humorsendung „Saturday Night Live“. In „30 Rock“ (das steht für die Adresse 30 Rockefeller Plaza, Sitz des Senders NBC und Schauplatz der Show) ist ­Tina Fey Liz Lemon, Single-Frau in New York, Mitte 30, mit ­einer biologischen Uhr „in der Größe von Big Ben“.

Anti-„Sex and the City“.
Liz Lemon wurde von Fey als Anti-„Sex and the City“-Frau konzipiert. Das zeigt nicht zuletzt die Szene, in der sich Liz zwischen einem Mann und einem Sandwich entscheiden soll – es gewinnt das Sandwich. Nebenbei muss sie sich mit ihren spleenigen Komikerkollegen und ihrem unverschämten Chef (Alec Baldwin, wahrscheinlich in der Rolle seines Lebens) herumschlagen. Die Serie mit dem intelligenten, halsbrecherisch schnellen Humor und den Rundumschlägen durch die gesamte US-Kultur erhielt bei den letzten Emmys ganze 22 Nominierungen – mehr hat noch nie eine Comedy-Sendung geschafft. (c) REUTERS (Lucas Jackson / Reuters) Tina Fey: Die lustigste Frau Amerikas

(c) REUTERS (Lucas Jackson / Reuters) Tina Fey: Die lustigste Frau Amerikas



In Amerika ist Fey eine Kultfigur, Speerspitze einer neuen weiblichen Komikergeneration. Vor zwei Jahren wurde sie via Youtube auch dem Rest der Welt ein Begriff. Durch ihre scharfen, treffenden Imitationen der unglücklichen republikanischen Vizepräsidentschaftskandidatin Sarah Palin („Ich kann von meinem Haus aus Russland sehen“). Die sagenhaft erfolgreichen Parodien halfen auch „30 Rock“, dessen schwächelnde Quoten in die Höhe schnalzten.

Damals kehrte Fey zurück zu ihren Wurzeln, zur Sketch-Show „Saturday Night Live“. Jetzt geht sie neue Wege: Mit der Komödie „Date Night“ kommt sie in unsere Kinos. Das Drehbuch hat sie diesmal nicht selbst geschrieben, aber ganz raushalten konnte sie sich auch nicht. Das kann dem Film aber nicht geschadet haben. Apropos Glamour: Im ganzen Film muss die Komikerin im Abendkleid herumlaufen.

In der Planungsphase hatte man den Produzenten von „30 Rock“ noch davon abgeraten, Tina Fey selbst vor die Kamera zu lassen. Heute gilt sie als Sexsymbol für den denkenden Mann oder, wie es ein New Yorker Journalist formuliert hat, „für Männer, die beim Lesen nicht die Lippen mitbewegen müssen“. Ihr oberster Boss, NBC-Chef Jerry Zucker, hat sie „das heißeste, was die amerikanische Kultur derzeit zu bieten hat“ genannt. Frau Fey gefällt das zwar, aber weiblichen Fans, die Autogramme von ihr wollen, sagt die Frau, die sich als Protagonistin einer „Art Spice-Girl-Version von Feminismus“ sieht, weiterhin, sie sollen Autorinnen werden, denn „es gibt schon zu viele Schauspielerinnen auf der Welt“.

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TIPPS
Date Night
ab 16. 4. im Kino, www.datenight-movie.com

30 Rock
2 Staffeln auf DVD erhältlich.

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