Antiquitäten, Café und Cantinetta: Ein Streifzug durch Hanekes Wien

23.02.2013 | 18:37 |  von Köksal Baltaci (Die Presse)

Regisseur Michael Haneke mag ein Kosmopolit sein. Die meiste Zeit des Jahres verbringt er aber nach wie vor in Wien - wo man gute Chancen hat, ihm über den Weg zu laufen.

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Als Michael Haneke von Frankreich für seine filmische „Suche nach der Wahrheit“ zum „Commandeur dans l'ordre des Arts et des Lettres“ (Mitglied des Ordens der Künste und Literatur) ernannt wurde, sprach er von seiner „langen Liebesbeziehung zu Frankreich“. Auch mit Deutschland verbindet den Regisseur nicht nur der Geburtsort München. Er müsse sich bedanken, sagte er im Dezember, als er das Verdienstkreuz Erster Klasse des Verdienstordens der Bundesrepublik erhielt. Schließlich habe er seine berufliche Grundausbildung in Deutschland genossen, bevor er in Österreich mit dem Kinofilm begann.

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Dennoch fühlt sich Haneke, dessen neuer Film „Liebe“ bei der Oscar-Verleihung in der Nacht auf Montag in fünf Kategorien nominiert ist, durch und durch als Wiener. Hier verbringt er die meiste Zeit des Jahres. Seine Frau Susanne, mit der er seit 1983 liiert ist, betreibt in der Josefstädter Straße im achten Bezirk ein Antiquitätengeschäft („Susie Altes und Neues“). In unmittelbarer Nähe wohnt das Paar auch.

Wiener haben also gute Chancen, Haneke über den Weg zu laufen – beispielsweise im Café Eiles (ebenfalls in der Josefstädter Straße), das zusammen mit dem Bräunerhof im ersten Bezirk (Stallburggasse) sein Stammcafé ist. Im Eiles finden auch die meisten Medientermine mit dem Filmemacher statt.


Auch, um seine Lieblingsrestaurants zu besuchen, muss der 70-Jährige nicht allzu weit gehen. Etwa die Pizzeria Il Mare in der Zieglergasse im siebten Bezirk, in die er dem Restaurantchef zufolge mindestens einmal in der Woche essen geht – wenn er denn gerade in Wien weilt. Seine Lieblingsspeise: Spaghetti al olio. Überhaupt hat es Haneke die italienische Küche angetan, weswegen er auch regelmäßig in der Cantinetta Antinori in der Jasomirgottstraße im ersten Bezirk gesehen wird. Hier taucht er oft gemeinsam mit André Heller auf und lässt sich am liebsten diverse Trüffelgerichte servieren.

Und wenn es einmal ein traditionelles österreichisches Gericht sein soll, zieht es ihn in Plachuttas Gasthaus zur Oper in der Walfischgasse, wo er am liebsten einen Schweinsbraten oder ein Wiener Schnitzel bestellt.

Wenn er nicht gerade dreht, schreibt oder Auszeichnungen entgegennimmt, lehrt Haneke an der Filmakademie der Universität für Musik und darstellende Kunst in der Metternichgasse im dritten Bezirk. Dort ist er seit 2002 Lehrbeauftragter für das Fach Regie und nimmt seine Tätigkeit sehr ernst, wie seine Kollegen und Studenten beim Lokalaugenschein wiederholt betonen. Und kleine Anekdoten über Eigenheiten haben sie auch parat.

So habe der Professor ständig Angst davor, mit Krankheiten angesteckt zu werden. In seiner Nähe zu niesen sei absolut tabu. Seine Sorge gehe sogar so weit, dass Haneke einen seiner behandelnden Ärzte, der auch ein guter Freund von ihm ist, mit auf die Oscar-Verleihung nehme. Eigenschaften, die ihn sympathischer und menschlicher machen. Wie etwa auch sein extremer Wiener Neustädter Dialekt, den er besonders in vertrauten Kreisen an den Tag legt. In Wiener Neustadt wuchs der Sohn einer österreichischen Schauspielerin und eines deutschen Regisseurs auf. Erst später ging er nach Wien, um Philosophie und Psychologie zu studieren.

Viel Zeit verbringt Haneke auch im Filmkopierwerk Listo Videofilm in der Gumpendorferstraße in Mariahilf, wo die Postproduktion seiner Filme zum größten Teil stattfindet. Seine über Koproduktionen realisierten Filme werden in Österreich seit jeher von der Produktionsfirma Wega Film in der Hägelinggasse im 14. Bezirk betreut. Geschäftsführer Veit Heiduschka und Herstellungsleiter Michael Katz sind mit Haneke nach Los Angeles zur Oscar-Verleihung geflogen.

Demnächst werden im Übrigen auch Waldviertler öfter die Gelegenheit haben, Haneke zu treffen. Er erwarb nämlich vor Kurzem Schloss Meires und kündigte an, dort mit seiner Frau künftig mehr Zeit zu verbringen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 24.02.2013)

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