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„The Rum Diary“: Johnny Depp säuft für den Freund

05.08.2012 | 16:23 |  Von Christoph Huber (Die Presse)

Das Frühwerk des legendären Gonzo-Autors Hunter S. Thompson ist dank seines Kumpels und Hollywoodstars Johnny Depp im Kino. Trotz Alkoholexzessen: Ein milder Trip. „Rum Diary“ leidet an einem Zwiespalt.

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Niemand kann Johnny Depp vorwerfen, dass er sich nicht für Hunter S. Thompson stark machen würde: Hollywoodstar Depp lernte den Begründer des radikal subjektiven Gonzo-Journalismus kennen, als er sich 1997 auf die Verfilmung von dessen berühmtesten Buch „Fear and Loathing in Las Vegas“ vorbereitete. Um die Manierismen des irren Schreibers zu studieren, zog Depp für ein paar Monate im Keller von dessen „Owl Farm“ ein. Angeblich bauten sie gemeinsam schon in der ersten Nacht sturzbesoffen eine Bombe und zündeten sie gleich auf Thompsons Grundstück.

Nach dem Suizid des Schriftstellers 2005 finanzierte Depp nicht nur eine Dokumentation über ihn, sondern auch die Spezialkanone, mit der Thompsons Asche wunschgemäß in alle Winde verteilt wurde. (Depp feuerte den Schuss höchstpersönlich ab.) Dank Depp erschien auch 1998 Thompsons Roman „The Rum Diary“, ein lange liegen gebliebenes Frühwerk über seine Zeit als Reporter in Puerto Rico Anfang der 1960er.

Die gleichnamige Verfilmung des Briten Bruce Robinson ist nun auch vor allem ein Herzensanliegen von Depp: umso irritierender ist das erstaunlich wenig motivierte Auftreten des Stars. In der ersten Szene erwacht er im demolierten Hotelzimmer aus der Benommenheit nach schwerem Minibarmissbrauch. Den weiteren Weg beschreitet er mit Understatement. Kein Wort, das man für Depps heftig halluzinierenden Hawaiihemdträger Raoul Duke (das berühmteste von Thompsons vielen Alter Egos) in „Fear and Loathing“ benutzen würde: Aber auf dieser umnachteten Reise durch die falsche Glitzerwelt von Las Vegas und den echten Ruin des amerikanischen Traums war Depp trotzdem der „Normale“ – sein Widerpart war Benicio del Toro in einer unvergesslichen Tour de Force als vollends verrückter samoanischer Anwalt namens Dr. Gonzo.

Der Regisseur wurde rückfällig

In „Rum Diary“ fehlt nicht nur der Gegenpol, der ganze Film leidet an einem Zwiespalt. „Fear and Loathing“ floppte, wurde aber zum Kultfilm: Thompsons Exzess-Prosa fand im überkandidelten Barock der Inszenierung von Ex-Monty-Python Terry Gilliam die ideale Entsprechung. Regisseur-Autor Robinson respektiert jetzt dagegen zwar meist die Tatsache, dass „Rum Diary“ noch ein milder Thompson-Trip ist, aber dann wird doch immer wieder mit Gonzo-Einlagen der Geist des Vorgängerfilms beschworen. Mit Alkohol hat der Filmemacher auch Erfahrung: 1987 drehte er „Withnail & I“, eine autobiografische Komödie über zwei degenerierte Bohemiens, die durch die Ruinen von Swinging London taumeln. In England bleibt der Film ein Klassiker für diverse Trinkspiel-Vergnügungen. Robinson hat erzählt, dass er nach sechs Jahren Abstinenz rückfällig werden musste, um das Drehbuch für „The Rum Diary“ schreiben zu können.

Als Philip Kemp (noch ein Thompson-Pseudonym) wird Depp darin Zeuge der Pläne hässlicher Amerikaner, das Inselparadies profitabel umzuwidmen, während er mit Zeitungskollegen durch die Bars zieht. Darunter Giovanni Ribisi als gestörter Drogenfreund (auch in „Ted“ spielt er eben den Irren), was zu einer Halluzination führt, die weniger organischer Teil des Films scheint, sondern wie Restmaterial aus „Fear and Loathing“ wirkt. Dabei plätschert „Rum Diary“ nicht unsympathisch dahin, fast wie ein Nachzügler des engagierten „New Hollywood“ der 70er: Kemp wettert gegen Vizepräsident Nixon im TV, lässt sich von einem eleganten Kapitalisten zu Lohnknechtschaften verführen und verschaut sich in dessen junge Freundin (Amber Heard). Höhepunkt ist eine Rauschnacht, in der sie die Besucher eines Tanzschuppens zur Weißglut treibt.

Leider schleppt sich „Rum Diary“ dann noch ein Drittel weiter, um Kemp aufgesetzte journalistische Erleuchtung zu schenken – und ein Happy End, das nicht nur angesichts von Thompsons weiterem Lebensverlauf der absurdeste Coup des Films bleibt.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 06.08.2012)

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7 Kommentare
Gast: Michael aus Dortmund
11.08.2012 01:34
1 0

Noch einmal:

Entschuldigung, aber jetzt, da ich mir den Film im Kino angesehen habe, muss ich noch mehr bemängeln. Sie schreiben:
"In der ersten Szene erwacht er im demolierten Hotelzimmer aus der Benommenheit nach schwerem Minibarmissbrauch." Was für eine Falschaussage! Denn der Witz der ersten Szene soll ja gerade darin liegen, dass Kemp wohl versucht hat, die Minibar mit Gewalt aufzubrechen, und ihn der Zimmerservice darauf aufmerksam macht, dass der Schlüssel für die Bar am Zimmerschlüssel hängt, mit dem Kemp sich das unberührte Innere der Bar sodann erschließt.
Zugegebenermaßen ist das nicht besonders witzig und der Film auch ansonsten nicht sehenswert, ihn sich aber offensichtlich gar nicht wirklich angeguckt zu haben und dann diese Kritik hier zu verfassen, mit solch schludrigen Fehlern, das finde ich peinlich und das ist es mir wert, hier weitere fünf Minuten Zeit für einen Kommentar aufzubringen.
Ich bin der Meinung, dass auch ein schlechter Film keine noch schlechtere Kritik verdient.

Gast: Michael aus Dortmund
07.08.2012 10:58
0 0

Richtig recherchiert?

Woher stammen die Informationen, dass Depp das Erscheinen des Romans alleine bewirkt hat oder dass er im Keller gewohnt hat (sind sie sich sicher, dass die Owl Farm überhaupt einen hat?). Und heißt der Protagonist in der Fassung, die sie gesehen haben, tatsächlich Philip, oder ist der Name ebenfalls Folge mangelnder Aufmerksamkeit ihrerseits, als sie sich den Film ansahen?

Dieses ewige Nacherzählen irgendwelcher Anekdoten, die vor ihnen schon hundert andere Journalisten bei anderen Journalisten abgeschrieben haben, hat wohl denkbar wenig mit dem Film zu tun, den sie besprechen sollten. Genau das ist nämlich jene Legendenbildung, die den Blick auf den Journalisten Thompson verstellt. Vielleicht sollten sie diesen einmal lesen statt dann noch einen ausgiebigen Vergleich mit dem Film Fear and Loathing einzuführen. Warum nicht gleich noch "Where the Buffalo Roam"? Ich denke mal, weil sie diesen gar nicht kennen.
Immerhin kann man ihnen zugute halten, dass sie den Film überhaupt bemerkt haben. Das ist ja immerhin etwas.

The Rum Diary

"Höhepunkt ist eine Rauschnacht, in der sie die Besucher eines Tanzschuppens zur Weißglut treibt."

"die Besucher", Herr Huber?

Wohl eher Sanderson denn die restlichen Besucher des Tanzschuppens waren eher in Extase ob ihrer Tanzvorstellung, haben Sie den Film nicht gesehen?

Kann den Film nur weiterempfehlen,sehr amüsant und natürlich sehr gut gespielt von Herrn Depp.
Amber Heard ist wahrlich eine Augenweide, könnte schon ein Grund sein warum sich Depp von seiner Frau getrennt hat, zur Zeit in Trennung lebt.

Achja, ohne die deutsche Fassung zu kennen, wie bei allen Filmen gilt, OV schauen.

Gast: Pirat der Karbik?
05.08.2012 19:27
2 0

warum gibts den film erst jetzt

Die Content Industrie braucht sich bei solchen aktionen wirklich nicht mehr beklagen

ich habe mir den Film vor über einem halbem Jahr in Blue Ray qualität heruntergeladen

es kann ja nicht am synchronisieren gelegen sein

Re: warum gibts den film erst jetzt

Hoffentlich in Blu-Ray-Qualität.

Antworten Antworten Gast: zetto
06.08.2012 13:30
1 0

Re: Re: warum gibts den film erst jetzt

Siehe da, da liegt der Pfefferstreuer falsch.
Blu-Ray als vereinfachendes Branding ist korrekt, die Qualität des Films ist aber immer noch Blue-Ray - abgeleitet vom blauen Laser.

Die Welt ist halt ein bisserl zu komplex geworden, um sie um Volksschullehrertisch überblicken zu können.
Aber macht nichts, in der basalen deutschen Rechtschreibung haben sie passable Grundkenntnisse, auf denen man aufbauen kann.

Antworten Antworten Antworten Gast: erestor
06.08.2012 15:34
0 0

Re: Re: Re: warum gibts den film erst jetzt

Ach, Sie nehmen ihm das sicher nicht übel immerhin kennt man den Pfefferstreuer ja als kleinen Oberlehrerwauwau.