„Iron Man 3“: Unverschämtes Comic-Comeback

26.04.2013 | 18:26 |  CHRISTOPH HUBER (Die Presse)

Ein Autorenfilm wider die neue Ernsthaftigkeit im Superheldenkino: In Regiekumpanen Shane Black findet Star Robert Downey jr. das ideale Pendant. Ab 1.Mai.

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Die Trailer zu „Iron Man 3“ verhießen Düsternis in der Manier von Chris Nolans „Batman“-Filmen: Sollte wieder ein Superheld von der schon etwas anstrengenden neuen Ernsthaftigkeit bei Hollywoods Comic-Blockbustern überwältigt werden? Der Eisenmann hat ja eine ähnliche Genesis wie der Fledermausmann: Vom frühen Tod der Eltern traumatisiert wurde Waffenhändler-Multimillionär Tony Stark im „Iron Man“-Anzug zum Superhelden.

Aber dank der (kon-)genialen Besetzung durch Robert Downey jr. hatte diese Filmreihe einen angenehm aufsässigen Ton: Seine perlende Ironie sorgte verlässlich für Erheiterung, auch wenn die Figur von Stark zwischen amoralischer Prägung und Rettungsmissionen-Bekehrung dunkel schillerte. „Wir erschaffen alle unsere eigenen Dämonen“, verkündet Stark nun finster in der Einleitung zum dritten Teil – und kämpft darin mit dem Trauma seiner Nahtoderfahrung in dem seit dem zweiten „Iron Man“ erschienenen Kassenknüller „The Avengers“, der Stark 2012 mit den anderen (Film-)Superhelden der Marvel-Comicwelt zusammenführte.

 

Gepfefferte Dialoge, ansehnliche Action

Die Musik bei der Eröffnungsrückblende schlägt aber einen anderen Ton an: Eine Begegnung zu Silvester 1999 liefert die Hintergründe für die Konfrontationen, die Stark in „Iron Man 3“ überstehen muss, dazu dudelt unbekümmert der damalige Eurodance-Hit „Blue (Da Ba Dee)“ von Eiffel 65. Der süffisante Unterton ist unverwechselbar: ein Retrogag, typisch für Shane Black, der nach zwei bedächtigeren „Iron Man“-Filmen von 2008 und 2010 Jon Favreau im Regiestuhl ablöst (Favreau begnügt sich mit einer Gastrolle als Starks übereifriger Leibwächter).

Tatsächlich ist „Iron Man 3“ ein Autorenfilm: Berühmt wurde Black als zentraler Drehbuchschreiber in Hollywoods Actionwelle der 1980er/90er, für „Lethal Weapon“ mit Mel Gibson oder Tony Scotts Schandmaul-Meisterwerk „Last Boy Scout“ mit Bruce Willis. Blacks Spezialität waren mit Insiderwitzen gepfefferte Schlagabtauschdialoge und ironische Kommentare, die Standardsituationen parodierten und bald als „Shane Blackisms“ bekannt waren. Nach einer Krisenpause kam 2005 mit der Krimikomödie „Kiss Kiss Bang Bang“ Blacks Regiedebüt: Auch für Downey jr. ein Comeback nach Drogenproblemen. Nun hat sich der Star quasi revanchiert: Als Regisseur und Ko-Autor darf Shane Black der Comic-Franchise seinen Stempel aufdrücken.

Drei aufwendige und ansehnliche Actionkonfrontationen erfüllen den Blockbuster-Auftrag, aber der Reiz dieses dritten Teils liegt anderswo: in forscheren Dialogen und einem gleichermaßen unbekümmerten wie liebevollen Zugang zum Comic-Universum, der perfekt zu Downeys aalglatter Entschlossenheit in der Interpretation passt.

 

Famos: Ben Kingsley als Pseudo-Bin-Laden

So lässt sich Black erst Zeit für Charaktermotivation und charakteristische Popkulturseitenhiebe (etwa zu „Downton Abbey“). Dann holt er Stark lange aus dem Superheldenkostüm, nachdem sich dessen Identitätskrise erst in obsessiver Arbeit an seinen Eisenanzügen niederschlägt, zum Unmut seiner Flamme Pepper Potts (Gwyneth Paltrow, trotz kleiner Rolle etwas mehr als nur weiblicher Aufputz). Schließlich gerät Stark ins Visier eines die Medien lahmlegenden Terroristen mit starkem Bin-Laden-Anklang: Der Mandarin, ein Erzfeind aus den „Iron Man“-Comics, wird von Ben Kingsley hier radikal uminterpretiert, samt einer famosen Wendung, mit der er den Film förmlich an sich reißt. Überhaupt setzt Black auf einige Überraschungen, die nicht immer logisch sind, aber für enorme Lebhaftigkeit sorgen.

Wie auch Blacks generell unverschämter Zugang: Selbst Starks klischeehafte Allianz mit einem kleinen Buben findet ihr Herzstück in bemerkenswert zynischen Wortwechseln, am interessantesten sind aber politische Seitenhiebe, bei denen sich übermütiger Ton und böse Subversion aufschaukeln. Don Cheadle wird als Mitkämpfer kurzerhand zum „Iron Patriot“ in US-Nationalfarben umgerüstet („bessere Umfrageergebnisse“), das pièce de résistance ist ein bitterböser Umgang mit Terrorismus und den Gegenmaßnahmen als Imagepropaganda der Angst und einer Art Performancekunst. Wie Hollywood-Großproduktionen auch: eine Ironie, der sich Black als postmoderner Entertainer automatisch bewusst ist. Jedenfalls: ein eminent unterhaltsamer Film.

„Ich bin ein ziemlich kaputter Typ“: Lesen Sie Robert Downey jr. im Interview in der „Presse am Sonntag“.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 27.04.2013)

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