Daniel Day-Lewis: Schwuler Punk, Mohikaner, US-Präsident

Golden Globe, Kritikerpreis, Screen Actor Guild Award ... Daniel Day-Lewis galt als haushoher Favorit auf den Oscar als Bester Hauptdarsteller. Und er bekam ihn auch. Diesmal ging er als der ikonische Abraham Lincoln ins Rennen. Um die Dreharbeiten zu Steven Spielbergs "Lincoln" ranken sich einige Mythen, denn Day-Lewis ist nicht nur ein Ausnahmeschauspieler, er ist auch außergewöhnlich konsequent in seiner Methode, sich Rollen eigen zu machen.
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Während der Dreharbeiten schlüpfte der Brite nicht nur in seine Rolle, er war Lincoln. Auch Regisseur Steven Spielberg nannte ihn "Mr President". Wobei er sagte: "Und es war meine Idee, alle Schauspieler mit ihren Rollennamen anzusprechen."

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Der Film war mehr als zehn Jahre in Arbeit. Spielbergs Studio DreamWorks hatte sich 2001 die Rechte an der damals noch unveröffentlichten Lincoln-Biografie "Team of Rivals" von Doris Kearns Goodwin gesichert. Schon damals hatte Spielberg Day-Lewis als Favorit für die Rolle ausgemacht.c AP David James

Doch der Schauspieler schickte dem Regisseur eine Absage - per Brief. Leonardo DiCaprio, mit dem Day-Lewis in "Gangs of New York" gespielt hatte, überredete ihn schließlich, zumindest das Drehbuch von zu lesen. Immerhin stammt das von Broadway-Experte Tony Kushner. Day-Lewis gefiel's. Der Beginn einer erfolgreichen Zusammenarbeit.(c) AP (Kevin Lynch)

Der 55-Jährige ist sehr selektiv in seiner Rollenwahl. Nur alle paar Jahre kommt ein Film mit dem irisch-britischen Mimen ins Kino. Anders als andere Schauspiel-Kollegen legt Day-Lewis keinen Wert darauf, in vielen Filmen mitzuspielen. "Es ist ein Privileg, wenn man das tun kann", sagte er. "Aber für mich hätte das zwei Seiten: Ich könnte nicht das Leben mit meiner Familie führen, wie ich es jetzt tue."(c) REUTERS (Carlo Allegri / Reuters)

Privatleben, das heißt für ihn eine Farm in einer ländlichen Berggegend in Irland, fünf Meilen vom nächsten Dorf entfernt. Verheiratet ist er mit Rebecca Miller, der Tochter des Schriftstellers Arthur Miller und der Fotografin Inge Morath. Mit ihr hat er zwei Söhne, den 14-jährigen Ronan Cal und den zehnjährigen Cashel Blake. Aus einer früheren Beziehung mit Isabelle Adjani stammt Sohn Gabriel-Kane (17).(c) REUTERS (© Kevin Coombs / Reuters)

Day-Lewis hat den Ruf, sich teils jahrelang auf eine Rolle vorzubereiten. Für "Lincoln" soll er monatelang den Amerikanischen Bürgerkrieg in seinem Wohnzimmer nachgestellt haben. Selbst seine Söhne, so das Gerücht, dürften ihn in dieser Phase dann nur mit dem Rollennamen ansprechen.(c) REUTERS (© Yiorgos Karahalis / Reuters)

Er selbst nimmt Gerüchte um seine Exzentrik gelassen: "Beim Dreh (zu "Lincoln", Anm.) hatte ich einen 75-jährigen Fahrer, der ein bisschen nervös war", erzählte Day-Lewis im "Presse"-Interview. "Wir haben uns dann gut verstanden, und ich sagte zu ihm: 'Nimm mal dein Team auf den Arm. Erzähl ihm, ich würde darauf bestehen, dass du einen Kutscherführerschein machen sollst, damit ich jeden Tag mit den Pferden arbeiten kann.'"(c) AP (Kevork Djansezian)

Seinen Ruf als Ausnahmeschauspieler begründete Day-Lewis in "Mein wunderbarer Waschsalon" (My Beautiful Laundrette) von 1985. Darin spielte er einen obdachlosen schwulen Punk, der gemeinsam mit einem heruntergekommenen pakistanischen Journalisten einen Waschsalon eröffnet - aus den Freunden wird ein Liebespaar.

"Mein wunderbarer Waschsalon" öffnete Day-Lewis die Türen zu weiteren wichtigen Produktionen: In "Zimmer mit Aussicht" (1985) spielte er eine wichtige Nebenrolle.

In der Milan-Kundera-Verfilmung "Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins" (1988) übernahm er die Hauptrolle - und spielte einen von Juliette Binoche und Lena Olin hin- und hergerissenen Arzt zur Zeit des Prager Frühlings.(c) Reuters

Seinen endgültigen Durchbruch feierte Day-Lewis mit "Mein linker Fuß" (1989): Darin spielte er den fast vollständig gelähmten Christy Brown, der schließlich ein erfolgreicher Schriftsteller und Maler wurde. Für diese Darstellung lernte Day-Lewis, mit seinen Zehen zu malen. Während der Dreharbeiten ließ er sich in einem Rollstuhl herumfahren.

Der Schauspieler wurde von einem regelrechten Preisregen überschüttet: Neben diversen Kritikerpreisen bekam er auch seinen ersten Oscar als Bester Hauptdarsteller.

Der echte Christy Brown erlebte den Erfolg nicht mehr. Er war 1981 gestorben.(c) Reuters (© Blake Sell / Reuters)

Michael Mann verfilmte die berühmte Erzählung von James Fenimore Cooper: "Der letzte Mohikaner" (1992). Das Kolonialkriegsepos spielt im Jahr 1757, Kritiker monierten, dass sich der Regisseur mehr auf die Action konzentrierte als auf die psychologische Entwicklung oder die Liebesgeschichte zwischen dem bei den Indianern aufgewachsenen Weißen Hawkeye (Day-Lewis) und der Offizierstochter Alice Munro (Jodhi May).(c) ORF (-)

Eine starke Performance lieferte Day-Lewis auch im IRA-Drama "Im Namen des Vaters" (1993) mit Emma Thompson als Anwältin. Als Gerry Conlon sitzt er fünfzehn Jahre unschuldig im Gefängnis, auch sein Vater (Pete Postlethwaite) wird verhaftet und stirbt während seines Gefängnisaufenthalts.
Jim Sheridans Film basiert auf einer wahren Geschichte der sogenannten Guildford Four und holte 1994 den Goldenen Bären auf der Berlinale.

Nur zwei weitere Filme drehe Day-Lewis in den 1990ern: Die Arthur-Miller-Verfilmung "Hexenjagd" (1996) und ...(c) REUTERS (© Reuters Photographer / Reuters)

... "Der Boxer" (1997), ein weiteres Nordirland-Drama von Jim Sheridan. Für "Der Boxer" trainierte er drei Jahre lang sieben Mal die Woche zweimal täglich mit dem ehemaligen Federgewicht-Weltmeister Barry McGuigan. Der sagte, Day-Lewis hätte ins Profi-Geschäft einsteigen können. Der Schauspieler wurde mit einer Golden Globe Nominierung belohnt.

2002 feierte er seinen bis dahin wohl größten Erfolg: In Martin Scorseses "Gangs of New York" mimte er den brutalen Schläger und Gang-Boss Bill 'The Butcher' Cutting - den Gegenspieler von Leonardo DiCaprio.(c) EPA (Mario Tursi)

Die Liste seiner Auszeichnung für "Gangs of New York" ist lang, darunter der britische Bafta-Award. Beim Oscar stach ihn allerdings Adrien Brody in "Der Pianist" aus.(c) Toby Melville / Reuters

Als wengier preisverdächtig erwies sich "The Ballad of Jack and Rose" (2005), bei dem Day-Lewis' Ehefrau Rebecca Miller Regie führte. Er spielte einen Todkranken, der gemeinsam mit seiner Tochter auf einer Insel lebt, und in dessen Leben plötzlich eine Frau (Catherine Keener) tritt. Die "Washington Post" nannte die Darstellungen "grandios", der Film selbst eher missglückt.(c) AP (NICOLE RIVELLI)

Für seine Rolle als fanatischer Ölmagnat in Paul Thomas Andersons "There Will Be Blood" (2007) heimste Day-Lewis zahllose Auszeichnungen ein, darunter alle bedeutenden Schauspieler-Preise, vom Screen Actors Guild Award bis zum Golden Globe. In dem dreistündigen Epos spielte er virtuos den berechnenden, erfolgssüchtigen und emotional erkalteten Ölsucher Daniel Plainview.(c) AP (Melinda Sue Gordon)

Für "There Will Be Blood" erhielt er den Hauptdarsteller-Oscar. Der 55-Jährige selbst gab sich vor den Oscars bescheiden. "Es war ein Schauspieler, der Abe Lincoln ermordet hat", so Day-Lewis scherzhaft bei seiner Dankesrede der diesjährigen Awards des Schauspielerverbands ("Screen Actors Guild"). "Also ist es nur passend, wenn ein Schauspieler ab und an versucht, ihm wieder Leben einzuhauchen." Nun hat er als erster Schauspieler drei Oscars in der Hauptrollen-Kategorie bekommen.(c) REUTERS (© Mike Blake / Reuters)
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