Die Golden Globes gelten als Vorboten der Oscars - und heuer haben sich gleich zwei Favoriten für den glamourösesten Preis der Filmbranche herauskristallisiert: Der französische Stummfilm "The Artist", der hierzulande am 27. Jänner in die Kinos kommt, räumte drei Preise ab, darunter jenen für die beste Komödie. Die Beteiligten brachten auch den Star des Abends mit: Der Jack-Russell-Terrier Uggie, der in der Schwarzweiß-Liebeskomödie eine wichtige Rolle spielt, erhielt für die Vorführung seiner Kunststücke auf der Bühne wohl den größten Applaus. Die wichtigste Trophäe, jene für das beste Filmdrama, ging aber an "The Descendants - Familie und andere Angelegenheiten". Zudem wurde Hauptdarsteller George Clooney mit dem Golden Globe als bester Schauspieler in einem Drama ausgezeichnet. Er spielt in dem Film, der ebenfalls am 27. Jänner startet, einen gestressten Vater, der sich nach dem schweren Unfall seiner Frau um seine beiden Töchter kümmern muss.
Zur besten Schauspielerin in einem Drama wurde Meryl Streep gekürt. Sie mimt in "Die eiserne Lady" die ehemalige britische Premierministerin Margaret Thatcher. Überraschend: Popstar Madonna gewann einen Golden Globe für den besten Song, "Masterpiece" aus ihrem Film "W.E.". Die Sängerin führte bei der Liebesgeschichte, die von der Kritik verrissen wurde, auch Regie.
Gervais, Moderator mit spitzer Zunge
Aber es ging nicht nur um Preise, auch die Moderation des britischen Comedians Ricky Gervais wurde mit Spannung erwartet. Im vergangenen Jahr sorgte er mit seinen bösen Scherzen für einen Skandal und auch heuer gab er sich alles andere als milde. Die Oscars verglich er mit einer Kate Middleton, die Golden Globes hingegen seien eher eine Kim Kardashian, so Gervais. "Ein bisschen lauter, trashiger, betrunkener."
"Die Hollywood Foreign Press Association (die die Preise vergibt, Anm.) hat mich gewarnt: Wenn ich jemanden beleidige, werden sie mich nächstes Jahr ganz sicher wieder engagieren", sagte der Brite und zückte eine Liste mit Themen und Personen, die er nicht erwähnen dürfe: Zum Beispiel Mel Gibson.
"Wie Justin Bieber ein Mädchen geschwängert haben könnte?"
Lustig machte er sich auch über den Jung-Popstar Justin Bieber, der im vergangenen Jahr eine Vaterschaftsklage erhielt. "Die einzige Möglichkeit, wie Justin Bieber ein Mädchen geschwängert haben könnte, wäre, wenn er eine von Matha Stewarts alten Truthahn-Bratenpipette gekauft hätte", so Gervais.
Einstecken musste auch Helen Mirren: Die Komödie "Brautalarm - Bridesmaids" habe bewiesen, dass Frauen sich genauso schlecht Benehmen wie Männer, so Gervais. "Sie trinken, furzen, haben wilden Sex und entleeren sich auf der Straße in einen Gully. Die Darsteller haben offenbar eine Woche mit Dame Helen Mirren verbracht - da lernt man sowas", meinte der Comedian.
Colin Firth wurde ebenfalls nicht verschont: Der Oscar-Preisträger 2011 sei jemand, der kleine Kätzchen treten würde, meinte Gervais. Im Publikum waren einige steinere Mienen auszumachen, doch die meisten Stars blieben vom Humor des Briten, der sich heuer etwas milder gab, verschont.
A-Liga Männer unter sich
Besonders spannend war die Verleihung des Preises für den besten Darsteller in einem Drama: Clooney konnte die Juroren mit seiner Verkörperung des gestressten Vaters mehr überzeugen als Leonardo DiCaprio ("J.Edgar"), Ryan Gosling ("The Ides of March - Tage des Verrats"), Brad Pitt ("Moneyball - Die Kunst zu gewinnen") und Michael Fassbender ("Shame").
"The Descendants" von Regisseur Alexander Payne setzte sich gegen das Rassismus-Drama "The Help", Martin Scorseses 3D-Kinderfilm "Hugo Cabret", George Clooneys Regiearbeit "The Ides of March - Tage des Verrats", den Sportfilm "Moneyball" und Steven Spielbergs "War Horse - Gefährten" durch.
Meryl Streep: 26. Nominierung, achte Trophäe
Bei dem Globe für die beste Hauptdarstellerin setzte sich eine Etablierte durch, die bereits zum 26. Mal nominiert worden war: Streep holte sich ihre Trophäe mit ihrer Rolle als Thatcher, die zunehmend an Altersdemenz leidet, in "Die eiserne Lady" ("The Iron Lady"). Siebenmal hat die 62-Jährige zuvor bereits gewonnen, zuletzt 2010 für die Komödie "Julie & Julia". Streep war in der Drama-Sparte gegen Glenn Close ("Albert Nobbs"), Viola Davis ("The Help"), Tilda Swinton ("We Need to Talk About Kevin") und Rooney Mara ("Verblendung - The Girl with the Dragon Tattoo") angetreten.
"The Artist" des Franzosen Michel Hazanavicius wurde insgesamt mit drei Golden Globes ausgezeichnet. Der Film hatte die meisten Nominierungen (sechs) erhalten. In der Kategorie beste Komödie übertrumpfte er Woody Allens "Midnight in Paris", "50/50", "Bridesmaids - Brautalarm" und "My Week With Marilyn". Außerdem wurde Jean Dujardin als bester Komödiendarsteller ausgezeichnet und Ludovic Bource holte sich die Trophäe für die beste Filmmusik.
Weltkugeln für Marilyn und Scorsese
Als beste Komödien-Darstellerin setzte sich Michelle Williams durch: Die 31-Jährige erhielt für ihre Darstellung der Marilyn Monroe in "My Week With Marilyn" den Golden Globe.
Hollywood-Veteran Martin Scorsese wurde bei der Verleihung zum besten Regisseur gekürt. Er gewann die Trophäe für "Hugo Cabret". Das Fantasy-Märchen dreht sich um einen Waisenknaben im Paris der 1930er Jahre. Es ist auch eine Hommage an die Anfänge des Films um den Trickfilmpionier Georges Melies. Für das beste Drehbuch wurde Woody Allen für "Midnight in Paris" geehrt.
"Auslands-Preis" geht an Iranischen Film
Der Film "Nader und Simin - Eine Trennung" des iranischen Regisseurs Asghar Farhadi gewann den Golden Globe in der Sparte "Fremdsprachiger Film". Der Film war im vorigen Jahr der Berlinale-Gewinner. Angelina Jolie ging mit ihrem Regiedebüt "In the Land of Blood and Honey", einer Geschichte von Liebe und Gewalt in einem Internierungslager zur Zeit des Bosnien-Krieges (1992-95) leer aus. Ebenfalls nominiert waren der Thriller "Die Haut, in der ich wohne" von dem spanischen Regisseur Pedro Almodovar und Filme aus China und Belgien.
Die Afroamerikanerin Octavia Spencer wurde mit dem Golden Globe als beste Nebendarstellerin ausgezeichnet. Schauspieler Christopher Plummer hat den Golden Globe für seine Nebenrolle in der Tragikomödie "Beginners" gewonnen. Darin spielt der 82-Jährige einen Mann, der sich kurz nach dem Tod seiner Frau zu seiner Homosexualität bekennt.
Ehrenpreis für Morgan Freeman
Morgan Freeman wurde bei der Gala für sein Lebenswerk und seine Verdienste um die Filmkunst gewürdigt. Hollywoods Auslandspresse verlieh ihm den Cecil B. DeMille Ehrenpreis. Der 74-jährige Afroamerikaner wurde von seinen Kollegen Sidney Poitier und Helen Mirren mit Lobesworten überhäuft. Doch er winkte nur ab. "Schauspielen ist nun mal die Passion meines Lebens", sagte er bescheiden. Außerdem habe er das Glück gehabt, immer Menschen darstellen zu dürfen, die er bewundert.
Freeman hat in mehr als 50 Filmen mitgespielt. Eine Gangsterrolle in "Glitzernder Asphalt" (1987) brachte ihm die erste von fünf Oscar-Nominierungen ein. In dem Film "Miss Daisy und ihr Chauffeur" glänzte er 1989 als geduldiger Fahrer einer schrulligen Südstaaten-Dame und erhielt dafür auch einen Golden Globe. Weitere Oscar-Nominierungen gab es für "Die Verurteilten" und seinen Auftritt als Nelson Mandela in "Invictus". Er gewann die Trophäe als bester Nebendarsteller in der Rolle eines ausgemusterten Preisboxers in Clint Eastwoods "Million Dollar Baby" (2004). Im nächsten Batman-Film "The Dark Knight Rises" spielt Freeman zum dritten Mal den Technik-Experten Lucius Fox. Zu den früheren Gewinnern der Lebenswerk-Auszeichnung zählen Warren Beatty, Michael Douglas, Harrison Ford, Barbra Streisand, Sean Connery und Martin Scorsese. Im vergangenen Jahr wurde Robert De Niro diese Ehre zuteil.
(Ag./Red.)
Golden Globes: Ein Hund, George und eine Vielfach-Siegerin
Golden Globes: Die Tops und Flops am roten Teppich









Cannes 2013Die 20 Filme im Wettbewerb
Filmstarts der WocheDiamantenhandel mit Hader, Autorennen mit Vin Diesel 
''The Great Gatsby''Vom Scheitern eines Spektakels
Inge Morath''Menschen'' in der Galerie Leica
Ballett im BerghainKlassischer Tanz erobert den besten Club Berlins