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Trashfilm "Iron Sky": Mond! Nazis! Udo Kier!

03.04.2012 | 18:18 |  MARKUS KEUSCHNIGG (Die Presse)

Die Fan-Finanzierungsgeschichte der Science-Fiction-Klamotte „Iron Sky“, von Timo Vuorensola ist faszinierend. Der Film aber nicht. Ein Exploitation-Ausverkauf. Ab Donnerstag im Kino.

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Alles war da für eine Erfolgsgeschichte mit filmhistorischem Mehrwert: ein junger Finne, der bisher ausschließlich Erfahrungen mit graswurzelfinanzierten Fanfilmen machte, stellt ein Projekt auf die Beine, bei dem sogar Hollywood-Zampanos große Augen machen. Sein Schmäh: Er wirft ein simples, aber geniales Konzept in den Internetraum. Es geht um Nazis, die auf die dunkle Seite des Mondes geflohen sind und sich auf den Wiedereintritt in die Erdatmosphäre vorbereiten. Schriftzug und grafisches Design sind in faschistischer Ästhetik durchkomponiert. „Naziploitation“ nennt man das: ein Spezialfall von „Exploitation“, von Kino also, das mit voller Überzeugung geschmacklos, billig und spekulativ ist.

„Iron Sky“ war schnell in aller Munde: Die von Hollywoods Edel-Exploitation-Wunderwaffen Quentin Tarantino und Robert Rodriguez sensibilisierte (junge) Zielgruppe gierte dem schamlosen Happening entgegen. Mond! Nazis! Udo Kier!

Wie gesagt: In der Anlage wäre alles enthalten für eine angemessen respektlose Pilgerfahrt zurück zu den Wurzeln des Naziploitation-Kinos. Noch vor 20 Jahren hätte so ein Konzept vorwiegend mit Eigenmitteln und dann vermutlich im elterlichen Konservendosenkeller umgesetzt werden müssen. Das Internet und seine 2.0-Philosophie haben jetzt aber auch die Filmproduktionskette umgekrempelt: Timo Vuorensola, der junge Finne, zieht innerhalb weniger Monate eine digitale Architektur auf, die es dem Otto-Normal-User nicht nur erlaubt, in den noch nicht realisierten Film zu investieren, sondern sich auch auf diversen anderen Ebenen einzubringen: Mal doktern deutsche Fans an der Grammatik der zum Teil deutschsprachigen Dialoge herum, mal folgen Hunderte einem Aufruf, als Komparsen am Drehort zu erscheinen. Die Ressourcen werden gebündelt und voll ausgeschöpft.

VIDEO: "Iron Sky"-Trailer: Nazis hinterm Mond

Was, wenn die Nazis 1945 auf den Mond geflohen wären und 2012 wiederkämen? Davon handelt der finnische Trash-Film "Iron Sky" mit Udo Kier, Julia Dietze und Götz Otto. Ab 5. April im Kino.

Infantile Komik wie bei Bully Herbig

Der fertige „Iron Sky“ hat schließlich an die 7,5 Millionen Euro verschlungen, gut eine Million wurde über das Internet lukriert. Der große Rest setzt sich aus Mitteln der Produktionsfirmen und von Förderstellen wie HessenInvestFilm und der Finnischen Filmstiftung zusammen. So mechanistisch, komplex und faszinierend diese Finanzierungsgeschichte ist, so durchschnittlich ist der Film.

Denn was bei all dem scheinbar in den Hintergrund getreten ist, ist die Analyse von Vuorensolas Potenzial als Regisseur. Und das ist leider nicht vorhanden. Erstarrt zwischen beeindruckenden Computeranimationen, einem zotenhaften, selbstgefälligen Drehbuch und uninspirierter Regie, breitet sich vor einem ein Reigen der nicht eingelösten Versprechen aus. Mit den stark texturierten, oft unangenehm sinnlichen und untergriffigen bis zufallssubversiven Naziploitation-Ausgeburten der 1970er hat „Iron Sky“ wenig zu tun.

Nur der wie immer charismatische und über sich hinauswachsende Udo Kier verleiht der maschinellen Schmähparade ein wenig Grazie und Gravitas. Spätestens wenn die Mondnazis auf der Erde von der zukünftigen, an Sarah Palin orientierten US-Präsidentin in den Wahlkampf eingespannt werden, steuert der Film auf den Bodensatz politisch angestrichener Klamotten zu und erinnert an die infantile Komik von Bully Herbig. Die bitterste Erkenntnis, die man aus „Iron Sky“ ziehen muss, ist, dass sich das Wesen des Konzepts „Exploitation“ völlig verändert hat. Es geht nicht mehr darum, ein finanzstarkes System zu verletzen oder ihm räudige Gegenentwürfe vorzusetzen. Es geht darum, es so perfekt wie möglich nachzuäffen.

„Iron Sky“ mag für eine Generation, die mit den Wurstfilmen von George Lucas und Michael Bay aufgewachsen ist, als voll lustiger und ein bisserl arger Film durchgehen. Für alle, die wissen oder auch nur ahnen, welche ideengeschichtliche und ästhetische Sprengkraft im Besonderen der Exploitation-Kultur innewohnt, ist die Existenz dieses Films gleichbedeutend mit einer Ohrfeige.

Witzfigur Nazi: Wie sich das Kino über ''Alphamenschen'' amüsiert

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("Die Presse", Print-Ausgabe, 04.04.2012)

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19 Kommentare
1 0

Jedenfalls...

...eine bessere Love Story als Twilight, das kann man schon jetzt behaupten.

Gast: Nur ein Gast
04.04.2012 16:36
3 0

Interessant...

wie eine Generation mit den Wurstfilmen von George Lucas und Michael Bay aufwächst...

Bei der Zeitspanne zwischen Star Wars (IV - VI)und dem Michael Bay'schen Ergüssen (Pearl Harbour + Transformers) muß das aber einer seeeehr langsam wachsende Generation sein. ~ 40+ Jahre

Macht ja nix. Logik ist in vielen Filmen Nebensache. In Kritiken des öfteren auch ^^

Das einzig Utopische


an dem Film sind,

die Amerikaner auf dem Mond :-)


Re: Das einzig Utopische

Sorry, aber der erste April is schon a Zeitl her. =|

Bin schon gespannt,


wer gewinnt!

Hoffentlich die Guten!


Gast: gast1985769
04.04.2012 10:36
4 4

???

Was heißt hier "Wurst-Filme von George Lucas und Michael Bay"??? Da glaubt wohl wieder einer er ist besonders "intellektuell" weil er keinen Spaß an großartigen Hollywood Filmen hat!

Re: ???

Lernen Sie Deutsch!

Haha

Überheblicher kann man die Wirkung des Exploitation-Kinos ja gar nicht mehr übertreiben.

Die einzige Gattung der man auch nur etwas von den oben genannten Attributen zusprechen kann war die Black-Exploitation aber alles andere rüttelte doch nur am noch nicht aufgestoßenem Tor zur (SM-)Pornographie - vor allem die Nazi-Exploitation waren solche Machwerke.

Aber bitte, der Autor möge sich mit diesem Dreck im Kinokeller vergraben und sich in der Glorie dieser "Meisterwerke" sonnen.
Sein Geschreibsel kann mir gestohlen bleiben.

nazis am mond?

ja, der richtige ort!

jedoch: wie kommen die dort hin? können nazis fliegen? ich dachte immer, die können nur kriechen!

aber ich werde mir bei der nächsten plenarsitzung den präsidenten genauer anschauen. vielleicht hat er doch flügel....

Re: nazis am mond?

Könnten Sie mir bitte sagen, wo Sie das Zeug, das Sie rauchen, herbekommen?

3 0

"Exploitation" ist doch keine Filmart

Wenn man sich die Kritik durchliest könnte man meinen Herr Keuschnigg vergriff sich im Vokabular und hat DIY/Indie/LowBudget Filmmaking mit Exploitation verwechselt.

Exploitation Filme sind Filme die sich nur um ein Ding drehen. In den 70ern wo oftmals noch Pornographie verboten war gilt es mit "Filmmitteln" (Drehbuch, Schauspieler, ...) das was man zeigen will zu exploiten, in dem Fall Brüste. Wenn man sich also einen Exploitationfilm über Brüste ansieht kann man genau das erwarten, alles filmische ist zweitrangig, aber man sieht Brüste.

Gleiches gilt für Rape&Revenge, Zombi, indonesische fliegende Hexenköpfe Filme, Jaka, Torture Porn, etc. pp.

Ich würde jeden Sommerblockbuster eiskalt als Exploitation titulieren.

DIY/Indie Filmmaking ist da wieder was ganz anderes, eben ohne große Studios und techniken einen Film umsetzen meist ohne sich deren Clichees zu bedienen (Filmclichees gibts nur weil sie den Leuten gefallen und deshalb die Studios darauf bestehen sie dabei zu haben um den Verkauf zu sichern), denke das wollte er eigendlich sagen!?

WIR KOMMEN IN FRIEDEN!


7 2

?

Wurstfilme von George Lukas?

Gast: Klaus
03.04.2012 23:27
0 0

oh .. Udo Kier ...

Hauptdarsteller in "Die Geschichte der O"

Gast: hat er den film überhaupt gesehen? oder nur den trailer
03.04.2012 21:05
21 0

a bissl arrogant

der MARKUS KEUSCHNIGG

Antworten Gast: die matrix
04.04.2012 20:59
0 0

Re: a bissl arrogant


Naja, nachdem er vermutlich Kärntner oder Krntr. Abstammung ist (Name!), muss er sich halt strikt distanzieren....., weil sonst meiden ihn seine Freunde.....

Re: a bissl arrogant

Ich habe den Film noch nicht gesehen aber die meisten anderen Kritiken lauten ähnlich ... hübsche Grundidee aber fad umgesetzt. Ich werd ihn mir aber vermutlich dennoch ansehen :)

3 0

Re: Re: a bissl arrogant

naja, es gibt schon auch besser kritiken:

http://www.ardmediathek.de/ard/servlet/content/3517136?documentId=10003098

7 0

Re: Re: a bissl arrogant

Naja, für einen ersten Blick gibt es ja Trailer auf youtube:

http://www.youtube.com/watch?v=c8tJg7jR8nQ

http://www.youtube.com/watch?v=Jth4yATniS4&feature=related