Koma

Seelenwüste

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(c) Stadtkino

Als Theaterregisseur ist Ludwig Wüst in Wien bekannt, mit seinem ersten abendfüllenden Spielfilm beweist er sich auch als eigensinniger Kinokünstler: Koma, ein konzentriertes und im Wortsinn unabhängiges Low-Budget-Drama, erzählt von einem Taxifahrer, der mit seiner Familie in der Nähe von Wien lebt. Die Feier zu seinem 50. Geburtstag steht an, findet aber ohne den Jubilar statt: Ein dunkles Geheimnis aus seiner Vergangenheit überschattet die Ereignisse, schließlich fasst er den Entschluss, der Seelenwüste seiner Existenz zu entkommen—ein kontrover-sieller Neuanfang steht bevor.

Auf internationalen Festivals hat Wüsts Film mit seinen traumatischen Tabubrüchen und der Schilderung kleinbürgerlicher Einsamkeit und Gewalt für Vergleiche mit Ulrich Seidl und Michael Haneke gesorgt, aber die gleichermaßen verstörende wie bewegende Vision, auf die Koma zusteuert, geht in eine andere Richtung, erinnert an spirituelle Erlösungsgeschichten im Gefolge des großen Dänen Carl Theodor Dreyer. Ebenso bemerkenswert ist die inszenatorische Kompromisslosigkeit: Wüst setzt auf lange Einstellungen, überrascht aber mit unkonventionellen Einfällen, etwa eine abgründige Schlüsselszene – zehn Minuten ohne Schnitt – als Monolog in nicht unkomischem fränkischen Akzent umgesetzt.

Koma, ab 17. 9. im Kino

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