Ein ruhiger deutscher Dokumentarfilm ist das unheimlichste Gesellschaftsstück zur Zeit: Carmen Losmanns „Work Hard – Play Hard“ schildert kommentarlos die Optimierungsstrategien in Unternehmen. Architekten erläuten Konzepte beim Bau von Firmengebäuden wie der Unilever-Zentrale, Angestellte werden beim mit Esoterik-Erkenntnissen angehauchten Abenteuerseminar auf Betriebshörigkeit gedrillt – und beim „Management Assessment“ durch Beraterfirmen werden menschliche Ressourcen auf ihr Verbesserungspotenzial hin abgehört, um in einer Talentdatenbank ihren „Wert“ abzuspeichern.
Der Mensch geistert als Variable der Gewinnmaximierung verloren durch sterile Unternehmenswelten, die auch virtuelles Wohnzimmer sein sollen. Zwischen atmosphärischen Aufnahmen der Unternehmensgebäude kommen vor allem die Vertreter der scheinbar einzigen Profiteure dieses Systems zu Wort: Beraterfirmen geben die Philosophie der schönen neuen Arbeitswelten vor, und es klingt ausnahmslos nach Schlagworten aus New-Age-Märchen, die durch englisches Kauderwelsch als internationale Wirtschaftsagenda getarnt sind. Oder, wie es hier heißt: die „Change story“ als „Fairytale“.
Work Hard – Play Hard. Dokumentarfilm von Carmen Losmann. Ab 22. 6.
Work Hard – Play Hard
21.06.2012 | 16:09 | von Christoph Huber (Die Presse - Schaufenster)
Menschliche Ressourcen
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