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"Knight and Day": Die letzte Kür des Tom Cruise

25.07.2010 | 18:48 |  MARKUS KEUSCHNIGG (Die Presse)

Die Agentengaudi "Knight and Day" kann man durchaus als letzte Kür des großen Selbstdarstellers Tom Cruise sehen. Und als Grabstein für jene Kinokultur, in der Schauspieler wie er groß wurden.

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Dieser Film hätte ein prächtiges Stück ambitionsloser Unterhaltung werden können: ein Nachhall aus jener Kinowelt, in der Großproduktionen ihre Schauwerte auf Teufel komm raus und so vulgär wie möglich ins Bild halten durften, ohne ihre Geschichte mit gesellschaftspolitischen Subtexten anreichern zu müssen. Insofern fühlt man sich in den ersten 30 Minuten von James Mangolds frenetischem Screwball-Thriller Knight and Day vogelfrei; befreit von symbolischen Gewichten, befreit auch vom Transformers-Trauma, als Zuschauer nur ein perfekt kontrolliertes Teilstück in einem weltübergreifenden Marketingschlachtplan zu sein.

Ja, dieser Film hätte das Potenzial gehabt, sein übergestülptes Thema von falschen Identitäten und echten Gefühlen in eine neuzeitliche Charade-Version umzumünzen. Aber im Kinosommer der Enttäuschungen kommt natürlich alles anders: June Havens (auf Autopilot, aber wie immer charmant: Cameron Diaz) trifft am Flughafen den verschmitzten Roy Miller (in Falten gelegter Schauspielerstolz: Tom Cruise), dessen Nachname eigentlich Knight ist und der sie binnen Minuten in ein abstruses Verschwörungskomplott zieht.

 

Achtung, tödliche Endzeitwaffe!

Er bringt sämtliche Flugzeugpassagiere um die Ecke, landet die Maschine im Maisfeld und überzeugt die kreischende Blondine davon, dass er, ein abtrünniger CIA-Agent, eine nicht enden wollende Energiequelle in Batteriegröße vor seinen Schattenmännerkollegen beschützen muss. Die wollen die Supererfindung nämlich an den meistbietenden Waffenhändler verscherbeln, der das potenzielle Welterlösungsgerät in eine tödliche Endzeitwaffe umfunktionieren kann.

Die Geschichte ist wie in jedem guten Agentenactioner als Staffellauf organisiert: Nur die jeweiligen Sequenzen sind in sich stimmig und sinnstiftend, das große Ganze lässt kohärente Logik vermissen. Dieses dramaturgische Gerüst kann gut funktionieren, das beweisen Stanley Donens Charade oder Hitchcocks Der unsichtbare Dritte. Die Wurzeln dieser Erzählungen liegen in der Frühzeit des Kinos, bei den Fortsetzungsgeschichten, den „Serials“: Regisseure wie Louis Feuillade unterhielten die Zuschauer allwöchentlich mit Kapiteln. Archetypische Charaktere, festgezurrt in einer potenziell unendlichen Verfolgungsjagd, während die „guten“ und „bösen“ Seiten öfter wechseln. Die angestaute Spannung wird mittels sensationeller Actionszenen abgebaut: Erlösung durch andauernde Bewegung. Genau die will sich bei Knight and Day nicht einstellen.

Obwohl Diaz und Cruise schmachtend, streitend, zweifelnd, schreiend und schießend vor adretten Hintergründen (z.B. eine Mini-Palmeninsel und die Stadt Salzburg, über die June meint: „So eine Stadt habe ich noch nie gesehen!“) umherwuseln, wirkt die 120 Millionen Dollar teure Produktion, die Jahre in Hollywoods „Projektentwicklungshölle“ festhing, aufgeblasen und seelenlos.

Schade: James Mangold ist kein Autorenfilmer, aber ein solider Hollywood-Handwerker, der üblicherweise genau das liefert, was er verspricht. Sein lauwarmer neuer Film wurde an den US-Kinokassen von Ablegern etablierter Filmreihen wie Toy Story 3 und Twilight:Eclipse versenkt: Für Tom Cruise, dessen letzte Hauptrolle in Valkyrie immerhin schon zwei Jahre zurückliegt, wird Knight and Day wohl ein Schlüsselfilm seiner stagnierenden Karriere werden. Laut Brancheninsidern war Mangolds Agentengaudi ein Testballon für den geplanten nächsten Teil von Mission: Impossible. Wenn Cruise als Darsteller eines anderen Superagenten keine Massen mehr ins Kino locken kann, wird der Held von Mission: Impossible wohl neu besetzt werden. So kann man Knight and Day durchaus als letzte Kür des großen Selbstdarstellers Tom Cruise sehen. Und als Grabstein für jene Kinokultur, in der Schauspieler wie er groß wurden.

SALZBURG-SZENEN IN „KNIGHT AND DAY“

Knapp 20 Minuten von „Knight and Day“ spielen in Salzburg. „Wir sind in Österreich“, sagt ein Zugbegleiter, es gibt „Pfannkuchen, eine Eierspeise und ein Glas Milch“, dann sieht man auch schon das Schild „Salzburg Hauptbahnhof“. (Die Bahnhof-Szenen wurden aber offensichtlich anderswo gedreht.)

Cameron Diaz und Tom Cruise sieht man auf der Terrasse des Hotel Stein – mit Blick auf den Dom und die Festung Hohensalzburg, die aber offensichtlich mittels Filmtrick etwas näher „geholt“ wurden. Weiters im Bild: das Foyer vom „Haus für Mozart“ (zur Hotellobby umgebaut), Max-Reinhardt-Platz, Steingasse, Platzl, Linzergasse, Salzach, Rudolfskai.

300.000 Euro Filmförderung gingen ausSalzburg nach Hollywood; Tourismusreferent Wilfried Haslauer (VP) ist mit dem Ergebnis der Investition zufrieden, vor allem damit, dass die Stadt im Film namentlich genannt wird.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 26.07.2010)

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2 Kommentare
Gast: The Velocity
26.07.2010 00:35
1 0

'Mission: Impossible' ohne Tom Cruise?

Das halte ich für Schwachsinn. 'Knight and Day' ist nicht durch Tom Cruise' durchaus kritisierbaren schauspielerischen Leistungen zu diesem flachen Konglomerat aus Actionfilm und Komödie geworden, sondern vielmehr durch das billige Drehbuch, das gleichsam als vollständige Auflistung aller aus Hollywood bekannten Klischees bietet und damit den Film (abgesehen von den perfekt fotografierten und inszenierten Action-Sequenzen) in Michael Bay-Manier absolut langweilig und vorhersehbar macht.
Den sich anzeichnenden Flop dieses Films Tom Cruise in die Schuhe zu schieben ist daher meiner Meinung nach falsch - denn selbst die besten Schauspieler können das durch ein schlechtes Drehbuch entstehende Loch nicht stopfen.
Für noch absurder halte ich es, wie im Artikel von Keuschnigg beschrieben, 'Knight and Day' als Bewährungsprobe für den vierten Teil von 'Mission: Impossible' zu klassifizieren. Eine Triologie, die um einen Darsteller wie Tom Cruise aufgebaut wurde, sollte man nicht mit einer weiteren Fortsetzung ohne Tom Cruise, der das Herzstück von 'Mission: Impossible' verkörpert.
Wenn also der vierte Teil ein Erfolg werden soll, ist es meiner Meinung nach obligat, die Hauptrolle mit Tom Cruise zu besetzen. Darüber hinaus sollte von kinematographischen Nieten wie John Woo oder J.J. Abrams als Regisseure abgesehen werden, und stattdessen Brian De Palma wieder ins Boot geholt werden, der schon mit 'Scarface' sein Geschick im Bereich der Actionthriller unter Beweis stellte.

Antworten Gast: gast
26.07.2010 06:52
1 0

Re: 'Mission: Impossible' ohne Tom Cruise?

mei lieb... ein Tom Cruise-Fan... oder doch nur ein Propaganda-Schreiber der Scientologen?

egal.

Fakt ist, dass mir noch keine Kritik dieses Filmes untergekommen ist, die ihn besser als "naja" bis "oje" einstuft.

Hollywood hat einfach keine Geschichten mehr.
Ab einem gewissen Alter hat man einfach schon alle Handlungsbausteine aus dem Hollywood-Setzkasten mal gesehen und der US-Einheitsbrei schmeckt einfach nur noch öde... egal wer durchs Bild hampelt.

Was nicht ausschließt, dass es ein schwacher Darsteller nicht noch verschlimmern kann...