„Bummzua, bummzua“, singen MSPE in der Disco, und das Publikum rastet vorschriftsgemäß aus: MSPE steht für Molti, Spotzl, Pichla und Eigi, die vier Selbstdarsteller der ATV-Quotenserie „Saturday Night Fever“, wo Dauerparty zwischen Vollrausch und (fortschreitend lallendem) Anbraten Programm ist. Den Erfolg will man jetzt ins Kino holen, der Billigfilm zur Billigdokusoap nennt sich „Friday Night Horror“ und annonciert sich als „erste österreichische Partyhorrorkomödie“. Der Pressebetreuer präzisiert: „Außerdem der erste Film seit ,91/2 Wochen II', der sich selber nicht ernst nimmt.“ So bummzua kann zwar eh keiner sein, dass er das in kürzester Zeit runtergekurbelte Resultat ernst nehmen würde: Trashkino zum Trashfernsehen ist offenbar die Devise von Regisseurin und Autorin Barbara Gräftner („Echte Wiener 2“).
Da malt sich der Sowieso-Fascho-Streifenpolizist zum Einsatz schnell einen Hitlerbart auf und probt entsprechendes Auftreten, ein Serienmörder täuscht vor, an den Rollstuhl gefesselt zu sein, und eine Polizistin hängt sich an ihre „Geilomat“-Gasflasche, um sich vor den Jungs („Fickbären“) aufzuführen wie „Ilsa, She Wolf of the SS“ aus dem berüchtigten Exploitationfilm. Dabei verfolgt schon ein Bus von wild gewordenen, dauergeilen Friseusen aus dem Lehrlingsheim die MSPE-Boygroup, während deren Manager (Simon Schwarz) sie ins Vorprogramm von Hansi Hinterseer stecken will. Außer, das Tourettesyndrom packt ihn grad wieder: Die Schimpforgien von Profischauspieler Schwarz kommen dabei noch unglaubwürdiger rüber als das fernsehgestählte Laienquartett (insbesondere Pichla hätte Potenzial).
Die SNF-Mädels gehen auf Männerfang
Dabei wird sogar deren Wie-der-Schnabel-gewachsen-ist-Schmäh ruiniert, weil sie Drehbuchvorgaben sprechen müssen. Die schlimmste Idee eines Films, der absichtlich schlecht sein will, aber halt ironisch, was sogar den Trash-Gedanken schändet. Horror gibt es hier jedenfalls nur als Horror vacui, den soll vielleicht die (hoffentlich?) vom Publikum mitgebrachte Partystimmung füllen: am besten schon vorher „Bummzua, Oida!“
Das hilft vielleicht auch, wenn man Tara und Moni beim Angeln eines (mindestens) Multimillionärs zuschaut. Auch die zwei jungen Frauen sind der ATV-Reality-Soap „Saturday Night Fever“ entsprungen – und bekommen nun vom Sender ihre eigene TV-Show. In der versuchen sie zwar nicht absichtlich, Horror zu verbreiten, es gelingt ihnen aber, Gänsehaut zu erzeugen: Sie gehen in „St. Tropez, Oida“ auf Männerfang – die Kombination aus umfassender Ahnungslosigkeit und unverhohlener Geldgier, die die zwei SNF-Gören da zur Schau stellen, ist so atemberaubend, dass sich einem vor lauter Fremdschämen die Nackenhaare aufstellen. Den beiden dabei zuzuschauen, wie sie auf High Heels durch eine Welt staksen, der sie nicht einmal mit Stelzen gewachsen wären, geht über das, was man unfreiwillige Komik nennt, sehr weit hinaus.
Schon die Anreise nach St. Tropez, wohin sie angeblich eine „Freundin“ eingeladen hat, die im Immobiliengeschäft reich geworden ist, stellt die zwei jungen Frauen vor ein Problem: Man will nach St. Tropez und hat einen Flug nach „N-e-i-s“ oder so – was den Quick-Check-In so in die Länge zieht, dass Moni feststellt, so einen langen „Quickie“ hätte sie auch gern hin und wieder.
Später will sich Tara auf den schneidigen Luxus-Cabrios am Hafen räkeln. Nackt, wenn möglich, weil „i bin grad kommen, glaub i“, so schön findet sie die Autos. Nicht nötig zu erwähnen, dass die beiden keine Peinlichkeit auslassen – davon lebt das Format. Und davon leben auch Tara und Moni, die schon so in ihre Rollen als TV-Größen hineingewachsen sind, dass sie gar nicht begreifen können, warum der Türsteher im pipifeinen Nightclub in Monaco sie auch dann nicht reinlassen will, wenn sie mit der vermeintlichen Zauberformel „I am Tara – from Austria“ ankommen. Die Saturday-Night-Fever-Berühmtheit hat eben ihre Grenzen.
„Friday Night Horror“ ab 18.10. im Kino; „St. Tropez, Oida“ ab morgen, ATV, 20.15 Uhr
("Die Presse", Print-Ausgabe, 16.10.2012)
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