Man möchte es kaum glauben, aber in Hollywood schafft es sogar ein harmloser Buchverlag, zum härtesten Geschäft des freien Marktes zu avancieren. Wallstreet-Broker, Bankmanager, ja sogar Modemagazin-Chefredakteurinnen – alles nichts gegen Lektorin Margaret Tate (Sandra Bullock), die in Selbst ist die Braut angestelltenfressend durch die Designerkorridore stampft, während sich eilig die E-Mails mit der Nachricht über die Ankunft von „Satans Mätresse“ verbreiten. Der einzige Unterschied zu Der Teufel trägt Prada ist in diesem Moment, dass Sandra Bullocks halsbrecherische High Heels von Louboutin stammen und nicht von Prada.
Selbst ist die Braut (im Original: The Proposal) ist eine romantische Komödie, in der es um die Disney-Variante der Einwanderungsproblematik geht: Margaret Tate ist Kanadierin, ihr Visum ist abgelaufen, sie hat die Frist verpasst und steht jetzt vor der Abschiebung aus den USA. Es trifft sich gut, dass sie den willfährigen Assistenten Andrew hat (Ryan Reynolds und die definiertesten Bauchmuskeln dieses Sommers), der sich von ihr zur Scheinehe erpressen lässt.
Zwecks größerer Authentizität fährt sie mit ihm zum 90er seiner Großmutter (fortgesetzter Showdiebstahl von Ex-„Golden Girl“ Betty White). Im Familienverbund schmilzt natürlich das Herz der sonst eh einsamen Karrieristin mit der „Allergie auf menschliche Emotionen“, und ein schneeweißes, extra weichgespültes Hundebaby gibt's auch. Nicht nur hier sieht man, dass der Lieblingsfilm von Regisseurin Anne Fletcher der Screwball-Klassiker Leoparden küsst man nicht ist. Dazwischen liefert Komiker Oscar Nunez in der Dreifachrolle als Greißler/Friedensrichter/exotischer Tänzer zweifellos einen Rekord an sichtbarer Schambehaarung in einer Disney-Produktion, und auch Bullock und Reynolds zeigen Freude an der (marketingstrategischen) Freikörperkultur (siehe Bauchmuskeln).
Reichlich lang, dafür seltsam unklar
Selbst ist die Braut hat seine komischen Momente, und Sandra Bullock hat noch immer wenig von ihrem sympathischen Identifikationspotenzial eingebüßt. Aber der Film dürfte selbst ausgemachten Anhängerinnen des Genres Chick flick reichlich lang vorkommen. Und seltsam unklar bleibt auch, ob und wann sich Margaret und Andrew wirklich verliebt haben. Wäre das Absicht, wäre es mal ein origineller Kniff für eine romantische Komödie. Aber es ist zu befürchten, dass es keine Absicht ist.
Sandra Bullock mag übrigens keine romantischen Komödien. Sie mag es auch nicht, dass es keine lustigen Frauenrollen gibt – „ich musste eigentlich einen Mann spielen in diesem Film, um witzig zu sein“, sagte sie bei der Pressekonferenz in München. Aber Sandra Bullock mag ihre kleinen Brüste. Dann mag sie ja immerhin etwas von dem, was in diesem Film vorkommt.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 30.07.2009)
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