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Johanna Wokalek wird das Unglück mit Liebe vertreiben

01.02.2013 | 18:25 |  NORBERT MAYER (Die Presse)

Sherry Hormann hat den ironischen Ratgeber „Anleitung zum Unglücklichsein“ von Paul Watzlawick verfilmt. Eine leichte Komödie mit Charakterköpfen.

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Mit seinem Bestseller „Anleitung zum Unglücklichsein“ traf der philosophische Psychotherapeut Paul Watzlawick den Zeitgeist der Achtzigerjahre. Pointiert leistet er mit paradoxen Anekdoten Lebenshilfe. Das 30 Jahre alte Buch hat Sherry Hormann nun mit prominenter deutscher Besetzung verfilmt. Bei ihr streift ein Berliner Hausbesitzer durch die Handlung, der ebenfalls Paul heißt (Michael Gwisdek). Aus dem Off hört man serienweise Altkluges zur Krisenbewältigung, aber an den Witz und die Ironie des Originals kommt die aseptisch nette, adrette Komödie nicht heran.

„Anleitung zum Unglücklichsein oder wie die Liebe Tiffany trotzdem fand“ lebt vom Charme der Hauptdarstellerin Johanna Wokalek als herzig neurotischer Bistro-Besitzerin, vom Sex-Appeal Iris Berbens und von einigen Charakterköpfen, aber tiefere Bedeutung oder überraschende Wendungen sollte man von diesem Kammerspiel nicht erwarten. Tiffany hat eine reiche Auswahl an Prinzen, und vielleicht geht sich auch ein kleines bisschen Glück mit dem wahrscheinlich richtigen aus, aber wer weiß das schon auf lange Sicht? Nichts sei schwerer zu ertragen als eine Reihe von schönen Tagen, paraphrasiert Watzlawick klassischen Goethe.

Tiffany Blechschmid wird von Neurosen geplagt. Sie faltet nach dem Erwachen um halb vier Uhr früh sorgfältig die Decke, achtet peinlich genau darauf, nicht mit dem linken Fuß aufzustehen. Sie grüßt ihren Vogel, schon eilt sie weg, um auf den Markt zu fahren, damit nur das Beste in ihrem Geschäft auf den Tisch kommt...

 

Die tote Mutter kommt aus dem Spiegel

Immer die gleiche Routine für diese Frau. Sie ist etwas ungeschickt und malt im Gegensatz zu ihren liebenswürdigen Mitarbeitern gern schwarz. Das wäre weiter nicht schlimm. Aber zu den seelischen Verrenkungen gehört, dass aus dem Spiegel immer wieder ihre vor drei Jahren verstorbene Mutter auftaucht, sogar, wenn die Tochter gerade Sex mit einer neuen Bekanntschaft haben will. Berben spielt diese fatale Domina, wegen deren Affären wahrscheinlich die Ehe in Brüche ging, berückend.

Die Tochter leidet, obwohl ihr fast alle helfen wollen – der ehemalige Klavierlehrer, die Köchin, die lustige Kellnerin, auch ein entrückter Rom von der Straße lächelt sie an. Dann und wann schmachtet ein potenzieller Verehrer Tiffany an. Erst müssen die Herren deren schlechte Laune überwinden. Frank (Benjamin Sadler) und Thomas (Itay Tiran) entwickeln dabei konträre Methoden der Annäherung. Endlich schalten die Ampeln, die für Tiffany prinzipiell immer im letzten Moment auf Rot sprangen, zwischenmenschlich auf befreiendes Grün. Sogar mit dem Vater kann sich diese geheilte Pechmarie schließlich versöhnen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 02.02.2013)

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