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"The Lovely Bones": Peter Jackson in der Erfolgsfalle

16.02.2010 | 19:18 |  MARKUS KEUSCHNIGG (Die Presse)

Im Krimidrama „The Lovely Bones – In meinem Himmel“ setzt Regiestar Peter Jackson auf beliebiges digitales Effektgewitter: Opulent – und fad. Ab Freitag.

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Ein Regisseur verliert seine Unschuld, wenn er zu genau weiß, was er tut: Keine Experimente mehr, sondern dem Publikum liefern, was es will. Wie bei Peter Jackson und Steven Spielberg, deren Frühwerke vor Einfallsreichtum und Wagemut flirren: In Spielbergs Spannungsfilm Duell und Peter Jacksons Zombiekomödie Braindead sind die späteren Karrieren schon vorgezeichnet. Der eine macht Popcorn-Mythen, deren Handlung sich in zwei Sätzen beschreiben lässt, wie Indiana Jones oder Jurassic Park. Der andere hat mit Herr der Ringe das fantastische Kino renoviert, setzt neue Standards für Produktionsdesign und Lauflänge von Unterhaltungskino.

Sein neues Projekt sah Jackson wohl als Test: Kann er noch eine einfache moralische Geschichte erzählen wie mit Heavenly Creatures 1994? In The Lovely Bones – In meinem Himmel wird die aufgeweckte Vierzehnjährige Susie (Saoirse Ronan, eine Entdeckung) vom netten Mann von nebenan (herrlich psychotisch: Stanley Tucci) in eine Erdgrube gelockt und ermordet. Aus dem Jenseits blickt sie dann auf ihre Familie (als Eltern: Mark Wahlberg, Rachel Weisz), begleitet sie durch die Trauer und bei der Tätersuche.

Jackson schlägt fantastische Töne an: Diffuse Lichtsetzung, nostalgisch ins Orangegoldene gerückte Bilder von Kameramann Andrew Leslie, an- und abschwellender Rock von Komponist Brian Eno verleihen dem 1973 spielenden Film schon im ersten, noch sehr irdischen Handlungsdrittel eine esoterische Note. Dazu kommt Jacksons Figurenzeichnung: Die Charaktere sind so überhöht, dass sie allesamt universelle Gültigkeit erlangen. Das unschuldige Opfer, die vor der Trauer fliehende Mutter, der zornige Vater, der unscheinbare Psychopath, die verschrobene beste Freundin: unpersönliche Archetypen, in Jacksons intimem Planspiel strategisch und wirkungsvoll platziert.

Susan Sarandons kettenrauchende, lakonische Großmutter fegt in einer Montagesequenz zu flotter Musik durch das Haus: Das ist große Körperkomik und ansprechend dement, aber ein Fremdkörper im Film – es sabotiert den (allzu seriösen) Handlungsfluss. Anarchotrickser Jackson ist in dieselbe Falle gelaufen wie Spielberg vor Dekaden: Ihre großen Publikumserfolge betrachten die Regisseure als Verantwortung – und machen leichtes Massenfutter, in das ihre inszenatorischen Eigenheiten nicht passen.

 

Alles stinkt nach harter Arbeit

Für die tote Susie wird ein naturmystisches Jenseits herbeigerechnet: Seen wallen, Berge tanzen, die Jahreszeiten wechseln im Minutentakt. Das beliebige digitale Effektgewitter verliert trotz Opulenz jede Anmut, da es ernüchternd zielgerichtet verwendet wird. Nichts ist verspielt oder lustvoll, alles stinkt nach harter Arbeit und Mühsal. Der Zuseher wird am Patschhändchen genommen und auf sicheren Pfaden durch das unsichere Gelände geführt: Das Resultat ist unnötig episch in Dauer und Erzählweise.

Jacksons Herr der Ringe war ein kommerzieller Coup, aber der Erfolgsdruck hat ihm kreativ das Genick gebrochen. Sein Kino wird wohl nicht wieder so pur, kindisch, unschuldig, schludrig, peinlich, vulgär, kurzum: lebendig und gut sein wie 1992, als er in Braindead einen Mann mit umgeschnalltem Rasenmäher Zombies niedermähen ließ. Denn mit großer Macht kommt große Verantwortung. Und große Langeweile.

AUF EINEN BLICK

Peter Jackson (*1961) machte in seiner Heimat Neuseeland originelle Horrorfilme wie „Braindead“ (1992), das weckte Hollywoods Interesse. Mit der epischen „Herr der Ringe“-Trilogie setzte Jackson dann (technische) Maßstäbe. „The Lovely Bones – In meinem Himmel“ nach Alice Sebolds gleichnamigem Roman ist nun wieder ein „kleiner“ Stoff.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 17.02.2010)

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