„Die drei Musketiere“: Mantel und Degen, dreidimensional

Paul W. S. Anderson versucht sich in „Die drei Musketiere“ an einer ausladenden 3-D-Fantasy mit Christoph Waltz, Milla Jovovich und Til Schweiger. Ab Freitag im Kino.

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(c) Constantin

Wieder einmal betreten die drei Musketiere die Leinwand, um... die Geheimpläne Leonardo da Vincis aus den Katakomben von Venedig zu stehlen? Die garantiert nicht werktreue Eröffnung der neuesten Adaption des Romanklassikers von Alexandre Dumas gibt die Stoßrichtung vor: Ein 3-D-Spektakel mit Fantasy-Anleihen soll Publikumswirksamkeit in der Blockbuster-Ära von postmodernen Genre-Genrealüberholungen wie Piraten der Karibik garantieren. Kaum ein Abenteuerstoff ist so oft für das Kino umgesetzt worden wie die „Musketiere“-Romane von Alexandre Dumas, die gut 50 verschiedenen Versionen erzählen auch etwas über die Vorlieben der jeweiligen Ära: etwa als athletische Stummfilm-Action mit Star Douglas Fairbanks, als Technicolor-Ballett mit Gene Kelly nach dem Weltkrieg oder als satirische Pop-Revision durch den Briten Richard Lester in den 1970ern.

 

Intrigen um die Juwelen der Königin

Die aktuelle Adaption scheint sich zunächst einer neuzeitlichen Maxime zu verschreiben: „Anything goes.“ Da tricksen sich die Musketiere in Venedig durch einen Parcours von Fallen à la Indiana Jones, nehmen es mit einem Soldatenheer auf – und werden letztlich doch von ihrer Erzrivalin Milady Winter (Milla Jovovich) hintergangen. Dazu liefert Til Schweiger einen überdrehten Gastauftritt, der noch lustiger ist als seine Knallcharge in Tarantinos Inglourious Basterds.

Filmstarts der Woche: Scheinbare Idylle, wohin das Auge blickt

Aber dann besinnt man sich doch auf den bewährten Reiz der Dumas-Vorlage: Der selbstsichere Provinzbursche D'Artagnan kommt nach Paris, handelt sich binnen kürzester Zeit Duelle mit allen drei Musketieren ein, schlägt sich aber im Kampf gegen die Truppen von Kardinal Richelieu auf deren Seite und greift in die Intrigen um die Juwelen der Königin ein. Die Kampfszenen sind allerdings mit Zeitlupen und Martial-Arts aufgefettet, und die entscheidenden Schlachten führen Luftschiffe – wobei der Begriff ganz wörtlich zu nehmen ist: Es handelt sich um Fregatten mit Zeppelin-Konstruktionen statt Segeln. Die Frechheit solcher Einlagen hat einen gewissen Witz – jedenfalls mehr als die Dialoge, deren Humor zumindest in der deutschen Synchronisation strikt auf Schulniveau bleibt. Am besten steigt in der Hinsicht Christoph Waltz als Ränkeschmied Richelieu aus, er synchronisiert sich nämlich selbst. Seine zurückhaltende Süffisanz macht allerdings weniger Eindruck als der Auftritt von Mads Mikkelsen als einäugiger Bösewicht wie aus dem Märchenbuch.

Eine Stärke von Regisseur Paul W. S. Anderson sind genau solche ikonischen Figuren: Die farblosen Jungschauspieler-Musketiere (samt D'Artagnan) machen insofern weniger Eindruck als die Schurken. Insbesondere seine Gattin Jovovich setzt Anderson immer wieder blendend in Szene: Als eine Art Historienfilmversion ihrer Heldin in den gemeinsamen Resident-Evil-Erfolgsfilmen, deren Zielgruppe offensichtlich zum Besuch eines Familienfilms motiviert werden soll. In der Hinsicht ist Andersons Die drei Musketiere jedenfalls frischer als die 1993 in Wien gedrehte Version, dank deutscher Produktionsgelder muss man auch nicht auf architektonisches Amüsement verzichten: Frankreichs Burgen werden diesmal nicht durch österreichisches Kulturerbe repräsentiert, sondern durch deutsche Schlösser von Herrenchiemsee bis Schleißheim. Gerade in der dritten Dimension: Action-Spezialist Anderson ist neben James Cameron, Werner Herzog und Joe Dante erst der Vierte, in dessen Händen das digitale 3-D-Verfahren nicht verschwendet scheint – statt dass mit dem Degen in die Kamera gefuchtelt wird, inszeniert er die Tiefe des Raums. Kunst ist sein Film deswegen noch lange nicht, aber jedenfalls pläsierlich anzusehende Unterhaltung.

Am Tag, bevor „Die drei Musketiere“ bei uns anlaufen, wird beim Filmfestival in Venedig schon der nächste Film mit Christoph Waltz gezeigt: Roman Polanskis „Der Gott des Gemetzels“ läuft im Wettbewerb.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 31.08.2011)

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