"The Avengers": Comic-Freaks, auf die Leinwand!

„Marvel's The Avengers“ hat alles, was eine Comicverfilmung braucht: Superhelden in Starbesetzung, die die Welt vor einer außerirdischen Bedrohung retten sollen, clevere Dialoge und Anspielungen auf das Original.

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Thor und Captain America in ''The Avengers'' – (c) Disney (Zade Rosenthal)

„Avengers, Assemble!“ (Rächer, versammelt euch!). So lautet seit jeher der Schlachtruf der sechs Superhelden, die seit fast 50 Jahren gegen irdisches und extraterrestrisches Übel kämpfen. Nun versammeln sich Thor, Captain America, Iron Man, Black Widow, Hulk und Hawkeye in der Comicverfilmung „Marvel's The Avengers“, um die Welt vor einer außerirdischen Bedrohung zu retten.

The Avengers: Vorhang auf für das Superhelden-Ensemble



Seit 1963 gibt es die Comicbücher über das Team, in den vergangenen Jahren bekamen Iron Man, Thor, Hulk und Captain America ihre eigenen Filme. „Marvel's The Avengers“ ist die sechste Produktion des „Marvel Cinematic Universe“, Regie führte Joss Whedon („Buffy“, „Firefly“), ein deklarierter Fan der Comics. In diesen sind die Avengers aber alles andere als ein fixes Team, ihre Besetzung wechselte stets, eine Melange aus Menschen und Robotern, Mutanten und Aliens, Göttern und ehemaligen Bösewichten. In der Originalversion von 1963 sind nur Iron Man, Hulk und Thor vertreten, Captain America wird erst in der vierten Ausgabe aus dem arktischen Eis geborgen und reanimiert.

Und die beiden ursprünglich bösen Neohelden Black Widow alias Natalia Romanoff (in hautenger Kampfmontur: Scarlett Johansson) und Pfeil-und-Bogen-Sniper Hawkeye (Jeremy Renner) kommen erst Jahre später dazu. So ist der Film eine Mischung aus den Comics der vergangenen Jahrzehnte: Der schwarze Nick Fury (Samuel L. Jackson) wechselt die Hautfarbe erst im „Ultimate Universe“ (ab 2000), einer modernen Parallelwelt, in der die Avengers abgelöst von ihren verschachtelten Hintergrundstorys aus der Originalversion agieren.

Ein paar unsaubere Superhelden

Im Gegensatz zu den anderen Marvel-Superheldenteams, X-Men und Fantastic Four, wurden die Mitglieder der Avengers zunächst als selbstständige Superhelden bekannt. Vielleicht formieren sie sich deshalb auch nur ungern zu einem Kollektiv. Nachdem Thors psychisch labiler Adoptivbruder Loki auf die Erde kommt, um die Menschen zu unterwerfen, brauchen Nick Fury und sein Verteidigungsbüro S.H.I.E.L.D. den halben Film, um die Avengers zu überreden, diesmal doch zusammenzuarbeiten.

Denn es handelt sich nicht um saubere Superhelden, sondern um Freaks, um instabile Charaktere, die alle ihre eigenen Probleme mitbringen. So machen dem eher faden Captain America (breitschultrig: Chris Evans) die Veränderungen der modernen Welt zu schaffen (er lag seit dem Zweiten Weltkrieg auf Eis), er hat sich zurückgezogen, wirkt depressiv und drischt auf Sandsäcke ein. Der nachdenkliche Wissenschaftler Bruce Banner (der bis dato beste Hulk: Mark Ruffalo) kämpft mit seinem wütenden Alter Ego: Völlig erschöpft versuchte er einmal, sich eine Kugel in den Kopf zu jagen, „aber der andere hat sie einfach ausgespuckt“. Und der sarkastische Tony Stark alias Iron Man (großartig: Robert Downey jr.) vergrämt die anderen durch seine ausufernde Eitelkeit. Auf Captain Americas Frage, was Iron Man denn ohne seinen metallenen Kampfanzug wäre, antwortet dieser lapidar: „Nur ein genialer Multimilliardär, Playboy und Philanthrop.“ Unter der Rüstung trägt er ein T-Shirt von Black Sabbath: Die englische Heavy-Metal-Band brachte 1970 ein Lied über Iron Man heraus.

Während Robert Downey jr. als Star des Films bezeichnet werden kann, bleibt Captain America der brave Superheld, der schon in den US-Propaganda-Comics aus den 1940ern gegen Nationalsozialisten und Saboteure kämpfte. Darauf verweist er während einer Kampfszene mit dem ruchlosen Loki in Stuttgart: Man wisse ja, wie die Sache das letzte Mal ausgegangen sei.

Am Ende des Films wird die Brücke zu einer Fortsetzung gelegt. Auf die Frage, woher er wisse, dass die Avengers bei drohender Gefahr zurückkämen, antwortet Nick Fury: „Weil wir sie brauchen.“ Der zweite Teil soll laut Whedon allerdings „kleiner“ sein: „Persönlicher, schmerzhafter“. Vielleicht dauert es dann auch nicht mehr so lange, die Avengers zu versammeln.

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