Michael Haneke bringt "Amour" zu den Oscars

10.01.2013 | 18:28 |  CHRISTOPH HUBER (Die Presse)

Sensationserfolg für den Österreicher Haneke: Sein Film "Amour" rittert um fünf Oscars, auch als bester Film und in anderen Hauptkategorien. Er schließt damit zu Kinokünstlern wie Ingmar Bergman auf.

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Einen sensationellen Erfolg durfte der Österreicher Michael Haneke mit seinem Film „Amour“ bei der Bekanntgabe der Oscar-Nominierungen am Donnerstag in Los Angeles verbuchen: Für fünf Oscars ist Hanekes Kammerspiel über Liebe und Tod nominiert, darunter in vier der Hauptkategorien. „Amour“ ist unter den neun Kandidaten, die heuer als bester Film nominiert sind, Haneke ist außerdem als bester Regisseur und bester Drehbuchautor eines Originalstoffs im Rennen, seine Aktrice Emmanuelle Riva als beste Hauptdarstellerin.

 

Haushoher Auslandsoscar-Favorit

Außerdem ist „Amour“ auch noch als bester fremdsprachiger Film nominiert: Beim Auslandsoscar gilt Hanekes Werk als haushoher Favorit, nachdem es überraschenderweise sein vermuteter Hauptkonkurrent, der französische Kassenschlager „Ziemlich beste Freunde“, nicht in die Endauswahl geschafft hat. Nicht ohne Ironie ist dabei, dass auch „Amour“ ein französischsprachiger Film ist: Auf dem Weg zur internationalen Marke im internationalen Kunstkino war die Grande Nation ein wesentlicher Faktor für Haneke. Der österreichische Regisseur hat seine „große Bewunderung für die französische Kultur“ öfter bekundet. Nachdem er im österreichischen TV und Kino seinen unverwechselbaren Stil entwickelt hat und zur Festivalfixgröße wurde, verdankt er seinen internationalen Siegeszug in den letzten 15 Jahren nicht zuletzt französischen Koproduktionen wie „Die Klavierspielerin“ (2001) und „Caché“ (2006).

Schon 2010 war Hanekes deutsche Kindergeschichte „Das weiße Band“ als bester fremdsprachiger Film im Rennen. Doch der Erfolg von „Amour“ hat eine neue Dimension. Bei der Uraufführung in Cannes 2012 holte Haneke damit die Goldene Palme, zahlreiche weitere Auszeichnungen folgten. Die fünf Nominierungen in Spitzenkategorien sind aber ein noch nie da gewesener Oscar-Triumph nach österreichischen Maßstäben und auch im gesamteuropäischen Kontext eine Leistung, wie es sie seit Jahrzehnten nicht mehr gegeben hat. Denn Hollywoods Academy, von der die Oscars vergeben werden, steht schon länger im Ruf, sich ganz gefälligem Mainstream-Kino zugewandt zu haben. Filme, die nicht englischsprachig sind, kommen in Hauptkategorien selten zum Zug. Und mit dem Sterbehilfethema und der gewohnt reduzierten Inszenierung ist Hanekes anspruchsvolles Kunststück im Kontext ungewohnt schwierige Kost.

Um Vergleichbares in den Oscar-Annalen zu finden, muss man in die Hochblüte des europäischen Kunstfilms zurückgehen, zu Galionsfiguren wie dem Schweden Ingmar Bergman. Dieser brachte es mit „Schreie und Flüstern“ auch auf Nominierungen beim besten Film sowie als bester Regisseur und Drehbuchautor. Im Jahr 1974!

Kräftemessen mit Spielberg

So wird Haneke bei der Oscar-Gala – fast genau einen Monat vor seinem 71.Geburtstag – am 24.Februar mit Hollywood-Größen wie Steven Spielberg zum Kräftemessen antreten. Und einen Tag davor ist die Premiere seiner Madrider Operninszenierung von „Così fan tutte“, die er bis vor Kurzem vorbereitet hat. Nun ist er schon nach Los Angeles aufgebrochen. Noch eine Ironie: Ausgerechnet Haneke, der sich in Wort und Werk immer wieder gegen den Eskapismus der Traumfabrik gewendet hat, könnte jetzt in Hollywood seinen allergrößten Erfolg feiern.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.01.2013)

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42 Kommentare
 
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wenn er gewinnt sind wir dann OSCAR ?

wünsche herrn haneke und seinem team, den schauspielern alle 5 oscars und fürchte mich vor den österreichischen druck medien und deren geschreibe, geheule, geschleime.

Ehre wem Ehre gebürt.

Eine deutsch/österreichische Produktion rockt Hollywood.
Etwas befremdlich hingegen war der Kommentar eines - wohl eher ungebildeten - Amerikaners,der meinte, das letzte, was Österreich und Deutschland gemeinsam zustande gebracht hätten wäre "Hitler"gewesen. Das hat mit "witzeln" nichts zu tun.

Falls Haneke den Oscar gewinnt

freue ich mich schon auf die verschiedenen Nationalitäten die er am nächsten Tag annehmen wird, je nachndem wie's dem Land passt.

fein, freu mich für Haneke

aber was hat Österreich damit zu tun? der mistigen filmförderung zum trotz hat er es geschafft, weil er der Haneke ist, und nicht weil er österreicher ist!

Re: fein, freu mich für Haneke

der film ist eine europäische co-produktion. den kleinsten anteil hat daran der ORF! wenn schon ein "nationaler" erfolg, dann einer Europas! und so soll es auch sein! zeit, dass die EU den bereich kultur stärker ins visier nimmt und besser dotiert! etwas besseres als völkerverbindende kulturprojekte kann es nämlich nicht geben!

haneke

Bravo Haneke, denn die kulturelle Grundbildung kommt aus Österreich!

Re: haneke, kulturelle Grundbildung aus Österreich!?

Die sonst so geschmähten "Staatskünstler", auch "Partei..."?

Uhi!!!!

Haneke wird immer erfolgreicher, und somit immer mehr zum Österreicher!
Ich dachte der lebt schon lange in Frankreich?

Re: Uhi!!!!

Glaube nicht, dass er in Frankreich wohnt, da ich ihn schon öfters auf der Josefstädter Straße und im Cafe Eiles gesehen habe.

Re: Uhi!!!! Haneke wird immer erfolgreicher, und somit immer mehr zum Österreicher!

Nicht nur, Österreich hat für viele Platz; auch weniger Erfolgreiche finden uns wieder: es gibt zumindest ein(en) Muster!
.
Mich wundert nur, dass eine große kulturschaffende Nation schon über eine Nominierung "standig" übt?

Höchste Zeit!

Endlich mal ein Hauch von Film Noir in Hollywood made by Austria.

Re: Höchste Zeit!

Film Noir?

Re: Re: Höchste Zeit!

Ja, du jast richtig gelesen. Hier ein paar Infos, falls dir dieser Begriff nicht geläufig ist: http://www.time.com/time/magazine/article/0,9171,1940236,00.html

lg

Super!

Ich drücke für beide Herren die Daumen!!! And the Oscar goes 2...

Re: Super! "And the" in Paris? ... et l'

Ein europäisches Kauderwelsch, weil alle meinen, dt. ist nicht in!

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Alles Gute

Ich wünsche unseren beiden Beiträgen viel Erfolg. Vielleicht ist es ein neuer Impuls mehr Filme in Europa zu drehen und nicht ausschließlich die Hollywood-Schinken in den Kinos zu präsentieren.

Re: Alles Gute

Sagen Sie das Frau Schmied, die erstens den Förderjungel nicht verbessert hat, und es zweitens nicht mal als nötig erachtet nach Cannes zu fliegen wenn ein Österreicher die halbe Trophäensammlung einpackt...

wenn sich die dann auch noch sonnt

im Erfolg, der mit ihr nichts zu tun hat, dann waere es noch schlimmer.

sehr cool

DAS ist wirklich sensationell für Haneke. leider werden wich jetzt irgendwelche politfuzzis damit brüsten obwohl es alleine sein verdienst ist.

Dieses Mal gehen Michael Haneke und sein ausgezeichneter Film nicht leer aus!

Ich spüre, dass er heuer endlich für sein Schaffen belohnt wird!

Bei Christoph Waltz bin ich nicht so sicher, weil er schon einen Oscar erhielt vor nicht allzu langer Zeit. Aber er ist ein Spitzenschauspieler! Daumen drücken!

Re: ... schon einen Oscar?

:-o

Re: Re: ... schon einen Oscar?

Christoph Waltz ist mir das erste Mal vor vielen Jahren im Film "Der Kandidat" aufgefallen. Und ganz ehrlich, die Realität hat den Film noch überboten!

Re: Re: Re: ... im Film "Der Kandidat"

Und "der Kandidat" war der Oskar?

Spannend!

0

Re: Re: Re: Re: ... im Film "Der Kandidat"

Bitte vor dem Posten besser informieren, 2010 Oscar für "Inglourious Basterds".

Re: Re: Re: Re: Re: ... im Film ... besser informieren:

Ich meinte, mein Spott für diese Menschen, die sich selbst Ihre Auszeichnung und Ehrungen schneidern, wäre herauszuhöhren; da lobe ich mr ja noch unsere Künstler, welche wenigstens der HBP zu "Kammer...lerInnen" macht!

Hitler?

Ist das letzte was Ö und D zusammen produziert hat?

Und das findet die Presse witzig? Bodenlose Frechheit ist das!

 
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