Körper-Schinder: Was Schauspieler für Rollen auf sich nehmen

Dutzende Kilos rauf, wieder runter, wochenlanges hartes Training: Schauspieler nehmen einige Strapazen auf sich, um eine Rolle lebensecht verkörpern zu können.

Wie viele seiner Branchenkollegen hat auch Andrew Garfield körperliche Strapazen hinter sich - allerdings nicht für die Rolle, für die er den Oscar holen könnte. Nominiert ist er nämlich für den Kriegsfilm, oder Anti-Kriegsfilm "Hacksaw Ridge" - davor drehte er mit Martin Scorseses den Film "Silence", für den er einige Strapazen auf sich nahm. 

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Für "Silence", der Anfang März in Österreich ins Kino kommt, nahm Garfield rund 20 Kilo ab. In dem Drama spielt er einen Jesuitenpater, der Menschen in Japan missionieren soll. Bei den Oscar-Nominierungen ging der Film erstaunlicherweise leer aus. 

Dabei führt solch eine körperliche Tortur oft zu Oscar-Ehren, wie die folgenden Beispiele zeigen. 

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Ein wahrer Hungerkünstler ist Christian Bale. Der Schauspieler formt seinen Körper für jede Rolle extrem.

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Für "The Machinist" (2004) nahm er 30 Kilogramm ab und wog bei einer Körpergröße von 188 Zentimeter nur mehr 60 Kilo. Der Psychothriller von Brad Anderson erschreckt vor allem durch Szenen, in denen sich Bale im Badezimmer wiegt und seine immer stärker hervorstehenden Rippen im Spiegel betrachtet.

Für ...

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... sein folgendes Engagement als Batman nahm er wieder zu - vor allem baute er Muskeln auf. Schließlich sollte der Held im Fledermaus-Kostüm in "Batman Begins" (2005, im Bild) und "The Dark Knight" (2008) glaubwürdig aussehen. Danach ...

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... war Bale wieder am unteren Ende der Gewichtsskal. In "The Fighter" (2010) spielte er Dicky Eklund, den Crack-abhängigen Ex-Boxer und Halbbruder des Boxers "Irish" Micky Ward (Mark Wahlberg). Für diese Rolle wurde er 2011 mit dem Oscar als Bester Nebendarsteller ausgezeichnet.

Kurz darauf hieß es aber wieder kräftig essen und trainieren: Die Dreharbeiten zum dritten Teil von Christopher Nolans Batman-Reihe "Dark Knight Rises" (2012) gingen los.

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Mittlerweile ein Meister des Jojo-Effekts, futterte sich Bale für die Rolle des Trickbetrügers Irving Rosenfeld in "American Hustle" (2013) 20 Kilo hinauf. "Ich aß alles, einfach alles", sagte der Schauspieler und wurde im Jahr 2014 in der Kategorie Bester Hauptdarsteller für den Oscar nominiert. Erhalten hat ihn allerdings ein anderer Hungerkünstler, nämlich ...

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... Matthew McConaughey hat für seine Rolle im Drama "The Dallas Buyers Club" (2013), in dem er einen an HIV erkrankten Mann spielt, mittels einer Saftdiät 20 Kilo abgenommen. Der 1,83 Meter große Mime hungerte sich auf 60 Kilo herunter.

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Es hat sich gelohnt. McConaughey erhielt im Jahr 2014 den Oscar als Bester Hauptdarsteller.

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Natalie Portman musste ihren Körper für den Ballett-Thriller "Black Swan" (2010) malträtieren. "Ich habe für diesen Film ein Jahr lang trainiert", sagte Portman.

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Die ohnehin zierliche Schauspielerin nahm fast zehn Kilo ab, um die Ballerina in Darren Aronofskys ("The Wrestler") Psycho-Eifersuchtsdrama spielen zu können. Fünf bis acht Stunden Ballett-, Schwimm- und Cross-Training absolvierte sie täglich. Für Portman lohnte sich der Aufwand: Sie gewann 2011 den Oscar.

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Ob sie ihn auch in diesem Jahr mit nach Hause nehmen darf, wird sich zeigen. Für ihre Rolle als "Jackie" (2016) durfte sie jedenfalls bleiben wie sie ist und wurde in der Kategorie Beste Hauptdarstellerin nominiert. Portman gilt neben Emma Stone (für "La La Land") als Favoritin.

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Extreme körperliche Anstrengung hat sich auch für Hilary Swank in Form eines Oscars ausgezahlt. Den bekam sie 2005 für Clint Eastwoods "Million Dollar Baby" (2004). Drei Monate trainierte sie intensiv dafür - so intensiv, dass sie sich sogar eine Blutvergiftung zuzog, als sie ihre Blasen in der Badewanne "behandelte".

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Fünf Stunden täglich stand Hilary Swank im Fitness-Studio. Für die Dreharbeiten hielt sie auch einen strengen Ernährungsplan ein: Sie trank Protein-Shakes und musste sich auch in der Nacht einen Wecker dafür stellen - denn nur, wenn sie ihren Körper regelmäßig versorgte, konnte sie in so kurzer Zeit genügend Muskeln aufbauen.

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Einen Oscar gab es auch für Charlize Theron in "Monster" (2003). Das südafrikanische Ex-Model verwandelte sich in eine Prostituierte und Mörderin aus der amerikanischen Unterschicht. Mehr als zehn Kilo nahm Theron zu, um die 2002 hingerichtete Aileen Wuornos spielen zu können. Chips und Donuts standen am Speiseplan.

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Nach Ende der Dreharbeiten bekam Theron wieder Stress mit der Figur: In nur drei Wochen musste das Gewicht wieder loswerden, weil sie dann schon wieder vor der Kamera stand - als Britt Ekland in "The Life and Death of Peter Sellers" (2004).

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In keiner Rolle bekam der grau melierte Leinwandheld mehr große Filmpreise als in jener des leicht übergewichtigen CIA-Agenten Bob Barnes im Politthriller "Syriana" (2006). Den Speck musste sich George Clooney natürlich anessen: Gut 14 Kilos sollen da auf seine Rippen und vor allem seinen Bauch gewandert sein.

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Essen zu dürfen, ohne auf die Kalorien aufzupassen, machte Clooney aber keinen Spaß. Im Gegenteil. Das Gewicht verursachte eine Rückenverletzung. Der Fitness-Fanatiker konnte es kaum erwarten, die Extra-Pfunde loszuwerden. Zum Trost gab's den Golden Globe und den Oscar als Bester Nebendarsteller.

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Besonders schmal war Russel Crowe nie, aber immer ganz gut trainiert. Bekannt wurde er mit seiner im Jahr 2000 Oscar-prämierten Rolle in "Gladiator" (2000). Dass der Mann auch anders kann, bewies er in ...

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... "Body of Lies" (Der Mann, der niemals lebte; 2008): Für Regisseur Ridley Scott spielte er den CIA-Mitarbeiter Ed Hoffman - Leonardo DiCaprios Vorgesetzten - mit fast 30 Kilo mehr.

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Der Neuseeländer ist körperliche Strapazen gewohnt: Schon für Michael Manns "Insider" (1999), in dem er einen Chemiker spielt, futterte er sich mittels Cupcakes und Burger-Frühstück ein paar Kleidergrößen hinauf. Bei so viel Aufwand, darf sich Crowe über den Ruf, einer der profiliertesten Charakterdarsteller des Hollywood-Kinos zu sein, freuen.

Noch in diesem Jahr wird er neben Tom Cruise im Remake von "Die Mumie" zu sehen sein.

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Die wohl bekannteste Schauspielerin mit "Pfunds-Rollen" ist Renee Zellweger: Um die Titelheldin im ersten Teil der "Bridget Jones"-Reihe (ab 2001) spielen zu können, aß sie Donuts und Pizza, bis sie gut 13 Kilo mehr wog.

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Für das Musical "Chicago" nahm sie radikal ab - und für "Bridget Jones 2 - Am Rande des Wahnsinns" wieder zu. Diesmal stand ihr aber ein Ernährungsexperte zur Seite.

Für den dritten Teil, "Bridget Jones's Baby" (2016), blieb ihr ein Zunehm- und Abnehm-Marathon erspart. Zellweger musste sich lediglich einen Schwangerschaftsbauch umbinden.

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Hauptberuflich ist Jared Leto Sänger der Band "30 Seconds to Mars", nebenberuflich spielt er hin und wieder in einem Hollywood-Film mit. Etwa in "Suicide Squad", wo er als Joker zu sehen ist. Oder in "Chapter 27" (2007). In dem Drama spielt er Mark David Chapman, den Mörder von John Lennon. Dafür nahm Leto mehr als 30 Kilo zu und konnte - weil sein Körper das nicht gewohnt war - kaum noch gehen. Mangelndes Engagement kann man ihm also nicht vorwerfen.

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Vor dem Dreh aß er angeblich sieben Wochen kaum etwas anderes als fettes Eis mit Olivenöl und Sojasauce. Nach dem Dreh soll er sich sieben Wochen nur von Zitronenwasser mit Pfeffer "ernährt" haben. Dass er so viel Gewicht so radikal zu- und vor allem wieder abnahm, hatte für Leto gesundheitliche Schäden zur Folge: Der Sänger leidet seither an Gicht. Auch der Film war ein Fehlschlag: Es gab kaum eine gute Kritik, Preise auch nicht.

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Bei der zweiten Abnehmkur hat es dann geklappt: für seine überzeugende Darstellung des transsexuellen, drogensüchtigen Rayon in "Dallas Buyers Club" (2013) wurde er mit dem Golden Globe und mit dem Oscar als Bester Nebendarsteller ausgezeichnet. "Für die Verkörperung von Rayons Fragilität war es essenziell, dass mein Körper über keinerlei Energiereserven verfügt", begründete Leto den starken Gewichtsverlust für diese Rolle.

 

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Richtig harmlos wirkt da Sylvester Stallones Auffettungs-Kur: Für James Mangolds Thriller "Cop Land" (1997) musste er 15 Kilo zunehmen. Schließlich spielte er einen Sheriff und sollte auch aussehen wie einer.

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Der mehrfach mit dem Schmähpreis "Goldene Himbeere" ausgezeichnete - unter anderem als "Schlechtester Schauspieler des Jahrhunderts" - durfte sich für so viel Quälerei sogar über einen positiven Preis freuen: Auf dem Stockholm International Film Festival wurde Stallone zum Besten Schauspieler gekürt.

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Ein Formenwandler ist auch Matt Damon: Für "Mut zur Wahrheit" (Courage Under Fire; 1996), in dem er einen heroinabhängigen Soldaten spielte, verlor er 1996 mehr als 18 Kilo. Dabei ruinierte er sich fast seine Gesundheit: Neben Sport und kalorienarmer Ernährung bereichterten auch literweise Kaffee und viele, viele Zigaretten seinen Diätplan. Für "The Informant" (2009) nahm er wiederum 15 Kilo zu.

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Das Zunehmen machte dem vierfachen Vater aber mehr Spaß als das Abnehmen: Er aß Unmengen Burger und Tortilla Chips. "Ich war stolz auf meine Wampe", sagte der Schauspieler. Das Abnehmen nach der Rolle sei im schwer gefallen. In seinen folgenden Abenteuern als Geheimagent Jason Bourne musste er nämlich wieder fit und immer auf der Flucht sein.

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Nicht nur über dem großen Teich, auch im deutschsprachigen Raum schinden Schauspieler ihre Körper. Sebastian Koch trainierte drei Monate lang, um in der Literaturverfilmung "Der Seewolf" (2009) den Kapitän Wolf Larsen spielen zu können. Dieser wird schon in Jack Londons Roman als brutal und ziemlich kräftig beschrieben.

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"Ich habe trainiert, trainiert, trainiert", sagte der Schauspieler. Es hat sich gelohnt: Koch, den das US-Publikum schon aus dem Oscar-Film "Das Leben der Anderen" kennt, wurde für den Fernsehpreis Emmy nominiert.

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In "Cast Away – Verschollen" (2000) verbringt Tom Hanks mehr als vier Jahre allein auf einer einsamen Insel. Fast 25 Kilo nahm er dafür ab und - vermutlich sind Friseure auf einsamen Inseln rar - schnitt sich weder die Haare, noch rasierte er sich.

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Den Golden Globe konnte Tom Hanks für diese glaubwürdige Verkörperung seiner Rolle mit nach Hause nehmen. Für den Oscar war er ebenfalls nominiert, der ging in diesem Jahr aber an den "Gladiator" Russell Crowe.

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Als Höhepunkt des Method Acting, einer Art schauspielerischem Naturalismus, ging Robert De Niro mit "Wie ein wilder Stier" (Raging Bull, 1980) in die Filmgeschichte ein. Für Regisseur Martin Scorsese verkörperte er den Boxer Jake LaMotta - und zwar seinen Aufstieg und Niedergang.

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La Motta trainierte DeNiro für die Darstellung als Profi persönlich. Für die Verkörperung des alternden Boxers nahm er 27 Kilo zu. Dafür gab es einen Oscar, seinen bisher einzigen.

Im Bild: De Niro und La Motta zum 25-Jahr-Jubiläum des Films

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Im verstörenden Film "Hunger" (2008) des britischen Regisseurs Steve McQueen ("12 Years a Slave"), geht es um die wahre Geschichte von zehn IRA-Häftlingen, die im Hungerstreik gestorben sind. Michael Fassbender hat für dies Rolle des Anführers, Bobby Sands, 18 Kilo in zehn Wochen abgenommen. Seine Diät bestand aus Nüssen, Beeren und Sardinen.

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Derzeit ist Fassbender wieder wohlgenährt und ganz sportlich in der Computerspiel-Verfilmung "Assassins Creed" zu sehen.

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