„Men in Black“: Hier regiert der Retrofuturismus

23.05.2012 | 18:14 |  von Christoph Huber (Die Presse)

Im dritten Teil unternimmt man zur Sicherung der Zukunft eine nette Reise in die Vergangenheit und bleibt beim bewährten Rezept: hübsche Alien-Kreaturen, Popkulturwitze und ein Schuss Emotion.

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Die Gegenwart ist die Vergangenheit der Zukunft, lautet ein alter Schlaumeierspruch, aber im Kino dieser Tage kann man eher den Eindruck gewinnen, dass die Vergangenheit die Zukunft der Gegenwart ist. Retrofuturismus regiert in Hollywood, sei es in der Beschwörung der alten Universen von Comic-Superhelden, sei es in den Nostalgietrips von Nachwuchsregisseuren zu den Bauplänen der Spielberg-Science-Fiction, mit der sie in den 1980ern aufgewachsen sind – oder sei es die 3-D-Rückkehr der „Men in Black“, des komischen Agentenduos aus der US-Geheimorganisation zur Überwachung von Außerirdischen, das man nach einer Dekade Pause eigentlich schon fast vergessen hat.

So gesehen ist die Ausgangsbasis von „Men in Black3“ geradezu genial: Agent K (Tommy Lee Jones) verschwindet – und alle haben es vergessen, außer seinem treuen Partner, Agent J (Will Smith). Der erste Akt des Films erzählt die Vorgeschichte: Dem bösen Außerirdischen Boris gelingt nach 40Jahren im Gefängnis auf dem Mond die Flucht. Er will Rache an Agent K, der ihn einst festgenommen hat. K verbringt indessen nichtsahnend einen typisch wortkargen Tag an der Seite seines gesprächigen Partners – und verschwindet nachts mittels Überblendung einfach aus dem Bild und aus der Erinnerung. Nur Kollege J durchschaut die Täuschung und begreift, dass Boris mittels Zeitreise interveniert hat: Noch während J zum Eingriff ansetzt, formieren sich bereits Heerscharen von gefährlichen außerirdischen Invasoren am Himmel. Nicht nur das Leben des Kollegen, sondern das Schicksal des Planeten steht wieder einmal auf dem Spiel.

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Alien-Kreaturen, Popkulturwitze

Regisseur Barry Sonnenfeld, zuletzt vor allem für das Fernsehen tätig, setzt bei der Rückkehr zu seiner Erfolgs-Franchise auf die bewährte Formel: hübsche Alien-Kreaturen, Popkulturwitze (Lady Gaga löst Michael Jackson als unerkanntes Alien ab) und ein Schuss Emotion (die Buddy-Beziehung zwischen K und J), eingebettet in einen Mix aus Spezialeffekte-Action und ironischen Gags. Der beste davon begleitet die Zeitreise, für die sich J von einem Hochhaus stürzen muss: Im Wirbel der Zeiten wird unser Held von einem Banker, der sich am Schwarzen Freitag 1929 aus dem Fenster stürzt, prompt überholt.

Weniger überholt als retroaktuell ist dann das Geschehen im Ankunftsjahr 1969, bei dem sich insbesondere im Design der Nostalgie-Chic gegenwärtiger TV-Serien wie „Mad Men“ und die immer wieder beliebte Anachronismusmode alter Spionagekomödien (bzw. deren jüngerer Kino-Remakes wie „Get Smart“) die Hand reichen dürfen. Ein typischer Gag zeigt die damalige und antiquierte Version des beliebten Gedächtnislöscher-Gadget der Men in Black: Statt in die Hand zu passen, beansprucht der sonst identische, aber ungleich größere „Neuralizer“ gleich einen ganzen Raum.

„Men in Black 3“ ist selbst letztlich so nett wie schnell vergessen: Josh Brolin übernimmt als 69er-Inkarnation von K größtenteils die Rolle von Tommy Lee Jones. Dessen Bärbeißigkeit fehlt, auch wenn Brolin seine Sache im Rahmen geschniegelter Sixties-Männerbündelei gut macht. In einer prinzipiell gut überlegten Klammer geht es auch beim Showdown Richtung Mond: Die entscheidende Konfrontation findet rund um den Start der „Apollo 11“ statt. Als Versuch, dieses leichtgewichtige und nicht allzu zündende Entertainment mit einem Anstrich von welthistorischer Bedeutung zu versehen, wirkt das aber wie maßlose Selbstüberschätzung: Doch letztlich egal, ob sich der Einfluss dieses dritten Teils gegenwärtig bis über die niederösterreichische Landespolitik hinaus erstreckt oder nicht, die Franchise ist gesichert: Mit der Reise in die Vergangenheit liefert Sonnenfeld einen Abschluss und hält sich zugleich eine Reboot-Zukunft offen, in der Brolin und andere Darsteller als Männer in Schwarz dienen dürfen.

Die Science-Fiction-Reihe

Das Akronym MiB für die „Men in Black“ kursiert seit den 1950ern und entstammt US-Verschwörungstheorien aus dem UFO-Umfeld: Die „Männer in Schwarz“ seien US-Geheimagenten, die sich mit Außerirdischen befassen – und teilweise selbst Aliens! Ein US-Comicbuch namens „The Men in Black“ griff 1991 diese Idee auf, 1997 wurde der Comic von Hollywood als Science-Fiction-Komödie mit Tommy Lee Jones und Will Smith als MiB-Geheimagenten verfilmt. Ein zweiter Teil erschien 2002, konnte aber an den weltweiten Erfolg des ersten Films nicht anschließen. Der dritte Teil soll nun eine Dekade später der Kino-Franchise neues Leben einhauchen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 24.05.2012)

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3 Kommentare
Gast: sicherheitscode
24.05.2012 15:16
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Worum geht es in einer Filmkritik?

Ich habe den Eindrick, dass bei Filmkritik in der "Presse" (und vielen anderen österreichischen Zeitschriften) der Fokus weniger auf dem Film selbst als Werk liegt, sondern vor allem auf den Filmemachern: Mit welchen Mitteln und Tricks versuchen sie diesmal, Publikum anzulocken? Werden sie langfristig scheitern? Konnten sie ihren Erfolg wiederholen? (Beispiel: "Doch letztlich egal, ob sich der Einfluss dieses dritten Teils gegenwärtig bis über die niederösterreichische Landespolitik hinaus erstreckt oder nicht, die Franchise ist gesichert.")

Inhaltlich dominiert meist der Versuch, die Intentionen der Filmemacher zu entlarven, mittels ironisch-satirischer Mittel und Betonung von künstlerisch Irrelevantem.

Ich glaube, Filmkritik sollte sich mit dem Werk auseinandersetzen, um dem Leser einen Eindrick von diesem zu vermitteln. Letzlich geht es ja um die Frage: Ist der Film sehenswert?

In dieser Hinsicht finde ich die meisten Film-"reviews" der teils sehr jungen Youtube-Nutzer weitaus hilfreicher.

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Re: Worum geht es in einer Filmkritik?

Filmkritik Marke toll vs. doof kann eh jeder Kinobesucher auf Youtube Stellen. Warum sollte die Filmkritik hier nicht etwas anderes bieten?

Antworten Antworten Gast: sicherheitscode
28.05.2012 11:24
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Re: Re: Worum geht es in einer Filmkritik?

Wie kommen Sie darauf, ich würde Filmkritik Marke "toll vs doof" bevorzugen? Da haben Sie meinen Betrag völlig falsch verstanden. Noch einmal: Filmkritik soll sich mit dem Werk auseinandersetzen - das kann auf verschiedenste Weise und in unterschiedlichen Aspekten passieren, nicht nur nach dem Prinzip "toll vs doof" :D Ich hoffe, Sie stimmen mir hier zu.

Das, was dieser Artikel hier bietet, hat jedoch wenig mit dem Werk zu tun, sondern gehört eher ins Ressort "Klatsch und Tratsch". Es ist der Versuch, in eine Auseinandersetzung mit einem künstlerischen Werk eine "Story" über das Schicksal eines Filmunternehmens oder eines Filmschaffenden zu schmuggeln, über "Aufstieg und Fall", "Erfolg und Misserfolg".

Solche "Stories" mögen zwar für einige unterhaltsam sein, aber diese Art der Unterhaltung sollte doch den Unterhaltungsmedien vorbehalten sein, und nicht dem Kulturjournalismus.

Und selbst wenn dieser Artikel im Kontext eines Unterhaltungsmediums veröffentlicht würde, fände ich den Unterhaltungswert höchst zweifelhaft ;)

Ich würde sagen: Filmkritik Marke "Tss, na mit diesem Franchise-Konzept macht sich Hollywood wieder einmal lächerlich!"

Oder einfacher gesagt, Marke "Ich vs Produzenten" (hat etwas leicht Paranoides, oder?)

Meinung

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