Oscars, Opern, Opernball: Public Viewing boomt

24.02.2012 | 18:51 |  von Duygu Özkan und Köksal Baltaci (Die Presse)

Zuerst wurde die Oper und das Fußballspiel, mittlerweile werden auch Events wie der Opernball und Serien wie Tatort öffentlich vorgeführt. Dabei klingelt für die Veranstalter nicht immer die Kassa.

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Es war die große Stunde der Vuvuzela, als vor zwei Jahren bei der Fußballweltmeisterschaft in Südafrika dieses bunte Blasinstrument die Bildschirme in den Public-Viewing-Zonen (und auch zu Hause) eroberte. Nun wurde aber die Vuvuzela ziemlich schnell und ziemlich einstimmig als nervtötend empfunden. Das Instrument war also passé, die Begeisterung für Public Viewing ist freilich geblieben.

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Während sich aber das kollektive Fußballschauen mehrheitlich auf die Großereignisse beschränkt (die nächste Europameisterschaft findet übrigens heuer im Juni statt), sind es außerhalb der „Fußballsaison“ immer öfter sportlose Formate, die übertragen werden. In anderen Worten: Public Viewing boomt. So werden zum Beispiel in der Nacht auf Montag die Oscars verliehen – und wer sich die Gala nicht in wohnzimmerlichem Ambiente anschauen möchte, kann zwischen mehreren Public-Viewing-Angeboten wählen.

Auch das Innsbrucker Metropol-Kino veranstaltet eine Oscar-Nacht. „Die Nachfrage ist trotz des ungünstigen Übertragungstermins nach wie vor sehr hoch“, sagt Christian Hofer vom Metropol, „wobei ein Großteil der Besucher Stammgäste sind, die die Oscar-Nacht seit Jahren hier mitverfolgen.“ Ein großes Geschäft sei die Übertragung der Verleihung für das Kino nicht. „Aber darum geht es nicht. Events wie diese sind gut fürs Image eines Kinos und tragen zur Markenbildung bei.“

 

Anna Netrebko in den Kinos

Dem kann auch Oswald Schellmann zustimmen. Er veranstaltet in unregelmäßigen Abständen Public Viewings auf der Wiener Summerstage (Roßauer Lände). Für sein Team seien diese Events „reiner Kundenservice“, denn die Kassen würden hier nicht klingeln: „Bestenfalls wird es ein legendäres Defizit.“ Gestern, Freitag, beispielsweise fand hier die „offizielle Vote-for-Valerie-Party“ statt. Übertragen wurde die ORF-Entscheidungsshow, wer denn Österreich beim Eurovision Song Contest in Aserbaidschan vertreten darf. Für die Fans der Sängerin Valerie gab es hier eigens kreierte „Valerie goes Baku“-Cocktails – und gewettet wurde ebenfalls.

Der Public-Viewing-Boom ist nicht nur auf die Fußballevents zurückzuführen. Vor fünf Jahren wurde begonnen, Opern zu übertragen – und dieser Trend halte noch immer an, sagt Hofer vom Metropol-Kino. Ein Trend, den auch die Wiener Staatsoper in ihr Repertoire aufgenommen hat. Voriges Jahr im April wurde die Premiere der Oper Anna Bolena (mit Anna Netrebko und Elina Garanča) in fast 100 Kinos übertragen – europaweit. Aus der Staatsoper heißt es, dass diese Aktion ein „großer Erfolg“ gewesen sei – sämtliche Säle waren ausverkauft.

Ausverkauft sind auch die Übertragungen – die es seit 2007 gibt – aus der New Yorker Metropolitan Opera in insgesamt acht österreichischen Cineplexx-Kinos: Derzeit habe man 3000 Abonnenten, die sich jede Vorstellung ansehen würden, sagt Marketingleiterin Carina Resch.

Etwas bescheidener fällt da die Liveübertragung der Opern direkt neben der Staatsoper aus. Auch heuer werden hier ab 31. März Stühle aufgestellt und die Vorstellungen auf eine 50 Quadratmeter große Videowand übertragen. Der „Eintritt“ ist kostenlos, Ziel sei es, die Aufführungen einer breiten Öffentlichkeit zugänglich machen. Und noch ein Livestream aus der Staatsoper: Heuer wurde der Opernball im Café Museum übertragen.

 

„Täterraten“ bei Tatort

Neue Inputs für die Kinosäle also. Wobei: „Der klassische Film wird immer bei Weitem dominieren“, sagt Hofer. Aber in Wien haben es mittlerweile auch klassische Fernsehfilme in die Kinos geschafft. Im Schikaneder- und im Top-Kino boomen an Sonntagen Vorstellungen der Krimiserie „Tatort“. Woche für Woche füllen sich die Säle meistens bis auf den letzten Platz – bei freiem Eintritt und (manchmal) mit „Täterraten“, bei dem es auch noch Freigetränke zu gewinnen gibt. Auch in den Cafés Das Moped (in einem schicken, auf 70er-Jahre getrimmten Wohnzimmer im hinteren Bereich) im dritten und Hawidere im 15.Bezirk wird jeden Sonntag der neueste „Tatort“ übertragen – unter regem Besucherinteresse, wie beide Lokale bestätigen.

Auf einen Blick

Public Viewing. Gleich mehrere Events wurden und werden dieser Tage öffentlich vorgeführt: So hat das Café Museum den Opernball übertragen, in mehreren Kinos können Besucher in der Nacht auf Montag die Oscar-Verleihung ansehen. Auch die Übertragung von Opern wird immer beliebter. Voriges Jahr hat die Staatsoper in 100 Kinos live übertragen (Anna Bolena), in Cineplexx-Kinos werden Opern aus New York gezeigt.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 25.02.2012)

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