Percy Jackson: Dumme Sprüche und schmucke Monster

"Percy Jackson: Im Bann des Zyklopen", der zweite Teil der Saga rund um einen griechischen Halbgott, zieht alle Register des zeitgenössischen Spektakelkinos – und ist dabei unangenehm hysterisch.

Percy Jackson Dumme Sprueche
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Percy Jackson Dumme Sprueche
Percy Jackson Dumme Sprueche – (c) Centfox

Im vergangenen Jahrzehnt musste der Olymp ordentlich was aushalten. Der Fortschritt der digitalen Trickserei führte vor allem in Hollywood zu einer popkulturellen Renaissance der Götterwelt und ihrer Kreaturen. Aber auf den blattgoldenen Rauschzustand folgte schon bald Ernüchterung: Denn ein zeternder Zeus oder eine herrschsüchtige Hera wirken im neuen Jahrtausend auch nicht weniger schaubudenhaft als sie das früher getan haben.

Die pompöse und schlecht konvertierte 3-D-Monsterorgie „Kampf der Titanen“ (2010) sorgte zwar für einen kleinen Wow-Effekt hinsichtlich der gigantischen Kreaturen. Die durch den irrlichternd strahlenden New-Age-Olymp stolpernden Götter wurden vom Publikum aber zu Recht als Ornament verlacht.

„Percy Jackson: Diebe im Olymp“ (2010) wählte eine interessante Strategie, um dieses Götterabbild-Dilemma zu lösen: Hauptfigur im reißbrettartigen Familienabenteuer, basierend auf der gleichnamigen Jugendromanreihe von Rick Riordan, ist ein Heranwachsender (siehe: Harry Potter), der herausfindet, dass er der Spross von Poseidon und einer Sterblichen ist.

Bastard sagen die einen, Halbgott die anderen. Jedenfalls aber gewährt ihm seine besondere Familiensituation Einlass in das Camp Half-Blood, das, wie der Name schon sagt, ausschließlich Halbgöttern offensteht. Dort sollen die Jugendlichen lernen, mit ihren außergewöhnlichen Kräften umzugehen, also sie zum Wohl der Menschen- und Halbgötterwelt einzusetzen.

 

Beinahe das Ende der Welt

Selbstredend halten sich nicht alle daran: Der Sohn von Götterbote Hermes, der schon im ersten „Percy Jackson“-Abenteuer Unfrieden gestiftet hat, ist in „Percy Jackson: Im Bann des Zyklopen“ drauf und dran, den Titanen Kronos zu erwecken, was das Ende der Welt zur Folge hätte. Es geht also naturgemäß um alles, wenn Percy (Logan Lerman) und seine Freunde, darunter sein jüngst erst in Erscheinung getretener, einäugiger Halbbruder Tyson, durch das Meer der Ungeheuer segeln und versuchen, das Goldene Vlies als Erste zu finden: Nur damit lässt sich Kronos neues Leben einhauchen – oder selbiges verhindern.

Der deutschstämmige Regisseur Thor Freudenthal zieht sämtliche Register des zeitgenössischen Spektakelkinos, aber leider tut er das in der völlig falschen Reihenfolge. Anstatt eine dramatische Kurve zu beschreiben, die konstant ansteigt, bleibt „Percy Jackson“ von Anfang bis Ende unangenehm hysterisch. Ein schmuck designtes Monster folgt auf das nächste, und digital berechnete Umgebungen werden so schnell durchs Zuschauerhirn geschleppt, dass davon im besten Fall eine diffuse Atmosphäre übrig bleibt.

Als wäre das nicht genug, dümpelt der sanft selbstironische Humor auf Pennälerniveau dahin: dumme Sprüche, in den leblosen Raum geraunzt, bringen jede Form von Empathie zum Absterben. Vielleicht muss man diesen „Percy Jackson“-Schmonzes aber auch anders herum lesen, verkehrt herum. Wenn man im Finale auf der Seite des zugegebenermaßen durchaus beeindruckenden Kronos steht, den glühenden Titanen anfeuert und schließlich zusehen muss, wie er von einem blassen Pack von Halbgöttern zerlegt wird, sitzt der Schock tief. Dann trauert man darum, dass die Welt von Percy Jackson nicht untergegangen ist. Fast wie in einer antiken Tragödie.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 16.08.2013)

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