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Neu im Kino: Im Himmelbett mit Brüno

07.07.2009 | 18:19 |  MARKUS KEUSCHNIGG (Die Presse)

Sacha Baron Cohen als Klagenfurter Modejournalist "Brüno": Ein Provokationsparcours als Sittenkomödie vom Schwachsinn im Medienzeitalter. Ab Freitag im Kino.

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Der Skandal wird diesmal ausbleiben: Hatte Borat (2006) mit seiner unorthodoxen Mischkulanz aus Dokumentarästhetik und vulgärer (Selbst-)Inszenierung sorglose, weil unvorbereitete Unterhaltungssuchende verstört, so präsentiert sich Brüno jetzt – im übertragenen Sinn – auf einem rosaroten Himmelbett. Denn die Aufmerksamkeitsmaschine zum Kinoeinsatz von Sasha Baron Cohens schwuler Kunstfigur (wie schon sein kasachischer Reporter Borat eigentlich für die Fernsehsendung „Da Ali G Show“ kreiert) läuft seit Monaten auf Hochtouren. Sie verunmöglicht demnach – obwohl der „Inhalt“ des Films bis zuletzt, unter anderem mit Embargos für Journalisten, geheim gehalten wurde – jenen Überraschungseffekt, den Borat genießen und ausnutzen konnte.

Brüno landete zur TV-Preisverleihung im Engelskostüm auf Rapper Eminem, strippte bei US-Talkmaster Conan O'Brien und versorgte über das Kommunikationsnetzwerk Twitter knapp 30.000 Leser täglich mit mehreren Kommuniqués. Am 8.Mai schrieb er: „Heute ist St.-Adolf-Tag in Österreich! Jeder hebt ein Glas auf den österreichischen Traum: Finde einen Job, such dir einen Keller und gründe eine Familie darin!“ Was nach gesichtslosem Marketing oder einer gut abgehangenen Provokation aussieht, hat bei Cohen allerdings (inhaltliche) Substanz: Er setzt in der Eigen- und Firmenwerbung jene Strategie fort, die er in Film und Fernsehen kultiviert und letztlich salonfähig gemacht hat: nämlich das Ineinanderverschränken von Wirklichkeit und Fiktion.

 

Tausch in Nairobi: Kind gegen iPod

Cohens Auftritte docken an die verschobenen Reality-Kategorien der Medienlandschaft an, mit seinen Provokationen und Überschreitungen infiltriert er – durchaus brachial und hinterfotzig – das Königreich der Selbstinszenierungen. Sein (nie öffentlich gemachtes) Ziel ist dabei hoch moralisch und, wenn man so will, edel: Die angewandten Schocktaktiken sollen und müssen den Zusehern die Gemachtheit jedweder medialen Information und Unterhaltung vor Augen führen.

Brüno ist subversiver Mainstream und dabei noch ausgesprochen komisch. Der schwule Modejournalist und Fernsehmoderator (der Sendung „Funkyzeit mit Brüno“) aus Klagenfurt(!) will jedenfalls „der größte österreichische Superstar seit Hitler“ werden und dafür sämtliche Massenkommunikationskanäle nutzen: Er bittet eine Terrorgruppe um eine Entführung samt Videobotschaft an alle großen Nachrichtensender, tauscht in Nairobi einen iPod gegen ein farbiges Kind und landet schließlich in der Hauptstadt des (vergänglichen) Ruhms: Los Angeles. Was folgt, ist ein gewitzter Provokationsparcours durch die in den USA massig vorhandenen Strukturen zur Selbststilisierung: Brünos „Agent“ Lutz verschafft ihm etwa prominente Interviewgäste wie Paula Abdul, die auf „Mexican Chair People“ (zu Wohnzimmermöbeln umfunktionierten mexikanischen Arbeitern) sitzen und über ihr gemeinnütziges Engagement schwadronieren. Cohen ist dabei oft, aber nicht immer am Punkt, führt an simplen Beispielen die Heucheleien der ausgebügelten Glitzerwelt vor.

 

Kunstfiguren, die nicht erkannt werden

Brüno begibt sich aber auch auf glattes (und gefährliches) Terrain, diskutiert mit Pastor über Heilung von Homosexuellen, schreibt sich in die Armee ein oder geht mit echten Kerls auf die Jagd. Cohens überzeichnete Kunstfiguren – ob Borat oder Brüno – können bestehen, weil sie nicht mehr als solche erkannt, sondern als real akzeptiert werden: Nicht umsonst zeigt sich der britische Komiker (und begnadete Schauspieler) selten bis nie unverkleidet in der Öffentlichkeit.

Aber es braucht diese Trugbilder wie Brüno, um das noch viel größere Trugbild bloßzustellen: Cohen begibt sich auf Augenhöhe mit dem System, das er kritisiert, krempelt es von innen heraus um. Seine Filme halten der westlichen Gegenwartsgesellschaft – ganz altmodisch – den Spiegel vor. Und wie bei jeder Sittenkomödie kommt es letztlich gar nicht so sehr auf den Inhalt, sondern auf die Reaktionen der Zuseher an: Man lacht, man schaudert, man ist entsetzt. Und dabei geht es längst nicht mehr um Brüno.

Zu Figur und Person

„Brüno“ ist der zweite Spielfilm um das britische Comedy-Chamäleon Sacha Baron Cohen nach dem Welterfolg seiner Komödie „Borat“ (2006). Brüno, der schwule Modejournalist des angeblichen „Österreichischen Jugendrundfunks“, ist wie der Kasache Borat eine Kunstfigur, die Cohen erst für seinen TV-Erfolg „Da Ali G Show“ (2000–2004) kreierte.

Sacha Baron Cohen (*1971, London) hat mit einer provokanten Methode Aufsehen als Komiker erregt: Mit unkorrektem Verhalten und gespielter Ahnungslosigkeit treibt er seine Gegenüber zur Selbstentlarvung.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 08.07.2009)

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11 Kommentare
Gast: Bertolucci
09.07.2009 19:06
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Einfältig

Die Kommödie eines lächerlichen ... Mannes ist unzutreffend...Frau auch falsch...Subjet treffend.
Der Schwachsinn scheint Methode zu haben, mit hilfe der Medien wird dieser Beitrag zur Volksverblödung die Kassen klingeln lassen.

0 0

Sacha Baron Cohen hat in einem Punkt Unrecht!!!

Es gibt in Österreich sehr wenig Brünos aber sehr viele H.it.lers!!!

Antworten Gast: schau genau
08.07.2009 22:34
0 0

Re: Sacha Baron Cohen hat in einem Punkt Unrecht!!!

waaas?
das geht durch die zensur und mein posting nicht?
„Teufelselbst1“ ist wohl die zensur!

na dann eben nicht

Gast: gast
08.07.2009 01:57
1 0

Auch eine positive reaktion?

Also ich freue mich schon auf den Film!

Gast: Emantsag
07.07.2009 23:32
1 0

Genial !!!

Ein Spiegel namens Brüno, für die Fratze unserer schönen, neuen Medienwelt!

Die österreichische Seele wird es wohl überleben, nach dem üblichen Suhlen im Selbstmitleid und dann ein wenig zum Lachen in den Keller gehen >: - >

Traurig

wenn ihm als Marketing zum Film und Österreich nichts besseres als Hitler und Kindesmissbrauch einfällt.
Ich für meinen Teil werde den Film boykottieren!

Antworten TheAlien
08.07.2009 12:29
0 0

Re: Traurig

Traurig sind aus Alienperspektive vor allem jene Leute, die über alles lachen können, nur nicht sich selber!

Antworten Gast: Brunzo
08.07.2009 09:30
0 0

Re: Traurig

Sehen Sie! Genau wegen solcher Leute wie Ihnen macht Cohen diese Filme! Danke, dass Sie die Notwendigkeit dafür aufzeigen.

Antworten Gast: sturm
08.07.2009 01:04
0 0

Re: Traurig

Den einen kleinen Vorteil hat Österreich dann doch: Kein Amerikaner kennt es (zB ist für den Großteil der Amerikaner klar, dass Fritzl ein Australier ist und Hitler Deutscher war) und wenn mich nicht alles täuscht sind die Amis ja die Hauptzielgruppe.

Ich glaube, dass bei Borat die Nationalität nur von so großer Bedeutung war, weil er primär einen Ausländer darstellt.

Ich befürchte daher in diese Richtung keinerlei Image-Schaden und glaube auch nicht, dass solche Marketing-Methoden irgendetwas erreichen und werd mir den Film (wenn auch nicht im Kino^^) ansehen, seis auch nur um über Cohens Outfits zu lachen.

Antworten Gast: Joeh
07.07.2009 22:18
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Re: Traurig

Ganz meine Meinung... Unterhaltung sieht anders aus, eigentlich ein Armutszeugnis

Gast: FeinGeist
07.07.2009 20:12
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Die Kunst des Lachens

Bei allem Verständnis für die Vielfalt der Kunst und die Offenheit der Unterhaltung, immer wieder wird "künstlerische Freiheit" als Freibrief für Darstellungen aller Art genannt.

Cohen ist der Meister des grotesken Humors - für jeden müden Lacher lohnt es sich offenbar, alles und jeden durch den Schmutz zu ziehen.

Aber vielleicht sind alle Widerlichkeiten in Filmen wie diesen heute so kurzlebig und abwegig, dass man als Österreicher nicht fürchten muss, nachhaltig rufgeschädigt zu werden.

Mich persönlich stossen solche brachialkomische "Naja-Filme" ab - aber vielleicht heisst es ja deswegen "Humor ist, wenn man trotzdem lacht"...