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Sex and the City 2: Durch die Wüste

25.05.2010 | 18:39 |  NORBERT MAYER (Die Presse)

In der Filmversion der schicken TV-Serie ist das Sequel noch schwächer als Teil 1. Die Mädchenjahre einer amerikanischen Prinzessin sind endgültig vorbei, geblieben ist das Shopping, das eigentlich Orgiastische der Serie.

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Die Rückschau auf die glamourösen Achtzigerjahre ist durch und durch sentimental. Am Anfang des Kinofilms Sex and the City 2 mit dem obligatorischen Schwenk über Manhattan erinnert sich Sex-Kolumnistin Carrie Bradshaw an die Zeit, als sie 1986 nach New York City kam, ihre drei besten Freundinnen kennenlernte und auch ein paar Männer mit wechselnden Geschicken. Die vier reifen Singles spielen in diesen Rückblenden kleine Mädchen. Carrie, Samantha, Charlotte und Miranda sind auf jung geschminkte 40- bis 50-Jährige mit veralteten Frisuren und damals modischen Kleidern. Was hat man in der Wendezeit getrunken? Tequila? Cosmopolitan? Oder gar Wodka? Und war damals nicht Lambada der heißeste Tanz?

Die Mädchenjahre einer amerikanischen Prinzessin aber sind endgültig vorbei, geblieben ist das Shopping, das eigentlich Orgiastische der Serie, und der Schuh-Fetischismus. Carrie ist seit zwei Jahren mit „Mr.Big“ (Chris Noth) verheiratet. Die Hochzeit mit Hindernissen war bereits 2008 abgehandelt worden, in einem seichten Kinokunstprodukt, das in keiner Weise an die spritzigen Episoden der TV-Serie (1998-2004) heranreichte. Die Mühen der Dauer-Ehe sind nun dem Sequel vorbehalten. Gegen diese 140 Minuten wirkt sogar Teil eins geistvoll. Die immer selben Ingredienzien werden noch einmal durchgemixt.

Diesmal nur Aufgewärmtes: Statt der Heirat von Carrie gibt es das Hochzeitsfest der besten schwulen Freunde, eine Orgie aus Kitsch und Witzchen, die auch nicht dadurch gewinnt, dass Liza Minelli singt. Und die Girls? Alle unter der Haube. Anwältin Miranda (Cynthia Nixon) lebt mit dem Vater ihres Kindes zusammen und hat Jobprobleme, Charlotte (Kristin Davies) ist vom Haushalt überfordert und von Eifersuchtsattacken geplagt – trotz und wegen einer patenten, vollbusigen jungen Nanny, die weiß, wie man mit zwei kleinen Kindern umgeht. Nur bei der männerverschlingenden Samantha (Kim Cattrall) scheint alles wie gehabt, aber ihre Lust muss sie inzwischen stimulieren, indem sie Hormontabletten schluckt, als wären sie Fruchtbonbons.

 

Ein Ehemann auf der Couch

Und Carrie, die soeben ein Buch über die Ehe veröffentlichte, das im „New Yorker“ verrissen werden wird? Sie hat einen Mann, der das Kleinfamilienleben ohne Kinder schätzt. Sie will zu Partys, er möchte mit ihr auf der Couch Melodramen in Schwarzweiß schauen, wenn er vom harten Bankeralltag nach Hause kommt. Carrie fordert, dass sie sich für zwei Tage in ihre alte, kleine Wohnung zurückziehen kann, um zu schreiben. Als Mr.Big das erfreut aufnimmt und von der Fünftagewoche-Ehe plus zwei Tagen Single-Auszeit schwärmt, kriegt sie die Krise.

Drohendes Klimakterium, Kindermädchen, Mobbing und ein an sich verschlossener Ehemann, der gerne in Fernseh-Autismus verfällt – es ist Zeit für vier frustrierte Pseudo-Emanzen, ein neues Abenteuer zu suchen. Sie fliegen nach Abu Dhabi, ein Scheich will Geschäfte mit Samantha machen. Ach Abu Dhabi! Vergesst New York, die Hotels am Golf sind noch viel neureicher als in Manhattan. Im Privatjet sind die Einzelkabinen so groß wie früher die Single-Wohnungen in Soho: „Quietsch!“ Am Flughafen warten vier weiße Luxuslimousinen Marke Maybach auf das Quartett: „Kreisch!“ Die Luxussuite hätte Platz für vier Scheichs samt Harem. Und jeder Gast hat einen persönlichen Butler: „Ahhhhh!“ Sogar shoppen und essen kann Frau im Morgenland wie im Märchen. Und vieles dazu noch gratis.

Wenn da nicht die zurückgebliebene Moral der Einheimischen wäre, die so gar nicht mit den Bedürfnissen konsumorientierter New Yorkerinnen vertraut sind. Das ist der am schwersten erträgliche Teil des Filmes von Regisseur Michael Patrick King – die moralisierende Darstellung des Zusammenpralls zweier Kulturen, das nicht ernst zu nehmende Seitenthema zur üblichen Modeschau von „Sex and the City“. Dort hinten in Arabien wirkt die exotische Variante des Konsums ganz einfach bizarr. Die gierigen Girls werden zur Karikatur der Karikatur. Carrie kauft sich im Suk weiße Schuhe mit gebogenen Spitzen, eine Art billiger Manolo-Treter für den Ganzkörperschleier. Auch die Spitzen in dieser handlungsarmen Glamour-Revue sind ziemlich verbogen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 26.05.2010)

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7 Kommentare
Gast: geh bitte
27.05.2010 17:26
0 0

als gäbs nix wichtigeres

lasst doch den leuten die spass an serien und filmen haben ihre kleinen alltagsinseln. eine diskussion über anspruchsvoll-oder -los ist doch nicht notwendig. die filme stehen als symbol für die serie, die viele frauen über jahre begleitet und unterhalten haben. lasst ihnen doch dieses gefühl von nostalgie... es gibt soviel bockmist im fernsehen und im kino. soviele schrottbücher und hässliche bilder. geschmäcker sind verschieden. berechtigung hat alles. ich hab den film gesehen. er war lustig. wir haben viel gelacht. es war ein netter abend. schön wars. und genau deswegen bin ich auch ins kino gegangen ;-) wie wahrscheinlich millionen andere frauen es mir gleich tun werden. in dem sinne.
viel spass im kino!

Gast: Gast
26.05.2010 12:04
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Ein geistiges Abbild..

..des amerikanischen Sittenbildes des Wahn- und Blödsinnes.
Alle die da mitsehen und somit mitmachen sind einfach Gaga im Kopf und mitschuldig.

Gast: Liz
25.05.2010 22:56
1 1

Sehr orginell!

So wie der Film angeblich sein soll, so fallen auch die Kritiken aus. Der Erfolg bestätigt doch die Daseinsberechtigung der Filme. Mir geht es nicht nur um den Hype der Serie allein, wichtig sind doch auch die Charaktere und von denen ich einfach nicht genug bekomme, wie auch Millionen andere Fans. Hier geht es um teilweise realistische Momente einer Frau, dass da nich wie in einer "Wisteria Lane" ständig kriminelle in die Nachbarschaft ziehen oder Katastrophen sich an ein und dem selben Ort abspielen, ist wohl mehr als klar. Frauen entwickeln sich und so auch diese vier fabelhaften Frauen und trotzdem bleibt man hin und wieder stehen oder kehrt an einem Punkt seines Lebens wieder zurück. Diese Filme sind für die Fans und die es werden wollen, andere sollten sich mit ihren Meinungen zurückziehen und "anspruchsvolle" Filme, wie "Prinz of Persia" sich ansehen.

Re: Sehr orginell!

also entschuldigen sie, aber meiner meinung nach sind diese frauen von fabelhaftigkeit mindestens soweit entfernt wie von realismus.

vier frustrierte und frustrierende manhattener upper-class emanzen, deren charakterliches spektrum von enervierend hyperemotional über burschikos bis hin zu medizinisch bereits bedenklich promiskuitiv reicht, korrespondieren bestenfalls mit stereotypen, die sie wohl auch mitbegründet haben. repräsentativ sind sie deshalb aber noch lange nicht.

die serie ebenso wie der film lebten m.e. nach in erster linie von der massiven stimulanz der weiblichen tränendrüse (und evtl. anderer, tiefer gelegenerer regionen) sowie dem hypertrophen einsatz von laszivität, was zwar ein billiges erfolgsrezept, aber keineswegs revolutionär oder gar anspruchsvoll ist.


Antworten Antworten Gast: meeeeeeeeeeeeeeeeee
26.05.2010 12:08
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Re: Re: Sehr orginell!

ich kann ihrer analyse vollinhaltlich beipflichten.

Antworten Gast: tja.
26.05.2010 08:50
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Re: Sehr orginell!

Ich finde, Erfolgt muss nicht unbedingt eine Daseinsberechtigung für einen Film sein. Es gibt genügend schlechte und seichte Filme, die trotzdem - über die Gründe will ich lieber nicht mutmaßen - erfolgreich sind. Ebenso gibt es großartige Filme, die leider nicht den Massengeschmack treffen, der eben gern von nicht allzu tiefsinnigen Filmen bedient werden will

Und mal ehrlich, selbst als Sex and the City Fan muss man zugeben, dass der erste Film ja eher mies war. Ich habe die Serie geliebt, tu dies immer noch, aber als ich am Sonntag wieder den Film im Fernsehen sah, musste ich nach 20 Minnuten ausschalten, weil er einfach nicht an die Serie ran kann.
Deswegen erwartet ich vom zweiten Teil schon gar nichts mehr, hoffentlich muss ich das Kino nicht vorzeitig verlassen.

Antworten Antworten Gast: Liz
26.05.2010 09:41
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Re: Re: Sehr orginell!

Schon traurig wenn man ins Kino geht, um es dann wohlwissend frühzeitig zu verlassen. Manche Menschen haben echt zu viel Zeit und Geld.