Verflixter goldener Mann: Der Oscar-Fluch

Viele Stars hatten kein Glück mit der berühmten Trophäe. Nach dem Oscar kam der Abstieg: die Karriere knickte ein und die (Ehe-)Partner suchten das Weite. Der Oscar-Fluch habe zugeschlagen, heißt es dann in Hollywood. Die Mär vom goldenen Unglücksbringer ist fast so alt wie der Oscar selbst.(c) REUTERS (JOHN GRESS)

Die erste, die der Oscar-Fluch traf, war die aus Deutschland emigrierte Schauspielerin Luise Rainer. Die große Stärke der Schauspielerin, die auch in Österreich spielte: Wenn sie ihre Tränen hinter einem Lächeln verbarg. Zwei Mal erhielt die als "Viennese Teardrop" bekannte Darstellerin die Trophäe - 1936 im Musical "Der große Ziegfeld" und 1937 in "Die gute Erde".

Dann ging es steil bergab: Sie lehnte Rollen in "Wem die Stunde schlägt" und "La Dolce Vita" ab, zog sich ins Privatleben zurück. Nur zehn Filme drehte die heute 100-Jährige seit dem zweiten Oscar.(c) Wikimedia Commons

Adrien Brody

Seinen Durchbruch feierte der New Yorker mit "Der schmale Grat" von Terrence Malick. Vier Jahre später gab ihm Roman Polanski die Rolle seines Lebens: Den polnisch-jüdischen Pianisten Wadysaw Szpilman, der sich im Warschauer Ghetto vor den Nazis versteckt und nur knapp überlebt.

Drei Oscars gab es für das Holocaust-Drama: Adrien Brody erhielt den Oscar als Bester Hauptdarsteller. Die Sensation: Er war damals erst 29 Jahre alt und somit der jüngste Schauspieler, der mit dem Oscar ausgezeichnet wurde.(c) AP (MARK J. TERRILL)

Adrien Brody

Nach "Der Pianist" ging es erst einmal steil bergab: Er spielte im Horrorfilm "The Village" und versuchte sich als Actionheld in Peter Jacksons Version von "King Kong". Schlechte Rollenwahl oder der Versuch, sich nicht festlegen zu lassen? Egal. Erst in Wes Andersons "The Darjeeling Limited" schienen Rolle und Schauspieler wieder zusammenzupassen. Langsam geht es wieder aufwärts.(c) REUTERS (SHANNON STAPLETON)

Charlize Theron

Als schönes Beiwerk in auf Männer zentrierten Filmen wurde die Südafrikanerin Charlize Theron bekannt. Erst als hässliche Mörderin gewann sie die Kritiker für sich: In "Monster" verkörperte Theron die erste weibliche Serienmörderin.(c) EPA (Brendan Mcdermid)

Ihr erster Film nach der Auszeichnung, "Head in the Clouds", war ein voller Flop, wurde von Kritikern zerrissen und vom Publikum gemieden. Sie wechselte das Medium und spielte in dem Fernsehfilm "The Life and Death of Peter Sellars" Britt Ekland mit Erfolg. In "Kaltes Land" holte sie die Kritiker wieder auf ihre Seite und wurde erneut für den Oscar nominiert, in "Hancock" landete sie wieder einen veritablen Kassenerfolg.(c) AP (Joel Ryan)

Cuba Gooding Jr.

Mit dem Überraschungserfolg "Boyz n the Hood" wurde der New Yorker Musikersohn zum Hollywoodstar. Als eigenwilliger Football-Star Rod Tidwell stellte er in "Jerry Maguire" den eigentlichen Star des Films, Tom Cruise, in den Schatten. Dafür gewann er den Oscar als Bester Nebendarsteller, sein Sager "Show Me The Money" ist in den allgemeinen Wortschatz eingegangen.(c) Reuters (Sam Mircovich)

Seither ist Cuba Gooding Jr. vor allem in mittelmäßigen bis schlechten Filmen zu sehen: "Boat Trip", "Pearl Harbor" oder "Der Kindergarten-Daddy 2". An seinen Oscar-Erfolg konnte er bis heute nicht anschließen, große Rollen sind nicht in Sicht.(c) REUTERS (LUCAS JACKSON)

Geena Davis

Für ihre Darstellung einer lebenslustigen Hundetrainerin in "Die Reisen des Mr. Leary" gewann Geena Davis 1989 den Oscar. Zwei Jahre später hätte sie es mit "Thelma und Louise" fast noch einmal geschafft. Ihr damals noch kaum bekannter Film-Lover: Der junge Brad Pitt. Während seine Karriere abhob, versandete die von Davis.(c) AP (REED SAXON)

Als "Piratenbraut" und in "Tödliche Weihnachten" versuchte sie sich als Action-Star, als das nicht klappte, sattelte Geena Davis kurzerhand um. 1999 wäre sie fast als Bogenschießerin in das Olympia-Team der USA aufgenommen worden.

Schauspielerisch gab es erst 2005 wieder einen Erfolg: David mimte in "Commander in Chief" die erste weibliche Präsidentin und wurde dafür mit dem Golden Globe ausgezeichnet. Die Serie wurde allerdings nach einer Staffel wieder eingestellt.(c) AP (ROB GRIFFITHS)

Gwyneth Paltrow

Als Tochter von Produzent Bruce Paltrow und Schauspielerin Blythe Danner war schnell klar, in welche Branche Gwyneth Paltrows einsteigen würde. Als 19-Jährige spielte sie die junge Wendy in Steven Spielbergs "Hook", später machte sie als Langzeit-Freundin von Brad Pitt Schlagzeilen. Ihren weltweiten Durchbruch auf der Leinwand feierte die Kalifornierin als Geliebte des größten Dichters aller Zeiten in "Shakespeare in Love". Der Film wurde zum Überraschungserfolg und gewann 1998 sensationelle sieben Oscars. Die damals 26-Jährige freute sich so über ihre Auszeichnung, dass sie auf der Bühne vor Tränen kaum ein Wort herausbrachte. Diese Dankbarkeit hielt nicht an.(c) REUTERS (Reuters)

"Ich wurde über Nacht zur Schauspielerin, die keiner mehr sehen sollte", sagte Gwyneth Paltrow später. Sie drehte niveaulose Komödien wie "Schwer verliebt" und "Austin Powers in Goldständer", eine künstlerische Herausforderung kam erst wieder 2003 mit "Sylvia", in dem sie Sylvia Plath spielte. Kommerziell konnte sie vor wenigen Jahr mit "Iron Man" punkten, in dem sie Assistentin "Pepper" Potts spielt. Die zweifache Mutter weiß heute: "Ich halte es für ungesund, so wie ich mit 26 auf dem Höhepunkt seines Erfolges zu stehen."(c) REUTERS (Stephen Hird / Reuters)

Halle Berry

Die erste schwarze Oscar-Preisträgerin hatte es nicht leicht: Aufgewachsen in einer weißen Nachbarschaft musste sie lernen, sich gegen rassistische Angriffe zu wehren. Als Schauspielerin wurde die ehemalige "Miss Ohio" anfangs nur als hübsches Gesicht in Nebenrollen besetzt. In ihrer ersten Charakterrolle verkörperte sie die US-Schauspielerin udn Sängerin Dorothy Dandridge, mit "X-Men" und "Passwort: Swordfish" überzeugt sie an den Kinokassen. Und dann kam "Monster's Ball".(c) AP (MARK J. TERRILL)

In Marc Fosters Independentfilm spielte sie eine Mutter, die sich in den Henker ihres Mannes verliebt. Dafür gab es den Oscar - als erste Schwarze wurde sie in der Kategorie Beste Hauptrolle augezeichnet. Ihr erster Auftritt nach "Monster's Ball" zeigt nicht gerade gute Rollenwahl: Sie wurde Bond-Girl. Nicht gerade eine schauspielerische Herausforderung. Drei Jahre nach dem Oscar bekam sie den Anti-Oscar verliehen: Für die schlechteste schauspielerische Leistung in dem Flop "Catwoman" bekam sie eine Goldene Himbeere. Große Erfolge hatte sie seither nicht.(c) � Robert Galbraith / Reuters

Helen Hunt

Die Kalifornierin startete mit der Serie "Verrückt nach Dir" durch und erhielt sogar drei Grammys. Auf die Leinwand kam sie spät: In dem Actiofilm "Twister" flüchtete sie 1996 vor einem Wirbelsturm. Ihre erfolgreichste Rolle war aber die der alleinerziehenden Kellnerin Carol an der Seite von Jack Nicholson in "Besser Geht's Nicht", für die sie 1998 mit dem Oscar augezeichnet wurde.(c) AP (MARK J. TERRILL)

Richtig gute Rollenangebote blieben aber aus. In "Verschollen" mimte Helen Hunt Tom Hanks Freundin, in "Was Frauen Wollen" las Mel Gibson ihre Gedanken. Ihr letzter großer Film kam 2001 in die Kinos: "The Curse of the Jade Scorpion". Seitdem ist sie wieder nur in wenig prominenten Nebenrollen zu sehen. Sie konzentrierte sich auf ihre Mutterrolle und versuchte sich 2007 in "Then She Found Me" erstmals als Regisseurin.(c) AP (Reed Saxon)

Mira Sorvino

Ihr zweiter Film ist auch ihr berühmtester: als Prostituierte Linda Ash in dem Woody-Allen-Streifen "Geliebte Aphrodite" überzeugte sie die Jury. Die Filme, die nach dem Oscar kamen, waren aber alles andere als überzeugend.(c) Reuters (Blake Sell)

In der Komödie "Romy und Michele" mimte Mira Sorvino ein blondes Dummchen, für den TV-Sender HBO spielte sie Marilyn Monroe. Inzwischen ist sie hauptsächlich in Low-Budget- und Independent-Filmen zu sehen. An den Erfolg von "Geliebte Aphrodite" kam sie sie bis heute nicht annähernd heran.(c) AP (DAN STEINBERG)

Tatum O'Neal

Mit zehn Jahren gewann Tatum O'Neal den Oscar für "Paper Moon", in dem auch ihr Vater Ryan mitspielte. Das war 1974. Seitdem ist das Leben der Amerikanerin ein ständiges Auf und Ab. Mit 13 schrieb sie ihre Biografie, in der sie von Opium-Rauchen und Orgien in Paris berichtete. Die Drogen ließen sie nicht wieder los.(c) AP

1986 heiratete Tatum O'Neal den Tennis-Star John McEnroe, mit dem sie drei Kinder hat. Nach der Scheidung 1994 rutschte die Schauspielerin wieder ab - ein Kreislauf aus Drogen und Entzug folgte.

Erst im Juni 2008 wurde sie erneut verhaftet, als sie in der Nähe ihrer Wohnung Crack kaufte. Ihre Karriere ist längst ins Stocken geraten, sie hat seit dem Oscar nur eine Handvoll Filme gedreht. Zuletzt spielte sie in der Serie "Wicked Wicked Games" mit. Aber das ist auch schon zwei Jahre her.(c) AP (Evan Agostini)

Olympia Dukakis

Sie gilt als Parade-Beispiel für den Oscar-Fluch: Nach dem Oscar für die "Beste Nebenrolle" im Film "Mondsüchtig" ging Olympia Dukakis für ihre Parts in "Magnolien aus Stahl" oder "Geliebte Aphrodite" leer aus. Bis im Jahr 1989, als ein Einbrecher den goldenen Mann aus ihrer Küche stahl. Danach kamen die Preise wieder: Dukakis streifte drei Emmy-Awards für drei TV-Serien ein.

Für Dukakis trotzdem kein Grund, an den Oscar-Fluch zu glauben: "Vor dem Preis lebte ich mit Minus am Konto, danach im Wohlstand!"(c) REUTERS (� ERIC THAYER / Reuters)

F.-Murray-Abraham

Der Karriereknick nach dem Oscar: Das Phänomen ist in Hollywoodkreisen übrigens auch als F.-Murray-Abraham-Syndrom bekannt. Der Schauspieler gewann 1984 den Oscar für "Amadeus", in dem er Mozarts Gegespieler mimte. Zum großen Star schaffte er es aber nie. F. Murray Abraham selbst hält den Oscar-Fluch übrigens für Schwachsinn: "Der Oscar war das wichtigste Ereignis in meiner Karriere. Ich habe mit Königen zu Abend gegessen, auf den gleichen Status wie meine Idole gestellt worden, habe in Harvard und auf der Columbia Vorlesungen gehalten. Wenn das ein Fluch ist, dann hätte ich bitte gerne zwei."(c) AP (JULIE JACOBSON)

Sandra Bullock

Der erste Oscar und dann kam die Scheidung: Als Sandra Bullock 2010 für ihre Rolle der liebevollen Mutter Leigh Anne Tuohy in "Blind Side" mit einem Oscar ausgezeichnet wurde, war sie auf dem Höhepunkt ihrer Karriere und "everybody´s darling". Doch kurz danach kam die Ernüchterung: Ihr Ehemann Jesse James, seines Zeichen als Moderator der TV-Show Monster Garage bekannt, hatte Bullock mit zahlreichen Affären betrogen. Die Schauspielerin blieb tapfer und reichte die Scheidung ein.(c) AP (Peter Kramer)

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