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Trashkino: „Saturday Night Fever“ wird zum Horror

15.10.2012 | 18:15 |  CHRISTOPH HUBER UND ISABELLA WALLNÖFER (Die Presse)

Die vier Selbstdarsteller aus der ATV-Reality-Serie „Saturday Night Fever“ sind mit einer schräg-billigen Partyhorrorkomödie im Kino gelandet. Mit zwei jungen Frauen aus der Serie produziert ATV einen Ableger.

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„Bummzua, bummzua“, singen MSPE in der Disco, und das Publikum rastet vorschriftsgemäß aus: MSPE steht für Molti, Spotzl, Pichla und Eigi, die vier Selbstdarsteller der ATV-Quotenserie „Saturday Night Fever“, wo Dauerparty zwischen Vollrausch und (fortschreitend lallendem) Anbraten Programm ist. Den Erfolg will man jetzt ins Kino holen, der Billigfilm zur Billigdokusoap nennt sich „Friday Night Horror“ und annonciert sich als „erste österreichische Partyhorrorkomödie“. Der Pressebetreuer präzisiert: „Außerdem der erste Film seit ,91/2 Wochen II', der sich selber nicht ernst nimmt.“ So bummzua kann zwar eh keiner sein, dass er das in kürzester Zeit runtergekurbelte Resultat ernst nehmen würde: Trashkino zum Trashfernsehen ist offenbar die Devise von Regisseurin und Autorin Barbara Gräftner („Echte Wiener 2“).

Da malt sich der Sowieso-Fascho-Streifenpolizist zum Einsatz schnell einen Hitlerbart auf und probt entsprechendes Auftreten, ein Serienmörder täuscht vor, an den Rollstuhl gefesselt zu sein, und eine Polizistin hängt sich an ihre „Geilomat“-Gasflasche, um sich vor den Jungs („Fickbären“) aufzuführen wie „Ilsa, She Wolf of the SS“ aus dem berüchtigten Exploitationfilm. Dabei verfolgt schon ein Bus von wild gewordenen, dauergeilen Friseusen aus dem Lehrlingsheim die MSPE-Boygroup, während deren Manager (Simon Schwarz) sie ins Vorprogramm von Hansi Hinterseer stecken will. Außer, das Tourettesyndrom packt ihn grad wieder: Die Schimpforgien von Profischauspieler Schwarz kommen dabei noch unglaubwürdiger rüber als das fernsehgestählte Laienquartett (insbesondere Pichla hätte Potenzial).

 

Die SNF-Mädels gehen auf Männerfang

Dabei wird sogar deren Wie-der-Schnabel-gewachsen-ist-Schmäh ruiniert, weil sie Drehbuchvorgaben sprechen müssen. Die schlimmste Idee eines Films, der absichtlich schlecht sein will, aber halt ironisch, was sogar den Trash-Gedanken schändet. Horror gibt es hier jedenfalls nur als Horror vacui, den soll vielleicht die (hoffentlich?) vom Publikum mitgebrachte Partystimmung füllen: am besten schon vorher „Bummzua, Oida!“

Das hilft vielleicht auch, wenn man Tara und Moni beim Angeln eines (mindestens) Multimillionärs zuschaut. Auch die zwei jungen Frauen sind der ATV-Reality-Soap „Saturday Night Fever“ entsprungen – und bekommen nun vom Sender ihre eigene TV-Show. In der versuchen sie zwar nicht absichtlich, Horror zu verbreiten, es gelingt ihnen aber, Gänsehaut zu erzeugen: Sie gehen in „St. Tropez, Oida“ auf Männerfang – die Kombination aus umfassender Ahnungslosigkeit und unverhohlener Geldgier, die die zwei SNF-Gören da zur Schau stellen, ist so atemberaubend, dass sich einem vor lauter Fremdschämen die Nackenhaare aufstellen. Den beiden dabei zuzuschauen, wie sie auf High Heels durch eine Welt staksen, der sie nicht einmal mit Stelzen gewachsen wären, geht über das, was man unfreiwillige Komik nennt, sehr weit hinaus.

Schon die Anreise nach St. Tropez, wohin sie angeblich eine „Freundin“ eingeladen hat, die im Immobiliengeschäft reich geworden ist, stellt die zwei jungen Frauen vor ein Problem: Man will nach St. Tropez und hat einen Flug nach „N-e-i-s“ oder so – was den Quick-Check-In so in die Länge zieht, dass Moni feststellt, so einen langen „Quickie“ hätte sie auch gern hin und wieder.

Später will sich Tara auf den schneidigen Luxus-Cabrios am Hafen räkeln. Nackt, wenn möglich, weil „i bin grad kommen, glaub i“, so schön findet sie die Autos. Nicht nötig zu erwähnen, dass die beiden keine Peinlichkeit auslassen – davon lebt das Format. Und davon leben auch Tara und Moni, die schon so in ihre Rollen als TV-Größen hineingewachsen sind, dass sie gar nicht begreifen können, warum der Türsteher im pipifeinen Nightclub in Monaco sie auch dann nicht reinlassen will, wenn sie mit der vermeintlichen Zauberformel „I am Tara – from Austria“ ankommen. Die Saturday-Night-Fever-Berühmtheit hat eben ihre Grenzen.
„Friday Night Horror“ ab 18.10. im Kino; „St. Tropez, Oida“ ab morgen, ATV, 20.15 Uhr

("Die Presse", Print-Ausgabe, 16.10.2012)

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13 Kommentare
Gast: gothgirlchantal
16.10.2012 21:23
1 0

Die Peinlichkeit geht noch weiter -....................

Ohh gott und ich dachte es würde mal schluss sein mit dem ganzen ATV Mist und da wundert sich noch wer das die Jugend nur mehr saufen und Cash im Schädel hat !!!

Das is nur noch peinlich das gehört echt bestrafr das grenzt echt schon an Körperverletzung muss ich sagen!!

Nein ganz ehrlich ich schäme mich für unser land wenn ich so einen mist sehe und dann nur denke na toll dümmer geht echt doch noch immer!


Niveauverlust

Ich finde, dass solche Sender immer mehr an Niveau verlieren. Und dann wurden sich Menschen, dass Jugendliche nicht mehr richtig lesen, schreiben und rechnen koennen, da sie solche, entschuldigung fuer den Ausdruck, niveaulose Unterschichtensendungen ansehen. Wer schaut sich denn so einen Kinofilm an?? Doch eher nur die, "die wos so an Spruach draufhabn und die am Abend saufn gehen" (Vermutung; keine Feststellung!!) Ich stehe solchen Sendungen negativ gegenueber und bin Befuerworter Sender, wie ORF 2 und ORF eins. (Obwohl ORf eins meiner Meinung nach, sich immer mehr an ATV und dergleichen anpasst. Bsp.: Helden von morgen,...) -> sind manche Menschen, die kein Talent haben (angm.) wirklich so naiv, dass sie denken, sie haetten eine Chance. Diesen Menschen fehlt es ja an Verstand. Ich bin jetzt ein bisschen vom eigentlichen Kommentar zum Artikel abgekommen, aber ich wollte einfach mal meine Meinung dazu äußern.

eine schande

ich finde es schade das dieser sender auch die übertragungsrechte der auswertsspiele der öst. nationalmannschaft hat, die bildqualität die dieser sender am freitag geliefert hat erinnern mich an meine kindheit als der orf eins noch fs1 hieß und um 0:00 uhr das programm einstellte!
solche primitiven "quotenserien" laufen zum glück nur auf privatsendern ala pro7/sat1/atv/kabel1/usw. dagegen ist der orf eine echte alternative in der öst. fernsehwelt, obwohl er wiederholungen von wiederholungen zeigt. diese serien sind wenigstens in guter bildqualität und nicht hinterweltlich!!!

Gast: Gastfax
16.10.2012 12:53
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Und wieder..

..ein wertvoller Beitrag der österreichischen Filmindustrie.
Das schlimme ist: das schaut sich tatsächlich freiwillig wer an!
(so schnell kann man offenbar gar nicht weiterzappen).

Gast: gggggg
16.10.2012 10:37
3 0

Wenn man bedenkt, dass die österr. Medien über den ´österr. Film´ generell mehr als wohlwollend berichten

muss es sich hier um einen weiteren schlimmen Tiefpunkt heimischen Filmschaffens handeln, um kaum mehr zu unterbietbaren Schund. DAS ist das sog. österr. ´Filmwunder´! Daran ändern die Jubelmeldungen über Seidl/Haneke gar nichts, denn auch deren ´Kunstwerke´ werden vom Publikum weitgehend gemieden. ´Liebe´ hat bisher knapp über 30000 Zuseher. Das ist vernichtend, vor allem wenn man die PR um Haneke, diesen künstlichen Hype, diesen ´Preisregen´ bedenkt. Allerdings liegt ´Liebe´ - relativ - noch ´gut´, denn viele der österr. Machwerke haben überhaupt nur ein paar tausend Zuseher, etliche weniger als 1000, manche sogar nur ein paar hundert!!! Und dieser unbeschreibliche Mist wird vom Steuergeld ahnungsloser Bürger finanziert – u. die Zahlen zeigen, dass es sich hier NICHT UM KUNSTFÖRDERUNG SONDERN UM SOZIALHILFE FÜR UNBEGABTE FILMMACHER/INNEN HANDELT, die noch dazu ein Österreichbild (und Menschenbild!) negativster Art liefern. Als Steuerzahler finde ich es schlicht eine ungeheuerliche Frechheit, dass ich diesen Mist mitfinanzieren u. mir auch noch von diesen sog. Künstlern auf den Kopf sch…. lassen muss. Einer aus der Szene, ich glaube es war ein gewisser Glawogger, meinte: Das Grauen überkommt ihn nicht , wenn er seine Filme anschaut (bzw. das, worüber er Filme mach), sondern wenn er ein Einfamilienhaus am Stadtrand sieht (!!!)

Wie lange will die Politik da noch zusehen?

Gast: Fernsehsenderwerdensterben
16.10.2012 09:15
5 0

Eine Gegenüberstellung:

Servus-TV als "Spielwiese" vom Mateschitz bringt gutes Programm (tlw. besser als der ORF - pers. Meinung) und Specials wie den Baumgartner-Sprung - ATV lässt Landeier (ich darf das sagen, ich bin auch eins) Peinlichkeiten durchexerzieren.

So kann man einen Sender auch runterwirtschaften - da braucht gar keine Hilfe vom Internet.
Zum Abschluss sag ich leise "Servus"...

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Re: Eine Gegenüberstellung:

ServusTV ist wirklich um Welten besser als ORF und ATV zusammen!!

Gast: Speiber
16.10.2012 09:00
3 0

Und dann wundern sich einige über das Wahlverhalten der Jugend^^


ATV

hat den Gipfel des schlechten Geschmacks erreicht. Schlimma gehts nimma!

ich muss gestehen, ich fand die erste Staffel ganz gut.

aber seit dem ich weiß, dass alles nach Skript ist, finde ich es peinlich.

"Spotzl"

Tiefer geht's nimmer.

Da hat sich ATV wieder einmal selbst übertroffen

Ich dachte schon, "Frauen aus dem Osten" ist schon an Peinlichkeit nicht zu überbieten-man lernt eben nie aus!
ATV ist leider kein Argument für die Qualität von Privatsendern.

Die beste und wirklich hintergründigste Sendung von ATV ist noch immer "Pfusch am Bau"-scheint aber ein Ausrutscher zu sein.


Antworten Gast: facepalm
16.10.2012 09:12
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Unglaublich

"Die beste und wirklich hintergründigste Sendung".... je nachdem, in welche Zielgruppe man fällt.