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„Ice Age 3“: Dreidimensionaler Dschungel der Qualen

28.06.2009 | 18:25 |  MARKUS KEUSCHNIGG (Die Presse)

„Ice Age 3 – Dawn of the Dinosaurs“ kann höchstens durch seine 3-D-Effekte überzeugen. Die Pixelanimation ist in der Alltäglichkeit und damit in der bloßen Pflichterfüllung angekommen.

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Das Kino kehrt zu seinen Wurzeln zurück. Immer wieder. Wenn man sich Anfang des 20.Jahrhunderts im Wiener Prater mit seiner nicht nur in Europa einzigartigen Kinoszene von einem „Ausrufer“ in eines der Etablissements – etwa das Kino Kern – locken ließ, dann sah man kurze Berichte, Stummfilme, „lebende Bilder“ eben. Eine Sensation für die Sinne: exotisch, aufregend, unvergesslich. Direkt nebenan zeigten sich „die bärtige Frau“ und „der kleinste Mensch der Welt“. Gegen Bezahlung versteht sich.

Die heutige Kinoindustrie, längst nicht mehr nur Kuriositätenkabinett, sondern auch Kulturpfeiler und Wirtschaftsmacht, spekuliert und kalkuliert wieder zunehmend – und verzweifelt – mit diesem Erlebnisgedanken: Eine singuläre Erfahrung will Hollywood den Zusehern bieten, etwa mit dreidimensionalen Spektakeln – und damit nicht zuletzt dem Digitaldiebstahl von Filmen Einhalt gebieten.

 

Neue Imax-Säle in Wien und Graz

Dafür sind Investments notwendig, vor allem seitens der Kinobetreiber: Vor wenigen Tagen erst haben in Österreich zwei mit gewaltigen Leinwänden ausgestattete Imax-Säle (eines in Wien, eines in Graz) den Betrieb aufgenommen. Und auch die Multiplexe des Landes, jahrelang gebeutelt vom Besucherschwund, sind auf die neuen Attraktionen eingestellt, haben dafür Umbauten vornehmen lassen: Denn nur dort, wo der Film nicht mehr von der Zelluloidrolle, sondern als Bytestrom auf die Leinwand projiziert wird, kann man von Spielereien wie 3-D-Effekten, die sich heutzutage nicht mehr auf dem Filmstreifen befinden, sondern hineingerechnet werden, profitieren. Doch all diese Oberflächenpolituren machen Filme wie „Ice Age 3: Die Dinosaurier sind los!“ nicht besser. Im jüngsten Teil der Eiszeitkomödienreihe fallen einem die Regentropfen zwar auf den Schoß, zischen Lavafontänen links und rechts von einem in Richtung Plafond: Die erzählte Geschichte lässt ähnliche Tiefenschärfen allerdings vermissen.

 

Nervtötend: Otto Waalkes

Just nachdem sich die glubschäugigen Urzeitviecher von der großen Schmelze (zu sehen in Teil zwei) erholt haben, rollt die nächste Katastrophe auf das Land des ewigen Schnees zu: Mammut Manni und seine Gattin erwarten Nachwuchs, Säbelzahntiger Diego will sich von der familienfreundlichen Sippe absetzen und sich als Abenteurer versuchen, und das patscherte Erdmännchen Sid (in der deutschen Synchronisation gewohnt nervtötend gesprochen von Otto Waalkes) adoptiert drei Eier. Aus denen schlüpfen kleine Dinosaurier, die eine zornige Echsenmama anlocken, die wiederum ihre Bälger mitsamt Sid in eine Eisgrotte verschleppt. „Wir sind eine Herde, eine Familie!“. sagen die anderen und machen sich auf zu einer Rettungsaktion.

 

Alltag der Animation

Anfang der Neunzigerjahre gab es ein kurzes Zeitfenster, in dem man meinen konnte, dass der digitale Animationsfilm zur Avantgarde des Erzählkinos zu zählen ist. Angefixt von der revolutionären Technologie, arbeiteten Hunderte von Computerkünstlern an Farben, Formen und Texturen, reizten die digitale Ausdrucksfreiheit bis zum Anschlag aus. Mittlerweile ist die Pixelanimation – bis auf Ausreißer wie „Wall-E“ – in der Alltäglichkeit und damit in der bloßen Pflichterfüllung angekommen: Die einzige Innovation, die „Ice Age 3“ bietet, ist der 3-D-Effekt.

Tatsächlich: Wenn die Figuren auf dem Rücken eines Flugsauriers über einen Lavafall gleiten, links und rechts die Geröllbrocken herunterstürzen, dann bewegt man sich im Sitz mit, dann kommt so etwas wie kindliche Freude auf. Für den Rest der Zeit stapft die in den Vorfilmen etablierte Figurenkonstellation aus gutmütigen Mammuts, hyperaktiven Wieseln, kräftigen Säbelzahntigern und dummen Erdmännchen durch urzeitliche Landschaften, macht kuriose Bekanntschaften, klopft schmerzlich unlustige und schlecht eingedeutschte Sprüche (z.B. „Der, der bläht, als Hinterster geht“) und ist großen Gefahren ausgesetzt: „Ice Age 3“ hat keinen kräftigen dramaturgischen Bogen mehr wie etwa die Konkurrenzanimationen aus dem Pixar-Stall („Toy Story“), hangelt sich nur von Situation zu Situation. Die Rettungsaktion kommt vom „Dschungel der Qualen“ zur „Schlucht des Todes“ (auch „große müffelnde Spalte“ genannt), der (erwachsene) Zuseher reist gen Langeweile und findet Ablenkung bei den eingestreuten Abenteuern des Eichhörnchens „Scrat“, des Maskottchens der „Ice Age“-Filme. Dessen Kämpfe um die geliebte Eichel, bei der es diesmal Konkurrenz von einem attraktiven Flughörnchen mit wippenden Wimpern bekommt, sind hochgradig filmisch, modelliert nach dem Vorbild von Chuck Jones' „Looney Tunes“-Kurzfilmen, in denen ein Kojote immer wieder vergeblich versucht, einen Strauß zu fangen.

Abgesehen von diesen anarchischen Einsprengseln, versumpft „Ice Age 3“ in Mittelmäßigkeit: radikal entradikalisiert, befreit von allen möglichen Amokläufen gegen die Doktrin der Familienfreundlichkeit, serviert Hollywood einen Baukastenfilm mit 3-D-Zuckerguss. Den Kindern wird's gefallen, einigen Eltern ebenso: Alle anderen weinen um den Zustand des Animationskinos, gehen in den Prater und gedenken der alten Zeiten, als die Bilder zwischen Schaubuden, Karussells und Zaubershows laufen lernten.

3-D-ANIMATIONEN

„Ice Age 3“ ist nur das jüngste Beispiel für die 3-D-Welle, die vor allem die Animationsfilmproduktion erfasst hat: vom Disney-Familienfilm „Oben“ (Start: 17.9.) hin zur Märchengroteske „Coraline“ (Start: 31.7.) reicht die Palette. Aktuell wird jede in Produktion befindliche Digitalanimation dreidimensional aufbereitet, was vor allem für kleinere Kinobetreiber ein Problem darstellt: Um die digitalen 3-D-Filme zeigen zu können, muss in neue Geräte investiert werden. In Österreich ist die 3-D-Version von „Ice Age 3“ deshalb ausschließlich in Multiplexen zu sehen. Alle anderen Kinos zeigen den Film in 2-D. Und auf Zelluloid.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 29.06.2009)

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12 Kommentare
Gast: otto8
05.03.2010 07:23
0 0

Kommentator hat keine Ahnung!

Habe den Film mit meinen und anderen Kindern gesehen und das Urteil ist eindeutig: Teil 3 ist der beste der drei Filme!

Gast: Michel
21.07.2009 16:40
0 0

Toller Film

Also ich verstehe diese negativkritik nicht so ganz. Ich fande das den besten Ice Age Film der jetzigen Trilogie. ( und ich bin 20 jahre alt, jaa auch erwachsene amüsieren sich )
diese kritik liest sich so, als müsste man zwanghaft nach was neagtivem suchen. Ich jedenfalls kann dem Film nur jeden empfehlen. Er ist durchweg sehr lustig und voller Sidegags. Wer lachen will, schaut sich ice age 3 an !

mfG

0 0

ICE Age 3

Warum gibt es hierzu eine Filmkritik?

Gast: highline
07.07.2009 14:55
0 0

Absolut korrekt!

Habe den Film gestern im Kino gesehen. - Dem Urteil des Autors ist nichts mehr hinzuzufügen, der Streifen kommt leider nicht an das Niveau der ersten beiden Teile heran. - Da würden selbst korrekte Tierbezeichnungen nicht unterstützend wirken.

Gast: Gast
29.06.2009 18:33
0 0

Erdmännchen????

Sehr geehrter Herr Keuschnigg!
Ich heiße Stella König, bin acht Jahre alt und habe Ihren Artikel über Ice Age 3 gelesen. Ich habe Ice Age 1 und 2 geguckt und habe bemerkt, dass Sid kein Erdmännchen, sondern ein Faultier ist. Und man merkt, dass die "hyperaktiven Wiesel" eigentlich keine Wiesel sind, sondern Beutelratten. Und Scrat ist kein "Säbelzahneichhörnchen" sondern ein Rattenhörnchen. Das sagt schon der Name, der aus Squirrel und Rat gebildet ist.
Ich wünsche Ihnen noch einen schönen Tag!
Mit freundlichen Grüßen
Stella König aus Scharnitz in Tirol

Gast: Gast
29.06.2009 09:29
0 0

Was soll der schwachsinnige Artikel?

Ich schließe mich den meisten Postern hier an, der Autor scheint sich kurz vor dem Verfassen "mit magischen Kraut" vollgestopft zu haben, genau so bevor er sich den Film angeschaut hat, wenn überhaupt! So einen Murx auf Standard-Niveau im krampfhaften "Kritikerdeutsch" mit eingestreutem Populär-Hintergrundwissen habe ich selten gelesen!

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Re: Sie haben recht, der Artikel ist schwachsinnig?

Während die üblichen deutschsprachigen Filmschaffenden nur mehr Kitschfilme, Realities oder Avantgarde-Mist produzieren hat es dieser Animationsfilm es auf 3 Episoden gebracht.

0 1

Teil 1 und Teil 2 haben mir gefallen

und ich denke, mit dem dritten Teil wird es sich auch so verhalten. Ich gebe zu, ein kindliches Gemüt zu haben, aber ich stelle fest, es gibt Schlimmeres...

Gast: Gast
28.06.2009 23:31
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Merkwürdig

Eigenartiger Weiße sind fast alle Filme die die Presse negativ bewertet bei anderen Kritiken und auch beim Publikum sehr beliebt und gut beurteilt...

Gast: Gast
28.06.2009 21:34
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Hä?

Was hat der Autor dieses Artikels bitte genommen?

Gast: mc
28.06.2009 21:09
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ice age is geil

leider wird heutzutage in vielen fällen viel schreiben mit viel wissen und viel recht haben verwechselt.
erweitere deinen horizont und werde wieder zu dem kind das du mal warst.

die alternative wäre eine doku auf arte

ein hoch auf die technik !
ein hoch auf das kind im manne !
und ein hoch auf alles was spass macht !


Gast: Holly Wut
28.06.2009 19:44
0 0

Geschichten vom Herrn K

Es ist wie immer, wenn "Die Presse" Herrn K. über Film schwafeln lässt: Auf der einen Seite steht das Publikum, und auf der anderen Seite steht der Herr Keuschnigg. Wetten, dass "Ice Age 3" abheben wird wie eine Rakete? Und dass der Film auch vielen "Presse"-Lesern gefällt?