Senatsuntersuchung wegen Osama-Film von Bigelow

03.01.2013 | 18:21 |   (Die Presse)

Der Oscar-Favorit „Zero Dark Thirty“ von Kathryn Bigelow über die Jagd nach Osama bin Laden sorgt in den Vereinigten Staaten für Debatten. Nun prüft man: Haben CIA-Insider den Filmemachern zu viel verraten?

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In den USA sorgt Kathryn Bigelows Spielfilm „Zero Dark Thirty“ über die Jagd nach Osama bin Laden für Aufregung. Aber nicht etwa wegen seinen Favoritenstatus für die Oscar-Nominierungen nächste Woche. Die Kritikerhymnen für Bigelows fast dreistündige Schilderung einer Dekade von CIA-Operationen (von 9/11 zur Tötung bin Ladens 2011) wurden in US-Medien rasch von einer anhaltenden Kontroverse um ihre Darstellung von Folter verdrängt.

Politische Kommentatoren warfen Bigelow und ihrem Drehbuchautor Mark Boal vor, „Zero Dark Thirty“ sei ein Pro-Folter-Film: Darin stößt der CIA durch Einsatz sogenannter „enhanced interrogation techniques“ – inklusive ausgiebigen Waterboardings – auf eine entscheidende Spur (der Film zeigt auch, dass der CIA die Information bereits anderwertig besaß, was in den erhitzten Debatten meist ignoriert wurde).

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Selbst der CIA-Chef schaltete sich ein

Endgültig zum Politikum wurde der Film am 19. Dezember. In einem Brief an den Chef der Produktionsfirma Sony verlieh ein ungewöhnliches Triumvirat von US-Senatoren – die Demokraten Dianne Feinstein und Carl Levin sowie der ehemalige republikanische Präsidentschaftskandidat John McCain – der „tiefen Enttäuschung über den Film“ Ausdruck: Er sei fehlerhaft und grob irreführend, da er suggeriere, dass die Information über bin Ladens Aufenthaltsort durch Folter erhalten wurde. Feinstein und Levin verwiesen auf eine gegenteilige Studie ihres Senatskomitees: „Zero Dark Thirty“ jedoch erhalte den Mythos aufrecht, dass Folter ein effektives Mittel sei.

Bigelow und Boal beharrten weiter darauf, ihr prozessorientierter Film sei apolitisch: Folter sei ein wichtiger Teil der Operation gewesen, es werde gezeigt, wie die brutale Behandlung wahre und falsche Informationen produziere. Doch CIA-Chef Michael Morell sah sich am 22. Dezember zu einer Presseaussendung genötigt: „Sonst kommentiere ich keine Hollywoodfilme“ – aber Bigelow und Boal nähmen sich erhebliche künstlerische Freiheiten, während sie historische Faktentreue behaupteten. Der CIA hätte jedenfalls „keine Kontrolle über das Endprodukt gehabt“, auch wenn er bei der Produktion etwas geholfen hätte.

Vor Filmstart hatten die Republikaner im Wahlkampf „Zero Dark Thirty“ deshalb attackiert: Es sei ein Pro-Obama-Propagandafilm, von dessen Administration unterstützt. Diesen Mittwoch wurde annonciert, dass in einer Senatsuntersuchung geklärt werden soll, wie eng diese Zusammenarbeit war. Man sorgt sich wegen eines Sicherheitsrisikos: Haben Agenten und Beamte des Verteidigungsministeriums gegenüber den Filmemachern zu viel ausgeplaudert? Gegen Staatssekretär Michael Vickers wird deshalb bereits ermittelt. hub

("Die Presse", Print-Ausgabe, 04.01.2013)

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2 Kommentare

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Ein Streit darüber....

... wer mehr Recht auf Geschichtsverfälschung hat ...

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