Die Welt ist aus dem Gleichgewicht! Einst herrschte Ausgewogenheit zwischen den vier Elementen Feuer, Wasser, Erde, Luft, jedes war mit einer Nation verknüpft. Nun hat das Feuervolk die Macht an sich gerissen: Denn vor 100 Jahren verschwand der Avatar, der für die Erhaltung des Gleichgewichts gesorgt hatte, weil er als Einziger alle vier Elemente "biegen" konnte. "The Last Airbender" heißt der Film im Original, er basiert auf der populären TV-Zeichentrickserie "Avatar – Herr der Elemente". Weil allerdings James Camerons "Avatar" dazwischengekommen ist, brauchte man einen anderen Titel. Auf Deutsch lautet er, für Uneingeweihte nichtssagend, "Die Legende von Aang": Aang ist die Reinkarnation des Avatars, ein kleiner Bub, der Großes zu vollbringen hat. An ihm liegt es, den unterdrückten Völkern im Kampf gegen die Schergen des bösen Feuerlords beizustehen. Das klingt nach einer typischen Fantasy-Franchise: Der Film folgt der ersten Staffel der Serie, noch zwei Teile wären geplant, sind mangels Kassenerfolg fraglich. Auch das ist Hollywood-Alltag.
Verblüffung ausgelöst hat nur, dass nicht irgendein Fließbandhandwerker inszenierte, sondern M. Night Shyamalan, der seit seinem Überraschungshit "The Sixth Sense" zunehmend esoterische, wenn auch persönliche Filme machte. Die letzten waren Flops, durch einen Mainstream-Erfolg würde Shyamalan bei den Studios wohl wieder als bankfähig gelten. In Aang kann er zudem seinen Hang zu Mystizismus und Naivität ausleben, als Bruce-Lee-Bewunderer wird es ihn auch gefreut haben, Kampfszenen zu drehen: Doch erschöpft sich das "Biegen" im Einnehmen von Martial-Arts-Posen, die naturkräftige Wirkung besorgen Spezialeffekte, was entschieden weniger Eindruck schindet. Figuren und Geschichte sind zwar simpel gestrickt, doch ist die Vorlage so gerafft, dass wohl nur Freunde des Originals etwas damit anfangen können – so sie noch wollen.
Denn es leiden Zutaten wie der Humor (den gibt es in Shyamalans Inszenierung stets nur unfreiwillig), während die öfters kitschige, in zwei Dimensionen aber ganz schmucke Fantasywelt von wirtschaftlichen Überlegungen bedroht ist: Das Studio sah sich zu einer 3-D-Nachbearbeitung veranlasst, die so horribel ausfiel, dass die US-Kritiken den Film kurzerhand zum augenschmerzenden Desaster erklärten. Doch das ist ebenso wenig auszumachen wie die "eigene, opernhafte Filmsprache", die Shyamalan mysteriöserweise seinem Opus attestiert. Die Welt ist halt aus dem Gleichgewicht!
("Die Presse", Print-Ausgabe, 24.08.2010)
Im Kino: Die Filmstarts der Woche
Goldene Palme Alle Wettbewerbsfilme: Michael Haneke, Ulrich Seidl und ihre 20 Konkurrenten
Die Filme der Woche ''Men In Black'' in 3D, Liebe, Sex und Terrorismus
Milliarden-Streifen Die 12 erfolgreichsten Filme der Kino-Geschichte
Günther Kaufmann ist tot Ein Leben wie ein Film
Song Contest Die Gegner der Trackshittaz