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"Der Räuber": Dauerlauf mit Pumpgun

24.02.2010 | 18:53 |  CHRISTOPH HUBER (Die Presse)

Andreas Lust beeindruckt in Benjamin Heisenbergs existenzialistischer Studie frei nach dem Kriminalfall Kastenberger: eine Art Actionfilm für Akademiker.

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Statt der Ronald-Reagan-Maske trägt der Titelheld beim Bankraub ein anonymes Gummigesicht: Benjamin Heisenbergs Der Räuber nimmt die Verbrechenserie von Johann Kastenberger zum Ausgangspunkt für eine existenzielle Actionstudie. Der erfolgreiche Marathonläufer Kastenberger machte in den Achtzigerjahren mit einer Serie von Banküberfällen – einmal drei am selben Tag – Schlagzeilen: als „Pumpgun-Ronnie“, weil er dabei stets die Präsidentenmaske trug. Bevor er in der bis dahin größten Fahndung der österreichischen Nachkriegszeit gefasst werden konnte, richtete er sich selbst.

Der heimische Schriftsteller Martin Prinz wurde von dem Fall zum 2002 erschienenen Roman „Der Räuber“ inspiriert, gemeinsam mit dem deutschen Regisseur Heisenberg hat er nun auch das Drehbuch für dessen antipsychologische filmische Räuberballade verfasst, die im Dauerlaufrhythmus der Hauptfigur Johannes Rettenberger vorbeizieht. In der ersten Szene macht sie ihre Runden noch hinter Gittern, im engen Gefängnishof. Bald läuft Rettenberger draußen, unter anderem durch die TV-Bilder vom Wien-Marathon – und schließlich mit der Pumpgun in die Bank. Das Konzept des Films ist gleichermaßen physisch wie abstrakt: systematisches Laufen als Flucht vor der Lebensleere, Rettenberger kümmert die Beute nicht, die landet unterm Bett – dafür misst er seine Pulsfrequenz nach der Tat.

Absolut beeindruckend ist Hauptdarsteller Andreas Lust: auch wegen der sichtlichen körperlichen Leistung bei der glaubwürdigen Laufarbeit, doch vor allem wegen der stechenden, dabei undurchdringlichen Intensität, mit der er die Getriebenheit seiner Figur spürbar macht. Ein Maskenmann, auch ohne Gummigesicht: wortkarg, ausdruckslos. In den Liebesszenen mit der alten Freundin (Franziska Weisz), bei der er unterkommt, ist er darauf konzentriert, beim Beischlaf die Frequenz zu halten. Als ihm der Bewährungshelfer (ideal: Markus Schleinzer) zu sehr auf die Nerven geht, streckt ihn Rettenberger mit seinem Siegerpokal nieder, als würde er ein lästiges Insekt erschlagen.

 

Verfolgungsjagd durch Wiens Keller

Rettenbergers Dauerlauf bleibt existenzialistisch zwar etwas dünn, ist aber konsequent und öfters geschickt arrangiert (gute Kameraarbeit: Reinhold Vorschneider): Am stärksten ist eine lange Handkamera-Verfolgungsjagd durch Wiener Kellergewölbe, die im Sprint über Tennisplätze kulminiert – da wird Rettenberger zum rasenden Austro-Pendant von Burt Lancasters entfremdeten US-Hinterhofwanderer in Der Schwimmer nach John Cheever stilisiert.

Zur Außenseiterüberhöhung dienen aber auch angestrengte Details: Der fast schon Kottan-komische, übertölpelte Polizeiapparat wirkt wie aus einem anderen, populistischen Film, auch auf die ironische Musik bei Banküberfällen und andere selbstbewusste Schlenker hätte man gern verzichtet. So ist Der Räuber ein interessantes, aber nicht ganz geglücktes Experiment: quasi ein Actionfilm für Akademiker.

„DIE PRESSE“ PRÄSENTIERTE

„Der Räuber“ ist der zweite Spielfilm des deutschen Regisseurs Benjamin Heisenberg: eine Koproduktion mit mehrheitlichem Österreichanteil und heimischem Sujet, Schauspielern, Schauplätzen. Am Mittwoch wurde er bei einem „Presse“-Kinoabend präsentiert.

Andreas Lust ist im März in einer weiteren Literaturverfilmung zu sehen: im Krimi „Der Kameramörder“ nach Thomas Glavinic.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 25.02.2010)

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4 Kommentare
Gast: koalie
04.03.2010 19:44
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den film kann man lassen wie er is punkt

der beste österreichische film bis
jetzt
österreichische filme sidn früher oder später fast alle aufdringlich kommen wie verzweigt oder überzeugend sie erzählen .

dieser film erzählt nur vollkommen banal von der unweigerlichen der kürze des lebens und verstrickt sich nicht soweit bis er zum erhobenen zeigefinger wird wie der rest der meisten filme
dieser ist(für österr verhältnisse aufjedenfall) in einer eigenen liga,kein einzelnes genre.
eine truestory mit der österreich typischen"langen pause zwischen dialogen+beklemmenden-hintergrundgeräusche" OHNE fad zu werden

wahnsinn

Gast: Erinnerung
25.02.2010 08:53
0 0

Psychokiller

Nur zur Erinnerung, Kastenberger hatte bevor er als Pumpgun-Ronny "berühmt" wurde, bereits einmal einen Menschen kaltblütig abgeknallt. Er hatte diesen in irgendeiner Schulungsmaßnahme kennengelernt, Kastenberger missfiel dass das spätere Opfer rauchte, er suchte die Wohnung des Mannes auf uns erschoss diesen als der auf sein Läuten die Tür öffnete, in der Wohnung befand sich die Familie des Mannes.
So einer war das.

Gast: ökono-mist
25.02.2010 07:56
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"Staatsaktion Pumpgun-Ronnie" = "Staatsaktion Generalverdacht!"

Diese Woche gehört im ORF dem "Pumpgun-Ronnie".
Bereits am späten Montagnachmittag gab es in Ö1 einen Beitrag. In den "Seitenblicken" desselben Tages geht es dann mit der Vorstellung der Akteure weiter. Vorläufiger Höhepunkt:
Der Auftritt eines Landespolizeichefs in Uniform. Die Quintessenz seiner "wissenschaftlichen" Erläuterungen (sinngemäß): "In jedem von uns könnte ein Pumpgun-Ronnie stecken...". Von "falschen Polizisten" hat er nichts gesagt...
Am Mittwoch Abend ist er (der Film) endlich in der ZIB1 angekommen, um dort neuerlich gepriesen zu werden. Dabei verrät man uns arglos, daß das Videomaterial offenbar von den Banken jahrzehntelang aufbewahrt und dann dem ORF ausgehändigt wird, damit er daraus Kinofilme drehen kann! Oder bekam er das Videomaterial womöglich gar von der Polizei?!
Das erfahren wir von einem vom Herrn Feurstein mit einem herzzerreißenden "Thema"-G'schichterl rehabilitierten Polizeihofrat, der anschließend seinen ZIB-Auftritt hat, zwar nicht. Doch auch er erklärt uns, daß es für Bankräuber angeblich kein Täterprofil gäbe (= Generalverdacht - zwecks "Stasi"-Generalermittlungsermächtigung?)

Jetzt wartet man nur noch auf einen Monopol-Gerichtspsychater mit seiner dazupassenden Generalvermutung, daß mit jedem "netten Nachbarn von nebenan etwas nicht stimmen kann".
Das mit dem Videomaterial gehört jedenfalls von der Justiz geklärt!
Inzwischen überlassen wir das Feld einem dritten Landespolizeichef, der zwei tote Mäuse seelisch nicht verkraftet.

Re:

aha.