Lang hat es gebraucht, bis es publik wurde, doch mehr als 34 Jahre nach Sir Charles Chaplins' Tod wurden die Recherchen des britischen Geheimdienstes veröffentlicht: Der 1889 in England geborene Filmstar, der in Hollywood gefeiert, später von der US-Regierung gebrandmarkt wurde, schien zwar radikal gewesen zu sein, aber kein Kommunist. Zu diesem Ergebnis kam der MI5 1958. Bereits 1952 hatte FBI-Chef John Edgar Hoover die britischen Kollegen um Amtshilfe gebeten. Die USA wollten nicht nur wissen, ob Chaplin ein Genosse war und an die KP in den USA gespendet hatte, sondern auch, ob er überhaupt im Süden Londons geboren worden war oder nicht doch als russischer Jude namens Israel Thornstein in Paris. 1953 wurde ihm die Rückkehr in die Staaten verweigert, als es unter Anstiftung von Senator Joseph McCarthy eine Hexenjagd auf Linke gab.
FBI: Mehrere tausend Seiten Akten
Seit den Zwanzigerjahren, Chaplin war längst einer der größten Stummfilmstars, stand er in den USA unter Beobachtung, seine Akte umfasste schließlich tausende Seiten. Trockener Kommentar der Geheimdienstler in London: Die Qualität der FBI-Berichte beeindrucke sie nicht. London ließ sich nicht instrumentalisieren. Es gebe keinen Beleg für die Gefährlichkeit des Künstlers, auch von seiner Herkunft aus London könne man ausgehen, selbst wenn es keine Geburtsurkunde gebe. Charles war der Sohn von Charles S. und Hannah H. Chaplin, Music-Hall-Künstlern, die sich bald nach Geburt des Sohnes trennten. Eine neuere Theorie besagt, dass er bei Birmingham im Wohnwagen einer Tante zur Welt kam. 1910 wanderte Chaplin in die USA aus und machte Karriere, erst als Slapstick-Tramp mit Bärtchen und Bambusstock, später mit Kinoklassikern wie „Modern Times“ und „The Great Dictator“.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 22.02.2012)
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