Junge Regisseure geben bei den Oscars den Ton an

Mit erst 37 Jahren könnte Barry Jenkins für "Moonlight" einen Oscar holen. Sein Konkurrent Damien Chazelle ist noch jünger. Vier der nominierten Regisseure sind zum ersten Mal dabei.

Filmmaker Barry Jenkins attends the 89th annual Academy Awards Oscar nominees luncheon at the Beverl
Schließen
Filmmaker Barry Jenkins attends the 89th annual Academy Awards Oscar nominees luncheon at the Beverl
Filmemacher Barry Jenkins – (c) imago/UPI Photo (imago stock&people)

Richtig wohl fühlt er sich im Rampenlicht wohl nicht. "La La Land"-Regisseur Damien Chazelle wirkt eher schüchtern und ein bisschen verlegen, wenn die Kameras auf ihn gerichtet sind. Für die Oscar-Nacht am Sonntag (Ortszeit) in Los Angeles sollte sich der 32-jährige Filmemacher wappnen - dort könnte er Geschichte schreiben und als jüngster Regisseur aller Zeiten mit einem Oscar gefeiert werden.

Sein Mitstreiter Barry Jenkins ist nur fünf Jahre älter. Mit dem Drama "Moonlight" inszenierte er ein bewegendes Porträt über die harte Kindheit und das Erwachsenwerden eines schwulen Afroamerikaners im Drogenmilieu von Florida. Auch der 37-Jährige könnte einen historischen Oscar-Sieg erringen und als erster schwarzer Regisseur Gold gewinnen.

Jenkins und Chazelle zählen zu der neuen, jungen Hollywoodgarde, die Veteranen wie Martin Scorsese (74, "Silence"), Clint Eastwood (86, "Sully"), Oliver Stone (70, "Snowden") und Steven Spielberg (70, "BFG - Big Friendly Giant") aus dem Rennen geworfen hat.

Nur Mel Gibston war schon dabei

Von den fünf Kandidaten in der Sparte "Beste Regie" sind in diesem Jahr vier zum allerersten Mal für den höchsten Regiepreis nominiert. Neben Jenkins und Chazelle sind das die - etwas älteren - Kenneth Lonergan (54) für das Drama "Manchester by the Sea" und der Kanadier Denis Villeneuve (49, "Arrival").

Mit Mel Gibson (61, "Hacksaw Ridge") ist nur ein Hollywood-Oldtimer dabei, der 1996 für "Braveheart" zum besten Regisseur gekürt wurde. Insider räumen Gibson in diesem Jahr aber kaum eine Chance ein.

Chazelle dagegen sollte eine Dankesrede für die Oscar-Bühne parat haben. Schließlich räumt er seit Monaten Preise ab: die begehrte Trophäe der US-Regisseursvereinigung DGA, den Regie-Preis bei den Baftas in London, den Golden Globe in Hollywood. "Das ist alles so surreal", stammelte er backstage bei der Globe-Verleihung Anfang Jänner. Doch er habe hart daran gearbeitet, die beschwingte Liebesromanze zwischen einem Jazz-Pianisten (Ryan Gosling] und einer angehenden Schauspielerin (Emma Stone) auf die Leinwand zu zaubern, versicherte der Harvard-Absolvent.

Hollywood-Hommage versus Sozialdrama

Chazelle, der auch ein passionierter Musiker ist, aber nach eigenen Angaben unter starkem Lampenfieber litt, gab erst vor zwei Jahren mit dem Musikdrama "Whiplash" seinen Hollywood-Einstand. Die nostalgische Musical-Hommage "La La Land", sein Herzensprojekt (auch das Oscar-nominierte Originaldrehbuch stammt von Chazelle), ist nun ein Volltreffer: Mit 14 Nominierungen der große Oscar-Favorit, mit über 340 Millionen Dollar Kinoeinnahmen weltweit auch der finanziell erfolgreichste Film der neun Anwärter in der Königskategorie "Bester Film".

Barry Jenkins drehte sein Sozialdrama "Moonlight" mit weniger bekannten Schauspielern und einem extrem kleinen Budget. Er selbst wuchs in einem ärmlichen, drogenverseuchten Schwarzenviertel in Miami auf, "Moonlight" ist sein zweiter Spielfilm. Jenkins ist wie Chazelle gleich für zwei Oscars nominiert, als Regisseur und Autor für das beste adaptierte Drehbuch.

Seinen Erfolg beschreibt er als "bittersüß". Nun höre er von Leuten aus seiner früheren Umgebung, die ihn als Vorbild und Inspiration für Veränderung ansähen, erzählte Jenkins dem Branchenblatt "Variety". Es sei eine "wunderbare Sache", wenn Menschen sich verwirklichen können. Doch es ist 2017, betont Jenkins. Erfolge schwarzer Filmemacher sollten längst selbstverständlich und nicht etwas Besonderes sein.

Regisseurin ist wieder einmal keine dabei

Auch ist es immer noch die Ausnahme, dass Frauen in der Regie-Sparte nominiert werden. 2017 ist wieder reine Männersache. Kathryn Bigelow ist Hollywoods einzige Oscar-prämierte Regisseurin. 2010 triumphierte sie mit dem Low-Budget-Film "Tödliches Kommando - The Hurt Locker". Vor ihr wurden erst drei Frauen für die Regie-Trophäe nominiert: Sofia Coppola ("Lost in Translation", 2003), Jane Campion ("Das Piano", 1993) und Lina Wertmüller mit "Sieben Schönheiten" (1975).

Wenn "La La Land" in der Oscar-Nacht nach den Sternen greift, schaut Damien Chazelle schon weiter - in Richtung Mond. Als nächstes packt der Regisseur die Filmbiografie "First Man" über den ersten Mann auf dem Mond an. Ryan Gosling soll in die Rolle des Astronauten Neil Armstrong schlüpfen. Das große Studio Universal steht hinter dem Projekt. Mit oder ohne Regie-Oscar: Chazelles Höhenflug in Hollywood ist nicht zu bremsen.

(APA/dpa/Barbara Munker)

Meistgelesen
    Kommentar zu Artikel:

    Junge Regisseure geben bei den Oscars den Ton an

    Schließen

    Sie sind zur Zeit nicht angemeldet.
    Um auf DiePresse.com kommentieren zu können, müssen Sie sich anmelden ›.