Film: Der kalte Kampf um den Platz an der Sonne

23.01.2007 | 00:00 |  VON ALEXANDRA SEITZ (Die Presse)

Will Smith in "Das Streben nach Glück": Amerikanischer Traum oder Aufruf zur Entsolidarisierung?

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Alleinerziehende haben es nicht leicht. Alleinerziehende Väter schon gar nicht. Ein alleinerziehender Schwarzer aber steht im San Francisco der 80er-Jahre vor echten Problemen. Zumal das Geld hinten und vorne nicht reicht und nicht nur das Wohlergehen des Sohnes auf dem Spiel steht, sondern auch die eigenen Hoffnungen. Denn Chris Gardner (Will Smith) will sich nicht zufriedengeben mit seiner Arbeit als Vertreter für medizinische Apparate, er hat Pläne, große Pläne sogar.

Gardner will den sozialen Aufstieg schaffen und ein sorgenfreies Leben führen. Er träumt den amerikanischen Traum und vertraut dem "pursuit of happiness", jenem Streben nach Glück, das von der Unabhängigkeitserklärung der Vereinigten Staaten als eines der elementarsten Rechte seiner Bürger behauptet wird. Nur das Streben, wohlgemerkt, nicht das Glück selbst.

Die fragile Erfolgsgeschichte, die Gabriele Muccino in Das Streben nach Glück erzählt, bezieht ihre Spannung und ihre Dramatik aus eben dieser Differenz. Wüsste man nicht, dass der Film auf den Lebenserinnerungen des inzwischen millionenschweren Börsenmaklers Chris Gardner basiert, mithin also gut ausgehen muss, dann würde außer der Mitwirkung von Gute-Laune-Garant Will Smith einen zunächst nichts zu der Annahme verführen, dass das Streben unseres Helden auch tatsächlich von Erfolg gekrönt sein wird. Zu zahlreich scheinen die Hindernisse, die sich ihm entgegenstellen - von Obdachlosigkeit über Rassismus bis hin zu schlichtem Pech -, zu hoch gesteckt das Ziel. Doch der Mann, der an sich glaubt, wird schließlich obsiegen. Vertrauend auf sein Talent schafft es der ebenso optimistische wie charismatische Gardner vom Tellerwäscher bis zum Millionär.

Doch was will uns diese Mär, wie passt sie in die europäische Gegenwart? Die Kehrseite des amerikanischen Traums ist die Behauptung, dass jeder, der will, den Aufstieg schafft - womit auch gesagt ist, dass jene, die am unteren Ende der sozialen Leiter herumkrebsen, selbst daran schuld sind. Diese Propaganda des selbst für sich sorgenden Einzelkämpfers tönt beunruhigend angesichts des allerorten zunehmenden Abbaus der Sozialsysteme, auch arbeitet sie der allgemein zu beklagenden gesellschaftlichen Entsolidarisierung in die Hände.

Während sich Das Streben nach Glück auf dem US-Markt als positives Rollenmodell für jene schwarzen Männer lesen lässt, die in den Ghettos kriminalisiert werden, wirkt er in Europa eher als negative Utopie: gekleidet ins Gewand eines Unterhaltungsfilms und mit einem endlich wieder seine beträchtlichen Fähigkeiten als Schauspieler unter Beweis stellenden Will Smith - in der Rolle des verführerischen Rattenfängers.

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